Frauenüberschuss in der Mongolei

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Frauenüberschuss in der Mongolei

Beitragvon zurken » Mittwoch 26. März 2008, 10:13

"dort herrscht statistischer Frauenüberschuss und möglicherweise kommst Du aus so einer Jurte nicht wieder so einfach raus."


in einer einzeln stehenden Jurte Frauenüberschuss? Wieviele wohnen denn da drin? Und was haben die dann mit dir gemacht?
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Beitragvon Monrise » Mittwoch 26. März 2008, 19:48

Statistischer Frauenüberschuss herrscht in der Gobi und nicht in der einzelnen Jurte oder dann natürlich auch dort, denn da lebt dann nur eine Frau und kein Mann also ein Verhältnis 1:0.
Frauenüberschuss in der Gobi ist begründet, es werden erstens mehr Mädchen geboren und zweitens ist die Kindersterblichkeit unter Mädchen dort geringer als bei Jungs, das führt dazu, dass von 100 Erwachsenen fast 60 Frauen sind. Es bleiben also immer Frauen übrig und die wohnen dann in einzeln stehenden Jurten, damit man nicht immer gleich mitkriegt, wer da zu Besuch kommt.

Ich war noch nie allein in so einer Jurte, deshalb kann ich Dir nicht sagen was da passiert wäre. Man erzählt sich aber ungeheuerliche Geschichten darüber.

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Beitragvon Pantitlan » Donnerstag 27. März 2008, 03:11

Zurken: Das wäre doch eine interessante Mission für Dich, oder? Du kannst uns dann exklusiv davon erzählen. Nimmt mich nämlich auch wunder, wieso du ausserhalb der Hörweite anderer Zelte sein müssen... :)

Ernsthaft: Dass mit dem Frauenüberschuss macht ja Sinn. Aber ich finde das etwas seltsam, alleinestehende Frauen in einzelne freistehende Jurten zu verbannen. Gut, sie können dann besser Besuch empfangen, aber wenn man irgendwo in der Wüste wohnt, dann ist die Chance, dass der Traumprinz vorbeigalopiert ja wohl noch geringer als bei uns in einer Stadt und das wird wohl auch nicht die ganze Zeit sein. Alleine zu leben macht ja ausserdem nicht viel Sinn. Das ist ja nicht nur Langweilig (ausser wenns halt doch mal galoppiert), sondern auch gefährlich, weil man dann fast Freiwild ist. Dass es zudem wirtschaftlich nicht effizient ist, alleine zu wohnen, brauche ich wohl nicht zu betonen. Ich hätte daher erwartet, dass diese Frauen dann in ihren Familien bleiben oder mit der Schwester mitgehen oder was auch immer...

Weisst da darüber etwas, Monrise?

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Beitragvon Monrise » Donnerstag 27. März 2008, 21:53

Zunächst mal zum neuen Thema, der Frauenüberschuss ist hauptsächlich in der Gobi am deutlichsten und dort gibt es dann auch die berühmten Einzeljurten.

Zur Frage des Zusammenlebens von Geschwistern, dass ist eine eigene Geschichte, in der Mongolei bilden selten erwachsene Geschwister einen Ail, es gilt das Prinzip, das sich die erwachsenen Geschwister möglichst weit verteilen, man kennt natürlich sehr genau dort die Folgen genetischer Verarmung und deswegen leben in einem Ail eher nicht verwandte Leute zusammen als Geschwister. Eltern, Großeltern und Kinder ja, aber kaum erwachsene Geschwister.

Die alleinstehende Frau in der alleinstehenden Jurte in der Gobi lebt ja sagen wir mal auf einer Distanz von vielleicht vier, fünf Kilometern zu den nächsten Jurten, also niemals in einer völligen Einöde, wo sonst niemand wohnt, außerdem ist bei dem Frauenüberschuss relativ sicher, wer Mitte zwanzig noch niemanden hat wird auch kaum noch jemanden finden. Also worauf warten. Auch sind die Frauen ja nicht wirklich allein, wie gesagt es kommt dann häufiger mal Besuch und sie bekommen auch dann Geschenke, so dass sie trotzdem über die Runden kommen.

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Beitragvon zurken » Freitag 28. März 2008, 00:08

aha, Geschenke, da können wie also weiter spekulieren, wofür diese Geschenke gegeben werden.

Ich nehme den Auftrag an und werde mich nächstes Jahr mal in alleinstehenden Jurten umsehen und euch dann berichten - versprochen. Hoffentlich gibts da noch was anderes als Buttertee und Stutenmilch. Naja, ich hab ja das Wohnmobil dabei, kann ich die Damen bei mir zum Tee einladen. :lol:
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Beitragvon Pantitlan » Freitag 28. März 2008, 03:28

zurken hat geschrieben:Ich nehme den Auftrag an und werde mich nächstes Jahr mal in alleinstehenden Jurten umsehen und euch dann berichten - versprochen.


Wusste doch, dass auf Dein Forschungsdrang verlass ist! ;)


Zur Frage des Zusammenlebens von Geschwistern, dass ist eine eigene Geschichte, in der Mongolei bilden selten erwachsene Geschwister einen Ail, es gilt das Prinzip, das sich die erwachsenen Geschwister möglichst weit verteilen, man kennt natürlich sehr genau dort die Folgen genetischer Verarmung


Was ist ein Ail? So was wie eine Familie auf der Basis einer Jurtensiedlung?

Wenn nun aber die Schwester mit der Schwester mitgehen würde, hätte dies ja genetisch keine Verarmung zur Folge. Dass Bruder und Schwester zusammen nicht ideal ist, das kann ja noch sein...

Ist dieser Frauenüberrschuss denn ein eher modernes Phänomen? Ich würde ja erwarten, dass die Gesellschaft sonst andere Methoden entwickelt hätte, dem entgegenzuwirken.

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Beitragvon zurken » Freitag 28. März 2008, 13:38

tja, das fiel mir auch auf, das mit der "genetischen Verarmung" unter Schwestern :lol:

wenn ich mal sagen darf, wie ich das verstehe, wollte man das in Klartext sagen: Die Mädchen, die keinen Mann mitgekriegt haben, weil keiner sie wollte, ziehen zusammen und verdienen ihren Lebensunterhalt mit Prostituition, was ich ganz in Ordnung finde, da ich Prostitution weder schmutzig noch unmoralisch finde, und wenn es so ist, würde ich diese Dienstleistung sehr gern mal in Anspruch nehmen, sollte ich da jemals durchkommen.
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Beitragvon Monrise » Freitag 28. März 2008, 22:13

Ein Ail ist die kleinste Struktur, zwei, drei Jurten eine einzelne wäre aber auch ein Ail. Es sind bei den Mongolen nicht unbedingt Familien, manchmal sind es auch Leute die nicht direkt verwandt sind aber zusammen wirtschaften.

Der Frauenüberschuss in der Gobi ist schon lange bekannt, warum mehr geboren werden, keine Ahnung, die Kindersterblichkeit ist geringer, weil Mädchen ein besseres Immunsystem haben.

Warum sollte man eine andere Lösung suchen, so haben doch alle was davon und es ist ja kein Gesetz, dass die alleinstehenden Frauen auch allein leben müssen, viele tun es einfach. Sicherlich gebe es bei weiblichen Geschwistern kein genetisches Problem, aber dann würde die eine die vielleicht keinen Mann hat immer ihren Schwager belästigen, wäre doch auch nicht gut. Ist in der Praxis dort alles recht unproblematisch und wie schon gesagt, im Gegensatz zu den Kasachen in der Mongolei bilden die Mongolen keine typischen Großfamilien, die dann auch so zusammen wirtschaften, aus dem Grund verteilen sich die Kinder einer Familie recht bald.

Es bringt auch nicht viel, wenn sich zu große Ails bilden, dann muss häufiger umgezogen werden, weil das Vieh die Weide um die Jurte schneller abgefressen hat und umziehen ist Stress den man so gering wie möglich halten will, anderseits gibt es nicht allzu viele Arbeiten, bei denen mehr Leute notwendig sind. Es gibt also auch keinen wirtschaftlichen Sinn für Großfamilien mit vielleicht zwanzig oder dreißig Personen, die würden aber ganz schnell enstehen, wenn jede Generation sechs oder sieben Kinder bekommt, so wie es lange war und alle zusammen bleiben.

Wahrscheinlich gebe es Probleme im Zusammenleben, denn bei den Mongolen haben die Männer recht wenig zu melden, die Frauen leiten eigentlich die Familie und da es dann kein autoritäres Familenoberhaupt für alle gäbe, würde der Laden sicher nicht funktionieren.

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