Internet Zensur in China

China, das Reich der Mitte: nicht nur politische Diskussionen zur Unabhängigkeit Tibets und Taiwans, sondern auch Reisetipps und Anekdoten zu der kommenden Weltmacht in Asien...

Internet Zensur in China

Beitragvon Pantitlan » Mittwoch 7. Juni 2006, 09:31

Ich sitze derzeit in einem Internetcafe in China und aergere mich ueber zwei Dinge:

Erstens kann ich keine Suchmaschine benutzen. Google funktioniert zwar auf der Startseite, aber in jedem Internetcafe bisher kam statt den Resultaten eine Fehlermeldung. Das sowohl auf Google. com wie auch -de oder .ch Ich kann das zwar umgehen, indem ich die Googlebar benutze, die ich unten im Forum eingebaut habe, aber es ist nicht wirklich ideal.

Zweitens kann ich nicht auf mein Geschaeftsmailkonto zugreifen. Und dies, weil es ueber ein abhoersichereres htpps:// Protokol aufzurufen ist. Auch hier vermute ich ein System des chinesischen Ueberwachungsstaats. Kann mir jemand sagen, wie ich dieses Problem umgehen kann?

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Beitragvon Alex » Mittwoch 7. Juni 2006, 12:50

http://www.opensky.cc/board/viewtopic.php?t=397


Falls Du Dein eigenes Notebook verwendest:
http://www.ccc.de/censorship/dns-howto/WinXP/WinXPhow-to.htm?language=en
(EDIT: Geht nur mit Administrator-Rechten!)

Zuletzt geändert von Alex am Mittwoch 7. Juni 2006, 22:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Aremonus » Mittwoch 7. Juni 2006, 22:32

ich find die Idee mit dem DNS gut, wenn man das in einem I-net coffeee so machen kann.

Die chinesische Zensure basiert meines Wissen nach auf bestimmten Wörtern und ein paar gesperrten Websites; dass sie ganze http-verschlüsselungen sperren, wäre mir neu.
Wenn du ins Kaffee gehst und dort mails checken möchtest, sag nem arbeitskollegen er solle deine mails auf ein hotmail konto umleiten; die können in china abgerufen werden.
Dass Google nicht geht, muss an dem Internetkaffee liegen, wenn du dann in eines gehst. Sonst vprobiers am besten mal mit der chinesischen Version von google (http://www.google.cn). Wenn du deinen eigenen Laptop verwendest, musst du es unter Google mit einem Klick auf "Sprachtools" und dann auf die chinesischi Flagge umstellen (manchmal klappt das eingeben von google.cn allein nicht, da google zu intelligent ist - es routed dich automatisch auf die schweizerseite von google um.)

Viel Spass mit der chinesischen Zensur!
Gibt es nicht irgendwie die Möglichkeit, die webseite innerhalb einer Webseite anzuzeigen? Könnte man doch über einen inlinframe oder so machen, dann kann man von china aus auch auf Seiten wie Wikipedia zugreifen^^
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Beitragvon bAbbAZwack » Donnerstag 13. Juli 2006, 10:12

Auf http://www.anonymouse.org gehen und dort den gewuenschten link der nicht funktioniert eingeben. Dann funktiernert so ziehmlich jede Seite, da du dann anonym surfst und ueber einen deutschen server im internet bist. Viel Spass beim Surfen.
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Beitragvon Fabyian » Mittwoch 19. Juli 2006, 08:32

Hallo Panti,

ich habe mir hier http://www.traveltalk.weltreiseforum.com/ftopic567.html auch mal den Frust des chinesischen Internets von der Seele geschrieben. Erstaunlich: viele Chinesen glauben nicht an Zensur! :roll:

Meinen eigentlichen Mail-Account bei inbox.com, den ich mit Abstand den besten finde, konnte ich in China gar nicht benutzen. Nach einer Weile hatte ich yahoo, hotmail und etwa sechs weitere... Hotmail ist haesslich und ging bei mir auch nicht. Yahoo war es dann, ging aber auch nicht immer (Mails konnten nicht geoeffnet werden, waren leer oder kamen nie beim Empfaenger an).

Mit google hatte ich weniger Probleme, allerdings sind jede Menge Seiten in China gesperrt. Aber nicht immer!

Mal was zu google fuer alle, die es noch nicht wissen:

http://www.tagesschau.de/thema/0,1186,OID5237910,00.html

Alternativen:

http://www.noluv4google.com/article.php?id=800

Ich habe festgestellt, dass ich schon reichlich vergoogelt bin - andere Suchmaschinen kommen mir komisch vor... Aber zB clusty.com ist wirklich gut.

Wie ist es mit gmail? Jeder Benutzer stimmt zu, dass persoenliche Daten gelesen und weitergegeben werden. Auch als Empfaenger von gmail-Mails. Naja, die machen wenigstens kein Geheimnis draus. Weiss jemand, ob gmail in China funktioniert?

Ich bin nicht paranoid und will es auch nicht werden. Was ich von Seiten wie o.g. Anonymous halten soll, weiss ich nicht. Sieht nicht serioes aus (serioese Oberflaeche bedeutet allerdings auch nicht viel) und vielleicht werden grade die streng ueberwacht, weil jeder, der was zu verbergen hat, sich da sicher fuehlt... Ich weiss es nicht. Ob das in China funktioniert, wuerde mich aber mal interessieren. kann's selber nicht probieren - wohne nicht mehr dort (bald wieder), kann es mir aber nicht so richtig vorstellen. Die Server der geblockten Seiten sind auch im Ausland und gehen nicht.

Vielleicht ist man doch am sichersten, wenn man die ganz grossen benutzt. Da hat man eine Chance in der Masse unterzugehen...

opensky werde ich mir genauer und in Ruhe durchlesen. Fuer den Link auf jeden Fall: Danke!

Wer wirklich per mail "heikles" versenden will, der sollte in ein Cafe gehen und hotmail, yahoo etc benutzen.


Tja, falls Du, Panti, noch in China bist, ess ein paar Baozi fuer mich und hab viel Spass...


Gruss
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Beitragvon Aremonus » Donnerstag 20. Juli 2006, 18:50

Also bis jetzt habe ich noch keinen Chinesen hier in chengdu getroffen, der nichts ueber die zensur weiss (ausser meiner freundin grossmutter, aber die weiss auch nicht dass es ein internet gibt^^)

anonymouse finde ich recht gut; hier im internetkaffee funktiniert es jedenfalls einwandfrei. Mit dem emailpruefen habe ich jedoch trotz zensur keine probleme, weder bei meiner schule noch bei freesurf noch bei tiscali. (ausser das tiscali zu langsam ist, drum check ich es kaum)

Wozu betreibt die Regierung diesen Aufwand eigentlich? Gerade bei Seiten wie Wikipedia ist es total Sinnfrei, eine solche zensur zu machen, ja sogar kontraproduktiv, da man der bevoelkerung so offen zeigt, dass man was zu verbergen hat.
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Beitragvon Pantitlan » Donnerstag 20. Juli 2006, 23:34

Gerade habe ich eine Meldung gelesen zum Thema gelesen. So hat Amnesty International den Firmen Microsoft, Google und Yahoo wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an Internet-Zensur in China Verstöße gegen die Menschenrechte vorgeworfen. (siehe dazu hier)

Noch kurz zu meinen Erlebnissen: Ich habe das ganze mit der Zensur in China noch in einem Reisebericht zusammengefasst. Sind auf dieser Seite hier die beiden letzten Absätze. Dort siehst du auch, wie sinnlos und kontraproduktiv das ganze ist: So habe ich in einem Buchladen in Peking Importbücher gefunden, bei denen ganze Seiten überklebt sind. Gegen das Licht kann man aber trotzdem noch lesen, dass es um das Tiananmen-Massaker geht. Tja, wieso tun die das? Und wieso tun sie das so schlecht und plump? Manchmal habe ich da einfach das Gefühl, dass die Zensoren selber nicht so wirklich für ihre eigene Zensur sind und so auf etwas subversive Weise versuchen, das System auszuhebeln. Aber vielleicht überschätze ich sie auch einfach und sie sind bloss sehr dumme Bürokraten.

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Beitragvon Fabyian » Freitag 21. Juli 2006, 00:54

Das "Anonymous" funktioniert, zeigt was Pantitlan schon vermutet hat: die Zensur ist entweder halbherzig oder einfach nicht gut.
Chinesen werden allerdings eher selten "Umwege" finden.

Das mit der Mail-Zensur ist noch unverstaendlicher. Ich habe in China keinen kennengelernt, der auch nur annaehernd soviel Probleme hatte, wie ich! Eine Vermutung war, dass englischsprachige Mails besser durchgehen, als zB deutsch. Die "Zensur-Meister" sprechen wohl nur English, wenn ueberhaupt.

Aber, wie gesagt, meine Mails waren meist so: "Liebe Mama, alles ist toll und ich fuehele mich sehr wohl..." Bei meiner Mutter kam das dann nicht an :evil: !

Zum Thema Zensur ist mir nochwas eingefallen. In einem chinesischen Reisefuehrer fuer Tibet, den meine Frau gekauft hat, steht: Sie sollten bei einer Tibetreise auf ein Messer zur Verteidigung nicht verzichten!"
So schafft man es auch, dass keiner hinfaehrt und mit eigenen Augen sieht, was Sache ist (viele Gegenden in Tibet sind Sperrzone). Abgesehen davon, halte ich die Gefahr, in Tibet ueberfallen zu werden, nicht der Rede wert - nicht mehr, als irgendwo anders in China auch. Den Tip, ein Messer zu tragen, ist der groesste Schwachsinn diesbezueglich, den man Reisendne raten kann. Wer ein Messer traegt, der muss damit umgehen koenne - sowohl vom Koennen als auch mental. Bewaffnet durch das Leben ziehen ist grundsaetzlich abzulehnen.

Und was Positives: die Bahnverbindung nach Lhasa ist fertig... :P Auf jeden Ffall ein Muss, wenn ich wieder in China bin! Freu mich jetzt schon riesig.

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Beitragvon Pantitlan » Freitag 21. Juli 2006, 02:29

Fabyian hat geschrieben:Das "Anonymous" funktioniert, zeigt was Pantitlan schon vermutet hat: die Zensur ist entweder halbherzig oder einfach nicht gut.
Chinesen werden allerdings eher selten "Umwege" finden.


Nein, dass liegt wohl an etwas anderen: nämlich, dass eben nicht im Datenstrom der Inhalt gefiltert wird, sondern eben bestimmte Seiten gespidert und dann anschliessend gesperrt wird. Wenn ich mich richtig erinnere, ist das auch die These von diesem Heiseartikel: http://www.heise.de/newsticker/meldung/74908

Aber Du hast schon recht, die meisten Chinesen wissen das nicht. Denen, welche ich so ein paar Tipps gegeben habe, waren heilfroh. Die Intellektueleren unter ihnen leiden nämlich an der Zensur.

PS: ich bin mir nich so sicher, ob diese Lhasabahn wirklich so positiv ist...

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Beitragvon Fabyian » Freitag 21. Juli 2006, 02:43

Meinst Du, nicht positiv wegen bestimmter Begleiterscheinungen wie die Arbeitsbedingungen der Bauarbeiter oder findest Du, dass mehr Tourismus Tibet schadet?
Ich dachte nur, fuer mich als Reisenden ist das bestimmt sehr spannend...

Was haelst Du denn von "Messer in Tibet"?



P.S. Aber es werden ja auch Schlagworte gefiltert und dann die Inhalte gesperrt. ZB wollte meine Frau in dem Forum ihrer Uni ihren ehemaligen Komilitonen schreiben, dass in Santiago die Studentet schon seit Wochen demonstrieren. Das chinesische Wort fuer "Manifestation" konnte nur umschrieben werden...

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Beitragvon Pantitlan » Freitag 21. Juli 2006, 03:06

Nein, die Bauarbeiter sind mir eigentlich egal... Die haben ja auch in Peking oder Shanghai jämmerliche Arbeitsbedingungen. Tourismus, ja und nein... Tourismus ist ja immer so ein bisschen ein zwieschneidiges Ding. Auf der einen Seite wird er sicherlich die Lebensbedinungen der Menschen verbessern, aber halt auch einiges verschlechtern. Was mir aber am meisten Sorgen macht, ist dass nun mit dieser Bahn im Prinzip der Siedlungskolonialisierung durch die Hanchinesen Vorschub geleistet wird. Für chinesische Siedler wird es nun attraktiver nach Lhasa zu ziehen und genau das ist ja das Ziel der ganzen Besiedlungspolitik im Tibet: die Tibeter sollen zur Minderheit im eigenen Land werden. Dann nämlich haben die Chinesen dort auch keine Demokratie mehr zu fürchten.

Messer in Tibet... Ich weiss nicht. Ich war nie wirklich in der Provinz Tibet, sondern nur in den tibetischen Gebieten drum rum. Aber ich habe so den Eindruck, dass ich manchmal eher in China Lust gehabt hätte, eines einzusetzen als in Tibet. Bin also froh, dass ich nie sowas dabei hatte.

Aber Du hast natürlich recht: Wenn man so was hat, muss man damit umgehen können. Ich habe mich auch schon gefragt, ob ich mich irgendwie schützen sollte, falls ich in gefährlichere Gebiete gehe. Also mit Pfefferspray oder so was. Aber ich denke, wenn man sowas wirklich einsetzt und es dann nicht richtig macht, gefährtet man sich selber viel mehr, als wenn man den Bösewicht einfach tun lässt.

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Beitragvon Aremonus » Freitag 21. Juli 2006, 15:14

Ich habe als Schweizer immer ein Taschenmesser dabei; ist ueberall sehr nuetzlich (zB um meine Bohnenmilch zu oeffnen.) Wuerde ich jedoch ueberfallen, wuerde ich es nicht hervor nehmen; der Raeuber kann mein Portemoannie haben, laufe nie mit viel Geld darin herum und bin auch versichert. Das Natel hat eine chinesische SIM mit so etwa 20 yuan drauf; waere also auch nicht so schlimm, wenn es gestohlen wuerde (zu mal ich eh ein neues will).
Ich denke nicht, dass die chinesische Internetzensur halbherzig gemacht ist; die einzige Moeglichkeit, das Internet in China ganz Zensiert zu machen waere, alle Verbindungen ins Ausland zu unterbrechen. Ich fuer meinen Teil sehe keinen besseren Weg fuer die Zensur als der den die Regierung ohnehin macht (manche Sites sperren und Wortfilter). Aber egal wie vollstaendig die Websiteliste und der Wortfilter auch ist; `ne 128 bit Verschluesselung ist bereits mehr als genug, um die Zensur zu umgehen. Ich rufe meine Mails immer verschluesselt ab, somit kann die Regierung Chinas garnichts filtern (eine 128 Bit verschluesselung mit einem Grossrechner zu entschluesseln wuerde - sofern man den Inhalt kennt - ein paar Sekunden dauern; dass kann sich ein Land mit mehr als 100 Millionen Usern nicht leisten.
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Beitragvon Camau » Montag 14. August 2006, 11:46

Hallo zusammen

Bin neu hier und habe dieses Thema der Zensur mit Interesse gelesen. Ich kann nur sagen, dass ich keine Probleme hatte, mit all meinen Mail Adressen, auch mit Yahoo und Hotmail und dass ich auch googeln konnte soviel ich wollte. Bin sogar, und das hat mich am meisten überrascht, in das Vietnam Forum gekommen wo ich schon lange Mitglied bin. Alle haben meine "Ferienmails" bekommen. Kommt es vielleicht auch darauf an wo man ist? Das einzige was ich bis jetzt in diese richtung zu spühren bekam ist, dass man versucht(e) in Shenzhen den Skype langsam aber sicher abzustellen. Allerdings, als ich meinen Freund darauf ansprach, wegen zensur, Überwachung ect... glaubte er es nicht, genauso wie seine Freunde! Das hat mich dann ein wenig überrascht :shock: . Naja, ich schneide das Thema nicht mehr an...... vielleicht besser so! :wink:

Und was das Messer betrifft, würde ich eher nicht empfehlen........

Gruss Camau

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Beitragvon Pantitlan » Mittwoch 16. August 2006, 19:01

Camau hat geschrieben: dass ich auch googeln konnte soviel ich wollte.


Es ist ja nicht so, dass man nicht mehr googeln kann. Die Zensur macht einfach, dass gewisse unliebsame Seiten gar nicht erst in google gelistet werden und wenn doch, dass einfach dann die Seite nicht geht. Das merkt man eigentlich im alltagsgebrauch nicht so gut.

Camau hat geschrieben: Das einzige was ich bis jetzt in diese richtung zu spüren bekam ist, dass man versucht(e) in Shenzhen den Skype langsam aber sicher abzustellen.


Was heisst das konkret? Dass man es nicht runterladen darf, oder läuft es mit technischer Hilfe nicht so ganz richtig?

PS: Hier noch ein spannendes Interview zum Thema:
http://www.dw-world.de/dw/article/0,214 ... 69,00.html

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Beitragvon Camau » Donnerstag 17. August 2006, 05:37

Hallo Pantitlan

Das heisst im Klartext, dass wenn ich nach Shenzhen anrufe, die Verbindung zwar steht, aber entweder er mich oder ich ihn nicht höre. Oder aber es wird so gestört dass man eh nichts versteht weil die Nebengeräusche zu laut sind. Ein guter Freund von mir und Chinakenner sagte mir schon letztes Jahr, dass man anfängt Skype zu blockieren und man startet diesen versuch eben in Shenzhen! Die in Shenzhen glauben dies allerdings nicht so recht. Die Gründe für die Blockade sind vielfältig, zum einen ist Skype "abhörsicher" was der Regierung sicher nicht schmeckt und zum anderen können viele Chinesen gar nicht ins Ausland telefonieren und wenn doch, dann nur mit dem "Cellphone" was aber schweineteuer ist! Dann kommt noch hinzu, dass die Chinesische telecom riesenverluste einfährt.

Gruss Camau

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Beitragvon Aremonus » Donnerstag 17. August 2006, 16:24

naja, davon habe ich bisher noch nichts gemerekt. Falls die es abzuschalten versuchten, würdest du garnicht mehr durchkommen; das mit dem nichthören liegt meiner Meinung nach weniger an der Zensur als an der überlasteten Internetverbindung in Shenzen

Probier doch einfach Helvatel; für China ist das glaub 0840544544, kostet -.3 Rp. pro min, also 1.80 in der Stunde (vorausgesetzt du wohnst in der Schweiz).
Einfach die Nummer anrufen, dann wenn die ansage beginnt, nummer (0086 usw) eingeben, dann # drücken. Funktioniert bei mir am besten, auch wenn das Netz in China mal wieder Überlastet ist.

Wenn du weiterhin mit Skype telefonieren möchtest, probiers an Rnadzeiten, vielleicht klappts dann...
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Beitragvon Alex » Donnerstag 17. August 2006, 19:17

Laut einem kurzen Artikel im "Der Spiegel" letzter Woche hat Infineon ein Programm zum Patent angemeldet, mit dem VOIP von Telekommunikationsanbietern gestört werden kann. Datenpackete werden analysiert und solche mit Sprachinhalt identifiziert. Wenn eine Serie von Sprach-Datenpacketen erkannt wird, fügt das Gerät (Software?) "Pseudo-Datenpackete" ein, wodurch die Tonqualität erheblich beeinträchtigt wird.

Vielleicht entspricht das in etwa der Sache, die in Shenzhen getestet wird...
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Beitragvon Pantitlan » Donnerstag 17. August 2006, 19:32

Das kann dann aber nur der Telekommunikationsanbieter, über den diese Datenströme laufen? Also zum Beispiel mein Provider beziehungsweise der meines chinesischen Gegenübers bzw. noch die Betreiber der Internetlinie?

Was ist denn Infeneon für eine Firma, dass sie so ein böses Patent anmeldet? Wenn ich wüsste, dass meine Telefongesellschaft solche Technik anbietet, würde mich mit ihr nicht mehr telefonieren.

Aber ich bin zuversichtlich, dass Skype und andere einfach die Sprachpakete anders verschlüsseln werden. Das gibt dann einfach so ein Wettrennen wie hier bei phpbb mit den Virenproduzenten oder bei den DVDs mit den Kopierschutz programmierern.

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Beitragvon Alex » Donnerstag 17. August 2006, 22:11

Was ist denn Infeneon für eine Firma, dass sie so ein böses Patent anmeldet?
Ääähh... Infineon ist hauptsächlich ein Halbleiterhersteller (Umsatz >7 Mrd. €; im DAX)...

Das kann dann aber nur der Telekommunikationsanbieter, über den diese Datenströme laufen? Also zum Beispiel mein Provider beziehungsweise der meines chinesischen Gegenübers bzw. noch die Betreiber der Internetlinie?
Ja, das kann nur der Betreiber des Netzes. Der Sinn ist, dass Provider für datenintensives VOIPen eigene Tarife vermarkten können.

Aber ich bin zuversichtlich, dass Skype und andere einfach die Sprachpakete anders verschlüsseln werden.
Falls das geht. Scheinbar kann das Programm/Gerät die Charakteristika von in Daten verschickter Sprache erkennen. Denn das funktioniert ja nicht nur mit Skype, sondern auch mit anderen VOIP-Diensten.


Die "Zeit" hat auch einen Artikel zu dem Thema geschrieben:
http://www.zeit.de/online/2006/32/Internet-Telefonie
Alex
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Beitragvon Pantitlan » Donnerstag 17. August 2006, 22:39

Danke für den Link zur Zeit. Das finde ich natürlich eine Schweinerei! Das geht niemanden was an, ob ich meine Megabites mit Sprachnachrichten oder mit emails verschicke. Hoffen wir, dass da bald eine Alternative zu den Telekommunikationsfirmen entsteht. Vielleicht etwas genossenschaftlich organisiertes oder so... :)

Dass dies das ist, was in Shenzen geprüft wird, kann ich mir schon vorstellen. In China kennt die Geldgier ja bisweilen keine Grenzen und die Korruption auch nicht.

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Beitragvon Camau » Freitag 18. August 2006, 06:13

Danke Aremonus für den Tip, werde ich bald ausprobieren. Ja ich wohne in der Schweiz.

Gruss Camau

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Beitragvon Aremonus » Freitag 18. August 2006, 06:39

Skype verschlüssselt seine Inhalte bekanntlich; ich denke kaum, dass die Start- und Stopbits der Packete genügend Infos um solche als VOIP packete zu erkennen, enthalten. Wie der Verschlüsselungsalgorithmus von Skype funktioniert, weiss ich nicht, aber es verwendet ja eh nicht die Standart VOIP protokolle, was für mich das erkennen durch eine Software im Internet noch fraglicher macht.Wenn in Shenzen etwas gestört wird, dann wird es die Telefonleitung der Telekom sein; wäre für mich jedoch total unverständlich, da genau diese Telekom auch die Verträge für die Anschlüsse mit Skype abschliesst und diese somit ohne jeglichen technischen Aufwand künden kann. (Also ich liege doch richtig mit der Annamhe, dass du Skype um aufs Festnetz anzurufen verwendest?)
Falls Shenzen Probleme beim Verbinden übers Internet machen wollte, könnte man ganz billig eine VPN verbindung zu seinen Freunden aufbauen, welche nicht störbar ist, ohne das ganze Netz zu stören.
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Beitragvon Pantitlan » Freitag 18. August 2006, 12:55

Aremonus hat geschrieben: Wie der Verschlüsselungsalgorithmus von Skype funktioniert, weiss ich nicht, aber es verwendet ja eh nicht die Standart VOIP protokolle, was für mich das erkennen durch eine Software im Internet noch fraglicher macht.


Nun gut, dass diese Firma ein Patent angemeldet hat, ist nun einmal eine Tatsache und vermutlich melden die nichts an, was nicht funktioniert. Die Frage ist eigentlich nur, welche Firma diesen Schutz am wirkungsvollsten umgehen kann. Denn wenn man wirklich für VOIP bezahlen muss, dann ist das der Tod für die Internettelefonie.

Wie ist das eigentlich mit den Wettbewerbsbehörden? Gilt das nicht als unlauterer Wettbewerb und müssten diese Dienste dann nicht freigegeben werden? Bei uns in der Schweiz wurde die staatliche Telefongesellschaft ja auch dazu gezwungen, die letzte Meile für andere Anbieter frei zu geben.

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Beitragvon Aremonus » Freitag 18. August 2006, 18:46

wenn das Programm VOIP Dienste erkennt und eingesetzt würde, wird irgend ein Student ein neues Protokoll entwickeln, welches dann nicht mehr erkannt werden kann. Ich bin da höchst skeptisch, dass so ein Programm alle VOIP dienste, selbst innerhalb einer verschlüsselten VPN Verbindung, erkennen kann; ich kann mir keinen Algorithmus vorstellen, der so etwas bewerkstelligen kann, denn man müsste in dazu in der Lage sein, in Echtzeit verschlüsselungen zu knacken, ohne deren Inhalt zu kennen.
Falls es tatsächlich eines Tages mal so weit ist und man für viel weniger Geld eine Verbindung ohne VOIP haben kann, werde ich mir das zulegen - und gleich zu jedem meiner Freunde eine VPN verbindung aufbauen und weiterhin gratis telefonieren. Ich biaber ohnehin zuversichtlich, dass Skype das gleich in ein Update einbauen wird, falls diese Technologie eines Tages zum Einsatz käme.
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