nach Xinjiang

China, das Reich der Mitte: nicht nur politische Diskussionen zur Unabhängigkeit Tibets und Taiwans, sondern auch Reisetipps und Anekdoten zu der kommenden Weltmacht in Asien...

nach Xinjiang

Beitragvon Altes-Forum » Donnerstag 16. September 2004, 15:31

illona
(Member)



--------------------------------------------------------------------------------
Beitrag vom Sonntag, Juni 6, 2004 @ 21:23

Ich werde im Herbst für drei Monate nach Xinjiang fahren. Ich bin gerade dabei die beste Reiseroute abzustecken. Ich hätte ein paar Fragen an diejenigen, die schon dort waren. Ich wäre über jede Antwort sehr erfreut.
Ich habe zwar einige Reiseführer, befürchte aber, daß sie bereits etwas überholt sind.
1. Hat jemand bereits den Weg Almaty - Xinjiang gemacht? Per Zug oder Bus? Wie ist das machbar und wieviel kostet das? Reisedauer?

2. Ist es über Peking einfacher? Wie lange dauert die Reise von Peking nach Urumqi? Habe bereits viele verschiedene Sachen darüber gelesen. Die einen sagen, 4 Tage, die anderen 2 tage. Wieviel ksotet das? ist es möglich das Zugticket in Peking kurzfristig zu kaufen? Oder wie sieht es mit Flugtickets aus. Im Reisebüro hier haben sie gesagt, das koste 500 Dollar, das finde ich aber etwas viel.

3. Ich werde sehr viel in Xinjiang herum reisen, gibt es eine gute Infrastruktur? Kann man überall hin fahren, oder gibt es noch gesperrte Gebiete? Im Reiseführer, den ich habe, steht das nicht eindeutig.

4. Wie sieht es mit der Unterkunft aus? Kann man auch in kleinen abseits gelegenen Dörfern einen Schlafplatz finden? Und wieviel bezahlt man durchschnittlich dafür?

5. Ich werde eine Feldstudie dort durchführen und bin dabei auf Leute angewiesen, die entweder chinesisch oder uighurisch sprechen. Hat jemand schon damit Erfahrung gemacht? Ist es prinzipiell möglich, auch auf dem Land, englisch- deutsch- oder französischsprechende Leute zu finden, die gegen Bezahlung übersetzen können? Ich spreche leider kein Chinesisch.

6. Hat sonst noch jemand einen Tip für günstige Flugtickets von Österreich oder Ungarn nach Almaty, Urumqi direkt, oder Peking?

Danke im Voraus für jede Antwort








Pantitlan
(Administrator)



--------------------------------------------------------------------------------
Beitrag vom Sonntag, Juni 6, 2004 @ 21:37

Hallo Illona,
ich war nicht ganz in Xinjiang, aber immerhin bis nach Gansu gekommen. Ich kann also nicht genau das beantworten, was du willst. Aber: von Peking gibt es direkte Züge nach Xinjiang. Ich glaube jeden Tag einen. Der braucht etwa 70 Stunden. Es ist möglich und auch sinnvoll den Zug erst in Peking zu buchen. Du kannst einfach dort an den Ausländerschalter gehen (dort können sie einigermassen englisch) und das Ticket buchen. Die Züge haben vier Klassen. Die teuerste ist meistens noch frei. Für billigere Klassen kanns sein, dass Du ein paar Tage warten musst - oder einen anderen Zug mit Umsteigen nehmen musst. Aber: wenn Du eh schon in Peking bist, wirst du wohl hoffentlich eh die Zeit nehmen, die Stadt ein bisschen ansehen. Das Ticket kostet bestimmt nicht 500 Dollar. Von Peking nach Xian sinds etwa 30 Dollar und das ist etwa 25% der Strecke. Ich schätze mal 100 - 200 Dollars je nach Klasse. 500 Dollar ist vermutlich soft sleeper.

Wegen Sprachkenntnisse: hier gehen die Meinungen und Erfahrungen recht auseinander. Aber meine Erfahrung besagt, dass es in den Provinzhauptstädten viele Leute gibt, die englisch können (du wirst bestimmt von ein paar Leuten angesprochen oder geh in einen "english corner", um jemanden zu finden. In den Dörfern wirds wohl schwieriger sein. Meine Erfahrungen beziehen sich nicht aus Xinjiang. Nehme aber an, dass das ähnlich ist.

Die Infrastruktur ist abseits der Touristenrouten in China allgemein eher schlecht. Gut möglich, dass Du als Ausländerin nicht reingelassen wirst.

Deine Feldstudie interessiert mich. Was untersuchst du denn? Bist du auch Ethnologin? Schreibst du sie auf Deutsch?

--------------------
www.zipr.ch/oliboli

illona
(Member)


Registriert: Jun 2004
Beiträge: 4
Status: Offline

IP: Geloggt


--------------------------------------------------------------------------------
Beitrag vom Sonntag, Juni 6, 2004 @ 22:45

Hi
Also, ich schreibe eine Doktorarbeit über die Architektur der Uighuren, Xibe und eventuell auch Han-Chinesen, letzteres werde ich aber vor Ort entscheiden. Dabei muß ich viele verschieden Dörfer bzw. Städte aufsuchen, die Häuser vermessen und fotographieren und die Baustruktur analysieren und die unterschiedlichen Häuser miteinander vergleichen. Im Zuge dessen werde ich auch eine soziale Studie durch führen, daß heißt die Leute befragen. Über ihre Familie, ihre Sitten und Gebräuche, das Verhältnis zur modernen und traditionellen Bauweise, ihre Identifizierung mit den modernen Techniken und mit den Baumaterialien. Deshalb brauche ich auch Leute, die übersetzen, erklären und mir helfen, an die Bewohner heran zu treten.
Ich habe das bereits in Usbekistan für der Diplomarbeit gemacht, es hat recht gut funktioniert. Die Leute haben sehr gut kooperiert und mir viel erzählt und mich überall hinein gehen lassen, daß heißt in ihre privaten Räume usw.
Problematisch waren eher die Stadtbehörden, die niemals Stadtpläne herausrücken wollten, aber das ist ein eigenes Kapitel
Ich habe fast 2 Monate mit ihnen verhandelt. Naja, und habe dann doch schlußendlich was bekommen

Jetzt hoffe ich nur, daß ich wirklich Leute finde, die mir übersetzen helfen. Das wichtigste ist dabei aber auch, daß es immer am besten ist, wenn sie selbst aus der jeweiligen Volksgruppe stammen, denn dann können sie ein besseres Verbindungssglied stellen.

Weiters hoffe ich nur, daß ich mich auch auf dem land bewegen kann, denn nur die Städte wären zu einseitig.

Danke dir, für deine Tipps

gruß


Pantitlan
(Administrator)



Registriert: Nov 2003
Beiträge: 1069
Status: Online

IP: Geloggt


--------------------------------------------------------------------------------
Beitrag vom Montag, Juni 7, 2004 @ 14:01

Das klingt wirklich sehr spannend. Ich war zwar nicht in Xinjiang, aber an anderen Orten ist mir das Aufeinanderprallen der Architekturen auch schon aufgefallen. Vor allem in den tibetischen Gebieten ist das sehr augenfaellig.
Wie ist das denn eigentlich mit den Behoerden und Genehmigungen? Xinjiang ist ja so ein bisschen wie Tibet eine Problemregion, und ich glaube sogar die Gegend mit den massivsten systematischen Menschenrechtsverletzungen (schlimmer als in Tibet). Ich kann mir vorstellen, dass sie dort nicht unbedingt Leute wollen, die "rumschnueffeln". Ich habe an der Uni mal ein Tutorat gehalten und die Minderheitenpolitik der Sowjetunion mit China verglichen (sing ja beide turkstämmig und gut vergleichbar) und dabei festgestellt, dass auf chin. Seite wissenschaftliche Forschung zu Minderheitenfragen praktisch kaum möglich war. Das hat sich mittlerweile vielleicht etwas verbessert und dein Thema geht auch nicht so sehr ins Ethnologische. Aber trotzdem: würde mich interessieren, wie Du die Lage einschätzt. Ich nehme mal an, Du bist noch im Projektstadium, oder?

--------------------
www.zipr.ch/oliboli

illona
(Member)


Registriert: Jun 2004
Beiträge: 4
Status: Offline

IP: Geloggt


--------------------------------------------------------------------------------
Beitrag vom Montag, Juni 7, 2004 @ 14:21

Naja, es kann schon sein, daß die Behörden das alles vielleicht nicht so toll finden, aber die Situation soll etwas besser als in Tibet sein. Das heißt, daß Tibet zur Zeit anscheinend fast geschlossen, aber Xinjiang doch relativ geöffnet ist. Außerdem möchte ich gerne auch die Architektur der Chinesen in die Arbeit hinein nehmen, so als Vergleich. Das könnte die Gemüter beruhigen. Außerdem habe ich auch eine Einladung von einer Uni dort bekommen, wenn diese das machen kann, dann muß es ja irgendwie möglich sein.
Ich hoffe nur, daß ich trotzdem in Ruhe arbeiten kann, ohne das mir jemand auf die Finger klopft. In Ländern wie China bzw. in den zentralasiatischen Ländern und Russland ist es vor allem schwierig mit der Administration umzugehen, das heißt mit den dortigen Bauämtern und Architekten, aber ich hoffe, ich werde nicht zu sehr auf diese angewiesen sein. Das kostet wieder viel Nerven, Überredungskunst ...


Ich bin gerade in der Planungsphase und suche überall Informationen, einige Leute habe ich schon aufgetrieben, die auch Recherchen dort durch geführt haben, zwar nicht Architekturbezogen. Sie konnten mir doch einige praktische Tips geben, aber ich brauche noch mehr

[Editiert durch illona ein Montag, Juni 7, 2004 @ 14:22]

Pantitlan
(Administrator)




--------------------------------------------------------------------------------
Beitrag vom Dienstag, Juni 8, 2004 @ 22:21

Bin auch gerade im Abschlussarbeitsschreibstress. Allerdings in Geschichte... daher dauern meine Antworten ein bisschen...
Ja, die Situation dort ist bestimmt besser. Du brauchst ja auch kein Spezialpermit wie für Tibet.

Wenn die örtliche Uni Dich eingeladen hat, dann klappt das bestimmt. Ein Bekannter von mir hat einmal ein Jahr an einer chinesischen Uni gelehrt (irgend so eine Assistentenstelle - weiss auch nicht ganz genau was), und der hat mir recht viele Geschichten über das korrupte System erzählt. Offenbar geht mit Beziehungen wirklich fast alles - und Uni haben die Beziehungen natürlich.

Du willst drei Monate bleiben? Hast Du Dich mal erkundigt, wie das mit dem Visum aussieht? Gehst du mit einem Touristenvisum oder einem Studentenvisum? Wegen des Touristenvisums: das ist ja ein Monat gültig und kann nochmals um einen Monat verlängert werden. Ich habe aber gelesen, dass es neuerdings nur noch eine Verlängerung (also zwei Monate) geben soll. Bin aber nicht ganz 100% sicher...


--------------------
www.zipr.ch/oliboli







*Johanna
(Nicht registriert!)




--------------------------------------------------------------------------------
Beitrag vom Mittwoch, Juni 16, 2004 @ 15:52

(Beitrag vom Freitag, Juni 11, 2004 @ 12:38)
Ich bin beeindruckt!
Kann Dir leider nicht helfen, aber eine Frage muss ich stellen: bist Du Ungarin???
Gruss

(Beitrag manuell verschoben von Pantitlan)

--------------------
www.zipr.ch/oliboli






mesheel
(XL-Member)


--------------------------------------------------------------------------------
Beitrag vom Montag, Juni 21, 2004 @ 16:07

ich hab einen freund, der ebenfalls seine doktorarbeit mit bezug auf xinjiang schreibt. soll gar nicht so einfach sein mit den behoerden dort, auch wenn du was ganz unproblematisches machen willst.
ich bin mir nicht sicher in wiefern er uebertreibt, denn dazu neigt er schon etwas, aber so wie ich mir das vorstelle, wirst du dich trotz beziehung zu uni auch mit behoerden rumschlagen muessen....
trotzdem viel erfolg..!!
Altes-Forum
Forenveteran
 
Beiträge: 236
Registriert: Mittwoch 15. September 2004, 02:52


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 8 Gäste