Aus Kirgisistan oder Tadschikistan über China nach Nepal?

China, das Reich der Mitte: nicht nur politische Diskussionen zur Unabhängigkeit Tibets und Taiwans, sondern auch Reisetipps und Anekdoten zu der kommenden Weltmacht in Asien...

Aus Kirgisistan oder Tadschikistan über China nach Nepal?

Beitragvon SamOht » Freitag 5. Januar 2018, 08:30

Hallo zusammen,

meine Frau (Russin mit Wohnsitz in Deutschland) und ich (Deutscher) werden im Frühling nächsten Jahres auf Weltreise gehen. Wir wollen diese Reise möglichst ohne Flugzeug angehen und uns sehr viel Zeit lassen. Unter anderem planen wir irgendwie über Land von Russland nach Thailand zu kommen. Unser Plan ist es, von Russland aus über Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan nach China einzureisen. In China soll es über Xinjiang und Tibet über Nepal nach Indien gehen. Dort möchten wir einen kleinen Abstecher nach Bhutan machen. Von Indien aus möchten wir über Myanmar nach Thailand einreisen. Uns ist klar, dass diese Route viele Herausforderungen für uns bereithält, daher fangen wir auch jetzt schon an, uns damit zu beschäftigen. Die größte Schwierigkeit dürfte dabei die Einreise nach China sein. Ich habe jetzt schon öfters gelesen, dass man ein Visum für China nur aus seinem Heimatland beantragen kann. Diese Option kommt für uns wahrscheinlich nicht in Frage, da wir, bevor wir in China ankommen, schon ca. 4 Monate unterwegs sein werden.

Frage Nr. 1: Gibt es die Möglichkeit, ein Visum in Deutschland zu beantragen, welches erst ca. 4 Monate später in Kraft tritt?

Frage Nr. 2: Falls Frage Nr.1 nicht mit Ja beantwortet werden kann, gibt es doch irgendwie die Möglichkeit, ein China-Visum in Tadschikistan oder Kirgisistan zu beantragen, obwohl das nicht unsere Heimatländer sind?

Unser Plan in China wäre dann die Nationalstraße G219 per Anhalter oder Bus Richtung Süden zu fahren. Die führt ja durch das Gebiet Aksai Chin, welches laut Wikipedia von Indien beansprucht, aber von China kontrolliert wird.

Frage Nr. 3: Kommen wir mit unserem China-Visum problemlos durch dieses Gebiet?

Und da es wahrscheinlich noch ganz viele Hürden gibt, die wir nicht bedacht haben:

Frage Nr. 4: Welche möglichen Schwierigkeiten haben wir nicht bedacht und wie können diese aus dem Weg geräumt werden?

Ich hoffe ihr könnt uns wenigstens teilweise helfen. Wir freuen uns sehr über die Beantwortung einzelner Fragen, über kleine Tipps, Hinweise, Erfahrungen oder auch Vorschläge für Alternativrouten. Wir danken euch herzlich im Voraus.

Viele Grüße

Darya und Thomas
SamOht
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Re: Aus Kirgisistan oder Tadschikistan über China nach Nepal

Beitragvon Pantitlan » Samstag 6. Januar 2018, 19:32

Frage Nr. 1: Gibt es die Möglichkeit, ein Visum in Deutschland zu beantragen, welches erst ca. 4 Monate später in Kraft tritt?


Das Visum für China bereichtigt ab Austellungsdatum drei Monate lang zu einer Einreise von normalerweise einem Monat. Das heisst, wemm dein Visum heute ausgestellt wird, kannst du ungefähr bis zum 5.4 einreisen und von dann bis spätetens 4.5. im Land bleiben.

In deinem Fall gibt es drei Möglichkeiten:

a.) Du reist etwas schnelller
b.) Du beantragst das Visum unterwegs
c.) Du schickst den Pass nach D zurück und beauftragst einen Visadienst.

Frage Nr. 2: Falls Frage Nr.1 nicht mit Ja beantwortet werden kann, gibt es doch irgendwie die Möglichkeit, ein China-Visum in Tadschikistan oder Kirgisistan zu beantragen, obwohl das nicht unsere Heimatländer sind?

Auch wenn die Websites des chinesischen Aussenministeriums was anderes sagen: Es ist grundsätzlich relativ problemlos möglich, ausserhalb des Heimatslands ein chinesischen Visum zu beantragen. Da der Zug in der Schweiz so teuer ist, mache ich das eigentlich immer unterwegs und hatte bisher kaum Probleme.

Aber: Zentralasien ist dafür bekannt, dass die dortigen Botschaften das Visum verweigern. Ich würde deswegen versuchen, das Visum vor Zentralasien zu beantragen. Zum Beisspiel in Russland oder in Osteuropa.

Zu Visafragen empfehle ich dir diese Seite: http://www.sinograph.ch/visum-fuer-china-beantragen/

Unser Plan in China wäre dann die Nationalstraße G219 per Anhalter oder Bus Richtung Süden zu fahren. Die führt ja durch das Gebiet Aksai Chin, welches laut Wikipedia von Indien beansprucht, aber von China kontrolliert wird.Frage Nr. 3: Kommen wir mit unserem China-Visum problemlos durch dieses Gebiet?


In der Region gibt es einen militärischen Konflikt zwischen China und Indien, der im letzten Jahr wegen des Baus einer neuen Strasse wieder an Spannung zugenommen hat. Also nicht unbedingt der beste Ort für eine Reise.

In der Region gibt es mehrere militärische Sperrgebiete. Die sind aber nirgendwo zentral ausgewiesen. Das heisst: Du kannst es einfach versuchen und dann mal schauen, ob du irgendwo gestoppt wirst. In der Regel ist die chinesische Polizei gegenüber Ausländern sehr korrekt und wird dich einfach aus dem Gebiet rausschicken. Siehe dazu meine eigene Erfahrung: http://www.sinograph.ch/wie-mich-die-po ... erwischte/
Und da es wahrscheinlich noch ganz viele Hürden gibt, die wir nicht bedacht haben:

Frage Nr. 4: Welche möglichen Schwierigkeiten haben wir nicht bedacht und wie können diese aus dem Weg geräumt werden?


In Tibet sind nur Gruppenreisen zulässig (siehe auch hier: http://www.sinograph.ch/organisierst-du ... ach-tibet/). Du wirst also irgendwo eine Gruppenreise buchen müssen, diese werden aber meines Wissens NICHT ab Xinjiang angeboten. Du müsstest also einmal rum Tibet rumfahren und von Xinning oder besser noch Chengdu ins Tibet einreisen.

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Re: Aus Kirgisistan oder Tadschikistan über China nach Nepal

Beitragvon SamOht » Mittwoch 24. Januar 2018, 12:38

Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Antwort Pantitlan!
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