Diskussion um Großwildjagd, Südafrika

Eis auf dem Kilimandscharo, Wein in Kapstadt und Löwen in der Serengeti. Ist das Afrika?

Diskussion um Großwildjagd, Südafrika

Beitragvon shavethewhales » Mittwoch 20. November 2013, 22:33

Ich verfolge die Diskussion um Jagen in Südafrika und Melissa Bachmann recht aufmerksam, weil ich ein sehr dazu passendes Gespräch auf meiner Reise zu genau dem Thema geführt habe. Ich hab darüber einen Artikel geschrieben, weil ich die Diskussion oft ein bisschen einseitig finde http://shavethewhales.net/sudafrika-por ... s-rangers/

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Re: Diskussion um Großwildjagd, Südafrika

Beitragvon joschi0846 » Donnerstag 21. November 2013, 04:04

Tja, da würde ich Tavi antworten, daß der Krüger als umzäunter Riesenzoo nicht unbedingt die echte Problematik widerspiegelt. Wie sieht es wirklich aus? Hier in Tansania werden - geschätzt - Tag für Tag etwa 30 Elefanten gewildert (offizielle Zahl, Dunkelziffer wahrscheinlich höher). Immer wieder findet man bei Haussuchungen in von Chinesen gemieteten Häusern hunderte!! Stoßzähne, in Hongkong werden regelmäßig ganze Containerladungen voll mit Stoßzähnen sichergestellt. Diese gewissenlose Ausplünderung chinesischer Händler trifft auf unterbezahlte, schlecht ausgebildete Polizisten und Park Ranger, die wie man liest sehr oft selbst in dem Gewerb tätig sind und die Stoßzähne an Chinesen verkaufen. Man rechnet in Tansania damit, daß wenn es so weitergeht, in etwas zehn Jahren kein Elefant mehr am Leben ist. Das ist alles von offiziellen Stellen ausgesendet. Die Vereinigung der Tourveranstalter hier hat sich inzwischen strikt gegen die Jagderlaubnis ausgesprochen und gewarnt, daß Jagd in Verbindung mit Wilderei den Tourismus gefährde.
Darauf würde ich diesen Tavi hinweisen.

The Schimann Family in Tansania - Du kommst als Gast und gehst als Freund
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Re: Diskussion um Großwildjagd, Südafrika

Beitragvon Mattes » Donnerstag 21. November 2013, 14:47

Zum Thema "Erschiessen von Tieren" passt irgendwo auch diese Veroeffentlichung von FOCUS ONLINE vom 21.11.13:

Zitat: "Wilde Kamele sind in einigen Gegenden Australiens zur Plage geworden: Auf der Suche nach Wasser terrorisieren sie abgelegene Siedlungen. Doch der Bestand der Doppelhöcker geht wieder zurück - in den vergangen vier Jahren haben Scharfschützen 160.000 Tiere erlegt."
http://www.focus.de/panorama/welt/tier- ... 21047.html

Wenn das so ist, dann duerfte das Erschiessen wohl die sinnvollste Massnahme gewesen sein und auch kuenftig sein.

Findest du nicht auch, @Shavethewhales?

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Re: Diskussion um Großwildjagd, Südafrika

Beitragvon shavethewhales » Donnerstag 21. November 2013, 18:42

schwieriges Thema, @joschi0846, du hast bestimmt in vielen Dingen recht und ich habe selbst erlebt, welche Ausmaße die Wilderei angenommen hat. Aber in Südafrika liegt genau da der Hase im Pfeffer. Denn die Ranger (wie Tavi) schützen die Tiere auch gegen Wilderer. Die meisten Gebiete in Südafrika sind umzäunte Riesenzoos und private Anwesen, ganz genau. Ob das nun gut oder schlecht ist, kann jeder für sich entscheiden. Was dadurch aber verhindert wird, ist das Wildern. Das Jagen dagegen soll die Tierbestände so klein oder groß halten, wie es das Land verträgt. Mir wäre es auch lieber, die Menschen hätten sich in das ganze System nie eingemischt aber es ist müßig, darüber nachzudenken. Und mit den Riesenzoos soll das Gleichgewicht wieder hergestellt werden, das vorher zerstört wurde. Ich glaube, das ist ne Thematik, da gibt es kein eindeutiges gut und schlecht.
@Mattes, ich bin wirklich niemand, der das Abschießen von Tieren befürworten möchte, ich finde es schrecklich. Aber leider ist gerade Australien das Paradebeispiel für Idioten, die Kaninchen, Kröten, Wildschweine und Kamele importierten und völlig gedankenlos auf ein sehr empfindliches Ökosystem losließen. Meist waren das Jäger, die die Tiere jagen wollten...

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Re: Diskussion um Großwildjagd, Südafrika

Beitragvon Pantitlan » Donnerstag 21. November 2013, 22:38

@Shavethewhales

Erstmal ein Lob für den spannenden Blogbeitrag.Ich kannte deinen Blog noch gar nicht und werde ihn gerne bei mir in der kommenden Blogschau aufnehmen. Du kennst sie ja vielleicht schon: http://weltreiseforum.com/blog/tag/blogschau/ Und ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn du das Forum oder den Blog ebenfalls mit einem kleinen Link beehren würdest...

Ich neige auch dazu, die Brutalität zu sehen, mit der die Tiere teilweise getötet werden. Ich hab da immer wieder diese Bilder vor meinen Auge von geschändeten Elefanten, denen angeblich die Stosszähne rausgerissen werden, wenn sie noch leben. Aber man muss schon auch sehen, dass das Grosswild auch einiges zerstört.

Die Aussagen des Rangers scheinen mir insgesamt recht vernünftig und ausgewogen zu sein. Die Frage ist halt, wie man ein vernünftiges Gleichgewicht hinbekommt.

Apropos Elfenbeinhandel und China: Das Reich der Mitte darf seit 2008 als eines der ganz wenigen Ländern der Erde wieder offiziell mit Elfenbein handeln. Während ich Elfenbeinhandel nicht grundsätzlich tragisch finde, muss trotzdem sichergestellt werden können, dass die Tiere nicht gewildert wurden. Und China ist nun wirklich das letzte Land, das in der Lage ist, sicherzustellen, dass die eigenen Zertifikate das Papier wert sind, auf dem sie stehen. Siehe dazu auch hier:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 36851.html

Mein neuer China-Reiseblog.
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Re: Diskussion um Großwildjagd, Südafrika

Beitragvon markus_ma » Donnerstag 17. April 2014, 12:55

In Afrika hat sich eben diese Kultur, dass das Leben von Tieren an sich etwas wert ist, noch lange nicht verbreitet. Wie auch? Wenn das Leben von Millionen Menschen dort auch nichts wert ist.
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Re: Diskussion um Großwildjagd, Südafrika

Beitragvon markus_ma » Montag 26. Mai 2014, 15:24

Ich meine, arme Menschen tun so ziemlich alles, um an Geld zu kommen. Außer eine Revolution vielleicht.
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Re: Diskussion um Großwildjagd, Südafrika

Beitragvon Xara » Samstag 28. Juni 2014, 17:49

Elfenbeinhandel gehört verfolgt. Es geht nicht um Elfanten an sich. Die Population hat sich grundsätzlich in den letzten Jahrzehnten wieder gut erholt. Es muss den Menschen klar werden, dass die Großtiere zwar ihre felder plattmachen können oder Zäune einreißen, aber ihrem land einen gewissen Stand sichern. Wobei wir jetzt wieder in eine gesellschaftspolitische und strukturpolitische Diskussion abdriften, denn der mögliche Reichtum durch Safaris, die wunderbare Natur usw. kommt Dank schlechter Entwicklungspolitk und oft "eigenwilliger" Staatsregierungen nicht beim Volk an.
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Re: Diskussion um Großwildjagd, Südafrika

Beitragvon sandsturm » Samstag 28. Juni 2014, 23:37

@Xara

Du hast auf einer ganzheitlichen Ebene sicherlich recht, aber ich kann mir vorstellen, dass es doch nicht so ganz einfach ist, den Bauern zu erklären, wieso sie Ernteausfälle und kaputte Zäune akzeptieren sollen. Jeder ist sich selbst der nächste.

In China gab es ein ähnliches Problem mit einer anderen Tierart, ich glaube dem Sibirischen Tiger. Der Schutz begann erst zu funktionieren, nachdem die Regierung allen Geschädigten alle Schäden bezahlte. So war es den Leuten nach einer Weile egal, ob ein Tier ein Schaf riss oder nicht. Sie bekamen ja ein neues.

Ich denke, dass es in Afrika auch sowas in dem Stil bräuchte.

Bitte keine PN. Ich beantworte gerne jede Frage. Aber nur solche, die im Forum gepostet sind, sonsts bringt das ja nicht allesn etwas.
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Re: Diskussion um Großwildjagd, Südafrika

Beitragvon Xara » Montag 30. Juni 2014, 09:32

In den betroffenen Länder ist die Staatstruktur nur leider nicht vergleichbar. Eben das ist das eigentliche Problem.
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Re: Diskussion um Großwildjagd, Südafrika

Beitragvon winsel » Freitag 22. April 2016, 10:41

sandsturm hat geschrieben:@Xara

In China gab es ein ähnliches Problem mit einer anderen Tierart, ich glaube dem Sibirischen Tiger. Der Schutz begann erst zu funktionieren, nachdem die Regierung allen Geschädigten alle Schäden bezahlte. So war es den Leuten nach einer Weile egal, ob ein Tier ein Schaf riss oder nicht. Sie bekamen ja ein neues.


Das ist eine gut Idee

Vernunft ist innere Freiheit. - Stanislaw Lem, Der futurologische Kongress, S. 81, Suhrkamp 1979, nach der Übersetzung von I. Zimmermann-Göllheim
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