Soweto-Besuch im südafrikanischen Township

Eis auf dem Kilimandscharo, Wein in Kapstadt und Löwen in der Serengeti. Ist das Afrika?

Soweto-Besuch im südafrikanischen Township

Beitragvon shavethewhales » Samstag 26. Oktober 2013, 23:24

Das Bier, das ich gern sofort wieder ausspucken möchte, schmeckt nach Griessbrei, Holz und Kompost. "Aha" rufe ich laut, das heißt hier: "Schmeckt super". Ich trage einen eckigen Hut und eine breite Perlenkette, ein traditionelles Outfit. Die Menschen gingen so in die Shebeens (= Kneipen in den Townships), um das Biertrinken als kulturelle Zeremonie zu tarnen, denn Alkohol war streng verboten. Wie so viele andere Dinge, die das Apartheid Regime nicht mochte. Männer und Frauen mussten getrennt wohnen, das Bevölkerungswachstum sollte kontrolliert werden. Schwarze durften keinen Handel betreiben und wurden in Siedlungen am Rande der Stadt, die Townships verbannt, ohne Strom und fließend Wasser. Heute versuchen die Menschen, sich kleine Unternehmen aufzubauen, bieten Serviceleistungen an wie Autowaschen, Haare schneiden, Reparaturwerkstätten, Restaurants. Besonders hier in Soweto ist zu spüren, dass sich etwas ändert. Es gibt einen eigenen Fernsehsender, Soweto TV, ein Museum (das Haus, in dem Nelson Mandela gewohnt hat) und viele schöne Restaurants. Und die einzige Straße der Welt, in der gleich zwei Nobelpreisträger gewohnt haben: Nelson Mandela und Desmond Tutu. Auf meiner Fahrradtour durch Soweto fahre ich direkt all diesen Dingen vorbei. Ich sehe immer noch viel Armut, aber die Menschen sind freundlich, die Kinder laufen neben den Fahrrädern her, wollen Fotos machen, strecken mir ihre Hand hin, um mir high five zu geben.
Wir besuchen eine Frau, die ein T-Shirt Bastelprojekt eröffnet hat (Frienship Skirt Soweto). Sie trägt ein pinkes Top, einen bunten Rock aus Tüll und im Gesicht ein strahlendes Lachen. Wir bekommen leere T-Shirts, die wir verzieren dürfen. Nicht für uns selbst, sondern für unseren Sitznachbarn. Mit Filz, Knöpfen, Fäden, Glitzerpailletten, Stofffetzen. Wir sollen miteinander reden, rausfinden, was der andere mag, welches T-Shirt zu ihm passt. Sie selbst kann nicht lesen und schreiben, aber gut reden und so schön lachen. Sie ist dabei, eine Sprache aus Farben und Stoffen zu entwickeln, arbeitet an ihrem eigenen Alphabet. Über die Begegnung mit uns will sie einen Rock nähen. Wenn ich länger darüber nachdenke, kann auch Kleidung viel kommunizieren. Muster, Farben und die Struktur von Stoffen kann genauso Freude, Fantasie und Befindlichkeiten ausdrücken. Botschaften senden, die verstanden oder missverstanden werden können wie Worte. Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn mehr Menschen in Form von Röcken mit mir reden würden.

Den Film zu dieser Reise gibt´s hier: http://shavethewhales.net/sudafrika-von ... erwirrung/

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