Öffnungstendenzen in Nordkorea

Korea ist das letzte Reiseziel, wo man den Kalten Krieg noch so richtig spürt. Gut für die besondere Art von Erlebnisreisen.

Öffnungstendenzen in Nordkorea

Beitragvon Pantitlan » Freitag 7. September 2012, 15:04

Ich habe gerade einen interessanten Artikel gelesen, der in Nordkorea politische Reformen erkennt haben will. Demnach soll Staatschef Kim Jong Un eine Politik der stärkeren Öffnng fördern. Ein namentlich nicht genannter südkoreanischer Nordkorea-Experte erklärte, es scheine, dass nordkoreanische Beamte auf Basis ihrer erreichten Ziele bewertet würden. Die Beamten beginnen, sich um neue Entwicklungsschemen oder Investitionspläne für ausländische Unternehmen zu bemühen, was "wirklich überraschend" sei, schließlich seien solche Aktivitäten vor vergangenem Jahr nie vorgekommen. Das hat offenbar schon erste Früchte getragen. In Pyöngyang sind mehrere neue Hochhäuser entstanden. Neontafel erscheinen in der Stadt und einige Werbetafeln haben sogar englische Buchstaben.

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Hier eine der genannten Werbetafeln

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Mehrere neue Hochhäuser markieren Pyöngyangs Skyline.

Quelle:
http://german.china.org.cn/internationa ... 458465.htm

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Re: Öffnungstendenzen in Nordkorea

Beitragvon qpr » Freitag 7. September 2012, 20:40

Es wurde vor einiger Zeit auch einige Gebiete an der Grenze zu China für chinesische Touristen freigegeben.
Du kannst jetzt in Yanbian in vielen Reisebüros geführte Touren nach Nordkorea in die Nordgebiete buchen, was vor einiger Zeit noch nicht möglich war.
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Re: Öffnungstendenzen in Nordkorea

Beitragvon Weltreiser » Montag 1. Oktober 2012, 17:21

So schön die Nachrichten auch sind, finde ich nicht, dass man ein solches Land noch durch Tourismus unterstützen sollte (ich will hier niemanden angreifen und wäre unter anderen Bedingungen selbst an einer Reise nach Nordkorea interessiert); bevor die sich um die äußere Wahrnehmung kümmern, sollten sie ihre inneren Probleme zu lösen versuchen.
Die Infrastruktur dort ist teilweise katastrophal (was durch den Tourismus nicht zu ändern wäre, weil es andere Gründe als generellen Geldmangel hat), die Zensur ist weitreichend und beschränkt das Leben dort stark, medizinische Versorgung ist ein großes Problem, Hungersnöte sind quasi an der Tagesordnung, man gibt große Prozentsätze des Bruttoinlandsprodukts für die Rüstungsindustrie aus, auf Kosten der Menschen. Außerdem sind die Regierungsform und die betriebene Propaganda nicht mit heutigen Grundsätzen vereinbar; teilweise werden in Nordkorea Menschen (zum Beispiel wegen körperlicher Behinderung) dazu verdammt, weit abseits der Städte zu Leben und es gibt sogenannte "Arbeitslager" - das sind Methoden wie im Dritten Reich.
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Re: Öffnungstendenzen in Nordkorea

Beitragvon Traveldavid » Donnerstag 25. Oktober 2012, 11:56

Ich würde echt mal gerne wissen, wie es da so ist. Sicherlich schwer eine Reise in diese verschlossene Land zu machen oder?
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Re: Öffnungstendenzen in Nordkorea

Beitragvon Shopgirl_66 » Donnerstag 25. Oktober 2012, 12:49

Traveldavid hat geschrieben:Ich würde echt mal gerne wissen, wie es da so ist. Sicherlich schwer eine Reise in diese verschlossene Land zu machen oder?


Auf eigene Faust, ist es sicher nicht einfach. Es gibt aber organisierte Touren ...
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Re: Öffnungstendenzen in Nordkorea

Beitragvon Pantitlan » Donnerstag 25. Oktober 2012, 13:54

Reisen auf halbwegs eigene Faust sind nur mit einem Diplomatenpass und vielleicht mit einem Dienstpass möglich. Ansonsten wird man streng überwacht. (Mit dem entsprechenden Pass natürlich auch, aber immerhin kann man sich in der Hauptstadt einigermassen frei bewegen).

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Re: Öffnungstendenzen in Nordkorea

Beitragvon Indrid Cold » Dienstag 13. November 2012, 22:34

News zu Nordkorea aus südkoreanischen Quellen sind auch etwas heikel.

Es gab schon einige Meldungen die aufhorchen lassen. Aber was genau sich dahinter verbirgt kann man wohl nur erahnen. Zum Beispiel mit der Absetzung des nordkoreanischen Militärschefs Ri Yong Ho durch Kim Jong Un im Sommer dieses Jahres (durch Nordkorea’s News Agentur publiziert). Möchte Kim Jong Un jüngeren Militärs Platz machen?


nzz.ch/aktuell/international/militaerchef-abgesetzt-1.17362998
nzz.ch/aktuell/international/kim-jong-un-ernennt-neuen-vize-marschall-1.17363073

Dann die Hochzeit mit der jungen Frau, die immer öfters an Kim Jong Uns Seite gesehen wurde. Sie ist oft an seiner Seite und modern angezogen, sogar die kürzeren Röcke der Frauen auf Fotos allgemein sorgen für Diskussionen.

nzz.ch/aktuell/international/raetselraten-um-frau-an-seite-von-kim-jong-un-1.17334093
nzz.ch/aktuell/international/pjongjang-verneint-reformen-alles-beim-alten-in-nordkorea-1.17417218

Die USA haben auf jeden Fall zur Hochzeit gratuliert, Nordkorea und Japan führen auch wieder Gespräche zusammen und China empfiehlt Nordkorea zu Lockerungen der Marktbeschränkungen.

nzz.ch/aktuell/international/usa-gratulieren-kim-jong-un-zur-hochzeit-1.17403392
nzz.ch/aktuell/international/japan-nordkorea-direkte-gespraeche-1.17539390
nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/china-ermutigt-nordkorea-zu-mehr-marktfreiheiten-1.17495586



dass man ein solches Land noch durch Tourismus unterstützen sollte

Grundlegen kann ich verstehen, wenn jemand so denkt. Aber dann dürfte man meiner Meinung nach auch in hunderte anderer Länder nicht reisen die es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen: Kambodscha, Laos, Thailand, Vietnam, Myanmar, China, Russland, Indonesien, Ägypten, Tunesien, Algerien, die Vereinigten Staaten von Amerika, Kuba, Brasilien, Kenia, Bangladesch, Indien, Sri Lanka usw. usw.

Denn ich sage mir, dass ich zwischen der einfachen Bevölkerung und der Regierung unterscheide. Jetzt kommt man bei einer Nordkorea-Reise natürlich nicht in den Genuss mit alltäglichen Leuten einfach so ein Gespräch führen zu können. Das ist schade. Und mein Geld unterstützt die Machthaber. Aber: Ein Teil des Geldes geht an das Hotel, an den Fahrer, an die local Guides, an die Reiseleiterinnen, an die Flugbegleiterinnen usw. usw. Ich denke nicht, dass meine Reisebegleiterinnen je Menschenrechtsverletzungen begangen haben oder werden. Von daher, wenn ich diesen Leuten durch meine Reise etwas Lohn/small talk-Austausch geben kann, warum nicht.
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