Zusammenstösse von Buddhisten und Muslimen

Französischkurs in den ehemaligen französischen Kolonien (Laos, Vietnam und Kambodscha) gefällig? Oder doch lieber auf der Road to Mandalay pilgern und ein Beer Lao trinken?

Zusammenstösse von Buddhisten und Muslimen

Beitragvon Indrid Cold » Mittwoch 13. Juni 2012, 18:27

Im Westen des Landes wurde im Gebiet Rakhine das Notrecht ausgerufen, nachdem dort in den letzten Tagen religiöse Unruhen zwischen der buddhistischen Mehrheit sowie der muslimischen Minderheit ausgebrochen sind.

Die Rohingya-Minderheit wird nach wie vor diskriminiert, darf z. B. weder Land besitzen noch einen Pass beantragen (was sich fast staatenlos macht).

Begonnen hat es, als eine buddhistische Frau vergewaltigt und ermordet wurde. Die Tat wurde Angehörigen der Rohingya angelastet, worauf hin die Situation eskalierte. Ein Mob hat zehn muslimische Männer gelyncht, danach wurden vier Buddhisten getötet, jetzt brennen Häuser.

Hier mehr:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/b ... 38034.html


Denkt ihr, dass die Regierung das unter Kontrolle bringen wird? Ist es normalerweise möglich, in dieses Gebiet zu reisen?
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Re: Zusammenstösse von Buddhisten und Muslimen

Beitragvon sandsturm » Donnerstag 14. Juni 2012, 05:17

Normalerweise kann man in die Gegend reisen. Mit den Stränden von Ngapali und der Ruinenstaat Mrauk U befinden sich zwei wichtige touristische Sehenswürdigkeiten im Staat, die zwar bei Besuchern nicht zur Must-Do-Liste gehören, aber offenbar in den letzten Jahren eine zunehmende Menge von Touristen gesehen haben.

Ob die Regierung die Unruhen unter Kontrolle bringen kann, ist meiner Ansicht nach nicht die primäre Frage, sondern es geht viel mehr darum unter welchen Voraussetzungen das möglich ist. Das Notrecht wurde bereits ausgerufen. Wenn sich der Konflikt weiter ausbreitet, könnte es passieren, dass das Militär wieder zur Macht greift und den positiven Wandel Myanmars des letzten Jahres wieder rückgängig macht.

Lesenswert finde ich übrigens auch diesen Hintergrundartikel:
http://www.aljazeera.com/indepth/opinio ... 90151.html

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Re: Zusammenstösse von Buddhisten und Muslimen

Beitragvon nailstk » Freitag 6. Juli 2012, 19:15

Wirklich traurig. Warum muss sowas nur immer wieder passieren?

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Re: Zusammenstösse von Buddhisten und Muslimen

Beitragvon Indrid Cold » Dienstag 13. November 2012, 22:59

Schon krass, dass ausgerechnet die immer so als friedlich geltenden Buddhisten/Mönche in Burma gegen Muslime hetzen und diese vertrieben werden. Auch schlimm finde ich, dass das Volk der Rohingya nichts Wert ist weil es nicht beweisen kann, vor den Briten da gewesen zu sein oder so ähnlich. Da versucht man nach Bangladesch oder Thailand zu fliehen und wird dort einfach abgewiesen oder in Lager gesteckt.

Dass Aung San Suu Kyi keine Partei ergreift schadet ihrem Ansehen auch beträchtlich, wie ich finde.

Sittwe ist wohl nicht zugänglich und das laut dem Reiseführer bekannte Mrauk U auch nicht.

Hier ein guter Bericht:
http://www.nzz.ch/aktuell/international ... 1.17784282

Und hier Sattelitenbilder, die das Ausmass der Zerstörung zeigen:
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotos ... 89023.html

Kyaukpyu liegt ja weiter südlich von Sittwe. Die Unruhen verteilen sich wirklich an der Küste entlang.

Man muss aber auch sagen, dass die Junta z. T. auch “gut“ reagiert hat. Man hat Berichte über die Unruhen nicht zensiert. Das spricht für Pressefreiheit. Der Nachteil: Gerüchte und auch angebliche das Foto der vergewaltigten Frau in einer der lokalen Zeitungen schüren den Konflikt weiter an. Gut: Man verschweigt nichts sondern gibt die Unruhen zu, man lässt Menschenrechtsexperten in das Gebiet und informiert. Das wäre vor einem Jahr noch undenkbar geworden.

Andererseits weiss man noch nicht so recht, wie man jetzt handeln soll. Wenn natürlich Soldaten um die Rohingya zu schützen in eine Menschenmenge voller demonstrierender Buddhisten schiesst ist das auch nicht gerade sehr menschenrechtsnah.

Eine Militärdiktatur verschwindet, religiöser Hass macht sich breit. Irgendwie wird sich das Verhältnis schon finden hoffe ich.

Man kann nicht von heute auf Morgen eine Vorbilddemokratie werden. Immerhin hat die Schweiz ja in Burma jetzt auch wieder eine Botschaft eröffnet. Gute Zeichen und ich hoffe, dass der Konflikt dort irgendwie gelöst werden kann.
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Re: Zusammenstösse von Buddhisten und Muslimen

Beitragvon sandsturm » Donnerstag 15. November 2012, 04:03

Die Schweiz hat - meine Einschätzung - nach nicht unbedingt deswegen eine Botschaft in Rangun aufgemacht, weil das Land nun so super menschenrechtskonform ist, sondern wegen der zahlreichen Geschäftsmöglichkeiten, die sich nun bieten. Schau beispielsweise einmal die immensen Kapaitäten auf dem Hoteleriemarkt, wo die Schweiz einiges zu bieten hat, an...

Myanmar könnte in den nächsten Jahren einer der grössten Wachstumsmärkte werden. Hier macht es Sinn, sich frühzeitig gut zu positionieren.

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Re: Zusammenstösse von Buddhisten und Muslimen

Beitragvon Indrid Cold » Mittwoch 27. März 2013, 22:20

Habt ihr die Meldungen der vergangenen Tage gehört?

Buddhisten haben in der Nähe von Mandalay mehrere Häuser angezündet wie auch Moscheen. Und das nur wegen eines Streits vor einem Laden.

Auch in anderen Teilen des Landes gingen Buddhisten gegen Muslime vor. Nachdem auch Bago von Unruhen erschüttert wurde hat man Angst, dass die religiöse Spannung auch in Yangon zu Problemen führen könnte.

Die Soldaten wie auch die Politik sind masslos überfordert.

Früher wurden Demonstrationen gar nicht erlaubt, haben Zeitungen Gerüchte oder Meldungen über religiöse Unruhen gar nie erwähnt (Zensur) und falls doch was passierte, hat man das brutal unterdrückt.
Und jetzt weiss man nicht so recht wie weiter. Es ist sehr schade, dass ein simpler Streit oder auch Gerüchte für so viel Elend zwischen den diversen Volksgruppen sorgen.

Hier:
http://www.sueddeutsche.de/politik/ethn ... -1.1634549

Handelt es sich bei den „Muslimen“ um dieselbe Volksgattung wie im Westen an der Küste (diejenigen, die offiziell nicht als Burmesen anerkannt werden)?
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Re: Zusammenstösse von Buddhisten und Muslimen

Beitragvon Pantitlan » Freitag 29. März 2013, 03:13

Die Spannungen nahmen ihren Anfang in Meiktila? Es ist schon seltsam, wie wenig man als Durchreisender von Spannungen mitbekommt. Als ich im Oktober dort war, fand ich den Ort besonders friedlich...

Es steht ja nicht so genau, um welch eMuslime es sich handelt. Aber soweit ich das verstanden habe, sind alle Muslime urspruenglich Migranten aus dem Westen, also der Region Bangladesch. Ob es da noch Untergruppierungen gibt, weiss ich nicht.

Allerdings ist ja sowieso auch die Frage, ob die radalierenden Buddhisten hier eine Unterscheidung treffen. Aus dem Artikel gewinne ich den Eindruck, dass die Gewalt doch eher wahllos gegen Moscheen und Muslime gerichtet ist.

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Re: Zusammenstösse von Buddhisten und Muslimen

Beitragvon jörg3 » Dienstag 23. April 2013, 00:01

Ich bin vor kurzem aus Myanmar von meiner Reise zurückgekommen und ich habe keine Zusammenstösse von Menschen gesehen.
Meine Reise hatte sich in den Touristischen gebieten wie Bagan und Inle-See abgespielt wo keine Zusammenstösse waren.
Bei der Reise die von der thailändischen Agentur Thailand-hotelservice.com durchgeführt wurde hatte ich und meine Mitreisende keine Probleme.

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Re: Zusammenstösse von Buddhisten und Muslimen

Beitragvon KungFuKuH » Freitag 21. Juni 2013, 20:52

Ich habe die Buddhisten schon immer für kluge und weitsichtige Menschen gehalten. Die sind sich der Gefahr für Land und Leute durch die Muselei bewusst und warten nicht so lange wie wir zaudernden Europäer, diesen islamischen Umtrieben rechtzeitig ein Ende zu setzen.

Myanmar befindet sich in einem politisch-gesellschaftlichenen Umbruch und die Karten werden gerade neu gemischt.
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Re: Zusammenstösse von Buddhisten und Muslimen

Beitragvon Pantitlan » Samstag 22. Juni 2013, 07:27

KungFuKuH hat geschrieben:Ich habe die Buddhisten schon immer für kluge und weitsichtige Menschen gehalten. Die sind sich der Gefahr für Land und Leute durch die Muselei bewusst und warten nicht so lange wie wir zaudernden Europäer, diesen islamischen Umtrieben rechtzeitig ein Ende zu setzen.


Ich bin schockiert, dass Reisende solche Kommentare hinterlassen können. Geht es beim Reisen nicht gerade darum, andere Kulturen kennenzulernen, statt Vorurteile gegen andere Menschen und Lebenskonzepte aufzubauen?

In diesem Beitrag mit seiner Favorisierung einer "Endlösung" steckt nicht weniger Radikalismus als in den Worten von islamischen Hasspredigern.

So etwas zu schreiben ist so falsch und unmenschlich, dass ich es nicht einfach umkommentiert stehen lassen kann. Aber es ist auch so abgrundtief falsch, dass ich nicht recht weiss, wo ich mit dem kommentieren anfangen soll.

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