Kriminalität Tobago ???

Tobago Spezial: auf Grund der hohen Quote von Tobagoanfragen, habe wir dafür hier ein eigenes Forum eingerichtet.

Kriminalität Tobago ???

Beitragvon tobschen » Samstag 14. August 2010, 10:33

Hallo alle zusammen,

nachdem meine Verlobte und ich im Netz schon viel zu viele Schauergeschichten über Tobago gehört haben, wollen wir es genauer wissen...

Wir möchten im Januar / Februar unsere Flitterwochen auf Tobago verbringen. Wir werden 1 Woche in Speyside und 1 Woche in Castara in privaten Häusern sein.

Wir haben beim Trekking und Wandern zu zweit (ohne Führer) vor, möglichst viel von der unberührten Seite der Insel kennenzuleren.

Nachdem wir beide (31 und 27 Jahre) schon gut in der Welt rumgekommen sind, können wir gar nicht glauben, dass die Kriminalität auf Tobago mittlerweile so heftig sein soll?

Kann man denn als Paar sich überhaupt noch mit ruhigen Gewissen die Schönheit von Tobago ansehen oder sind wir mehr mit unserer Sicherheit beschäftigt?

Ich hoffe es können uns viiiiele Leute weiterhelfen....

Grüße aus München

Tobi
tobschen
Holidayresort-Guru
 
Beiträge: 2
Registriert: Samstag 14. August 2010, 10:21
Wohnort: München

Beitragvon Sophie » Donnerstag 19. August 2010, 17:03

Hi Tobi,

also ich würde mich auf keinen Fall davon abhalten lassen nach Tobago zu fahren.

Ich war letztes Jahr zum vierten Mal da, eine Freundin von mir ist gerade wiedergekommen und eine andere fliegt im September hin. Nach meiner Empfindung ist Tobago kein gefährlicher Ort. Natürlich wird davor gewarnt an einsamen Stränden mit seinen Wertsachen unterwegs zu sein, aber das kann man sich ja fast selber denken. Gerade Speyside und Castara sind ruhige Ecken der Insel, wo es im Gegensatz zu den touristisch mehr frequentierten Orten Crown Point, Bon Accord, Canaan usw. wenig Probleme gibt.

Ich kann allerdings nicht wirklich beurteilen, ob sich der Regenwald zum Selbsterkunden anbietet. Ich habe immer geführte Touren gemacht. Dabei habe ich auch super viel über Pflanzen und Tiere (vorallem Vögel) erfahren und finde es auch gut etwas Geld bei den Einheimischen zu lassen. Ich bin mir sicher eure Vermieter könnten euch jemanden empfehlen.

Aber was das normale Wandern angeht, haben wir das auch gerne getan und irgendwann haben sich sogar die Einheimischen daran gewöhnt, dass die verrückten Deutschen wirklich gerne laufen.

Ich wünsche Euch jedenfalls schöne Flitterwochen.
Sophie
Sophie
Holidayresort-Guru
 
Beiträge: 14
Registriert: Samstag 10. November 2007, 01:25
Wohnort: Berlin

Beitragvon Alex » Freitag 20. August 2010, 13:16

Kann man denn als Paar sich überhaupt noch mit ruhigen Gewissen die Schönheit von Tobago ansehen oder sind wir mehr mit unserer Sicherheit beschäftigt?

Ihr müsst euch nicht verrückt machen. Die Kriminalität ist doch eher konzentriert in den "Lowlands" um Scarborough und den Flughafen-Bereich. Zudem geht es dabei auch um die Nacht als um den Tag. Wo ist euer Haus in Speyside? Wenn ihr den Nachbarn mal kurz "Hallo" sagt und euch vorstellt, dann passen die schon auf euch auf. In Speyside muss man sich keine Sorgen machen.

Januar/Februar ist eine sehr schöne Reisezeit, wenn auch relativ trocken. Abends kann es schon mal etwas kühler werden (i.S.v. 20°C), wofür man aber dankbar sein sollte.

Wandertechnisch kann man um Speyside sehr Schönes machen, auch wenn der Baumbestand in näherer Umgebung nie älter als 50 Jahre alt ist. In den 1960er Jahren gab es einen sehr starken Orkan, der jeden größeren Baum umgelegt hat. Führer sind schon mal ganz nett, muss aber nicht unbedingt sein wenn man lieber seine Ruhe hat. Vielleicht fragt man auch bei mehreren Quellen nach, damit man nicht den erstbesten Verwandten der Vermieter auf Auge gedrückt bekommt. Einen Führer würde ich für eine Regenwald-Tour in der Mitte der Insel empfehlen. Bin nicht sicher, wie man an jemanden kommt. In der Regel warten dort immer potentielle Führer, um den 30min-Standardweg dort abzulaufen (der sehr schön ist). Dort ist der Wald auch tatsächlich feucht, und nicht so trocken wie um Speyside. Grundsätzlich ist zudem der Wald auf der Nordseite der Insel (zwischen Charlotteville und Castara) schöner.

Die erste schöne Wanderung könnte man nach Starwood Bay machen. Einfach von Speyside aus der Straße Richtung Charlotteville folgen und beim MantaBay Resort (oder so ähnlich) rechts in die Straße Richtung BlueWatersInn Hotel abbiegen. Oben nicht rechts hinunter zum Hotel, sondern die (nicht asphaltierte) Straße links nehmen. Die erste Bucht, die man erreicht, heißt Belmond Bay. Da wohnte bis vor kurzem ein Deutscher oder Schweizer, dessen Wohnwagen aber mittlerweile schon völlig verrostet sein dürfte. Am Ende der Bucht folgt man der Straße weiter bis man auf einen scharfen Abzweig rechts führt. Den Abzweig muss man nehmen, denn die Straße endet geradeaus im Nichts. Also am Abzweig den Hügel hoch, dann links weiter, und ein wenig später sieht man schon die Bucht. Starwood ist sehr einsam. Kann sein, dass dort im letzten Jahrzehnt mal jemand ausgeraubt wurde, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch sehr gering. Im Zweifel trefft ihr sowieso niemanden auf dem ganzen Weg, bis vielleicht auf jemanden in Belmond. Für die Tour würde ich einen guten Vormittag einplanen. Auf dem Rückweg kann man im Blue Waters wieder zu Kräften kommen.

Eine zweite Wanderung, aber nicht so schön wie nach Starwood: Speyside ist in der Mitte durch einen ins Meer ragenden Höhenzug zweigeteilt, so dass es quasi zwei Strände gibt (wo man übrigens allerdings sowieso eher nicht baden will). Es gibt eine Treppe und ansonsten muss man sich im unteren Bereich vielleicht auch mal über Straßen durchschlängeln. Aber wenn die Häuser aufhören, dann beginnt dort ein Pfad, der bis auf den höchsten Punkt der Gegend führt. Die Pfade existieren, weil dort die Leute jagen gehen. Viel zu jagen gibt es allerdings nicht. Die Gürteltiere sind schon verschwunden, soweit ich weiß. Theoretisch kann man vom höchsten Punkt rüber nach Charlotteville schauen, aber praktisch ist die Stelle doch sehr zugewachsen. Man kann allerdings ein wenig durch die Bäume spähen und es ist auch angenehm windig. Wenn ihr dann ein Stück zurücklauft, könnte ihr irgendwann eine Gabelung nach rechts nehmen (links wäre der Weg zurück). Wenn ihr dem Weg folgt, kommt ihr auf den Höhenzug, der sich parallel zur Küste vom höchsten Punkt grob in Richtung Südwesten erstreckt. Irgendwann müsste es wieder leicht bergab gehen und ihr dürftet auf ein kleines Staubecken stoßen. Das ist das Wasserreservoir von Speyside (das Wasser wird zwar noch gefiltert, aber man sollte soviel Respekt haben, von Scherzen wie Reinpinkeln oder so abzusehen). Wenn ihr der Straße folgt, die zu diesem Staubecken führt, kommt ihr zurück zur Hauptstraße. Nach links wenden und ihr seid schon wieder an der Aussichtsstelle über Speyside. Ihr müssts auf der Straße herunterlaufen, also in den Kurven auf die Autos aufpassen. Die Wanderung ist recht lang. Vier Stunden müsste man dafür schon mindestens einplanen, vielleicht länger. Weil man eine Menge Höhenmeter überwinden muss, ist die Wanderung auch deutlich anstrengender als der Weg nach Starwood.

Gruß,
Alex
Alex
Forenveteran
 
Beiträge: 2058
Registriert: Samstag 19. Februar 2005, 19:40
Wohnort: Deutschland

Re: Kriminalität Tobago ???

Beitragvon Prose » Montag 20. September 2010, 20:04

Hi Tobi,

ich kann mich meinen Vorpostern leider nicht anschliessen.
Ich besuche Tobago seit 1996 regelmaessig und lebe seit 8 Jahren
auf der Schwesterinsel Trinidad - In den letzten 10 Jahren ist ein sprunghafter Anstieg von Gewaltdelikten zu verzeichnen - davor war Tobago exakt wie in Alex' Beschreibung.

Bei meinen Besuchen wurde ich selber Zeuge von Raubueberfaellen auf Touristen. Leider versuchen die Hotels und lokale Behoerden das Problem herunterzuspielen, um Besucher nicht zu verschrecken.

Alex' Aussage:
'Starwood ist sehr einsam. Kann sein, dass dort im letzten Jahrzehnt mal jemand ausgeraubt wurde, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch sehr gering.'

Stimmt leider so auch nicht mehr - Raubueberfaelle und Vergewaltigungen sind inzwischen auch im Nordteil der Insel keine Seltenheit mehr.

Nehmt euch bitte unbedingt einen ortskundigen Fuehrer fuer den Regenwald und erkundet die Insel in kleinen Grueppchen, dann steht einem sicheren Urlaub auch nichts im Wege.

Tobago ist durchaus eine Reise wert, es aber alleine zu erkunden halte ich fuer aeusserst leichtsinnig.

Gruesse,
Phil
Prose
Pauschaltourist
 
Beiträge: 1
Registriert: Montag 20. September 2010, 18:52
Wohnort: Trinidad

Beitragvon tobschen » Freitag 1. Oktober 2010, 18:02

Hallo Leute,

vielen Dank für die ausführlichen Antworten!

Letztlich haben wir uns jetzt dazu entschieden, unsere Flitterwochen nicht auf Tobago zu verbringen!

Die ganzen Nachrichten über Gewalt und Verbrechen nehmen wir sehr ernst (die kommen ja nicht von ungefähr!) Wir glauben auch eher, dass die Touristikunternehmen und Hotels die Lage runterspielen und die Wahrheit verbergen wollen, um die zahlenden Touris nicht zu verschrecken.
Wir sind einfach viel zu gerne alleine unterwegs, als dass wir uns einer Reisegruppe oder einem Führer anschließen würden. Daher kommt Tobago nicht mehr in Frage! Schade!

Wir haben uns jetzt für die Seychellen (Praslin und La Digue) entschieden und auch schon gebucht.

Grüße aus München

Tobi
tobschen
Holidayresort-Guru
 
Beiträge: 2
Registriert: Samstag 14. August 2010, 10:21
Wohnort: München

Beitragvon Michiagi » Samstag 2. Oktober 2010, 18:56

Seychellen ist sicher auch schön!
Viel Spass!

Musik und Natur verkörpern für mich die Freude pur!
Michiagi
Touristenfallenentschärfer
 
Beiträge: 141
Registriert: Dienstag 29. April 2008, 20:39
Wohnort: FL

Beitragvon Alex » Freitag 10. Dezember 2010, 19:24

Alex' Aussage:
'Starwood ist sehr einsam. Kann sein, dass dort im letzten Jahrzehnt mal jemand ausgeraubt wurde, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch sehr gering.'

Stimmt leider so auch nicht mehr - Raubueberfaelle und Vergewaltigungen sind inzwischen auch im Nordteil der Insel keine Seltenheit mehr.
Ah ja? Ich bin durchaus der Meinung, dass Gewaltdelikte zugenommen und die Mentalität sich deutlich zum Schlechten verändert hat (ich kenne Tobago seit 1990). Aber dass in Speyside und Charlotteville Raubüberfälle und Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind, wäre mir doch sehr neu.

es aber alleine zu erkunden halte ich fuer aeusserst leichtsinnig.
Du willst also sagen, man könne sich kein Auto mieten und einfach drauflosfahren, und hier und dort anhalten? Also das, muss ich sagen, halte ich nun wirklich für schlicht lächerlich. Tobago ist nicht Rio.

Gruß,
Alex
Alex
Forenveteran
 
Beiträge: 2058
Registriert: Samstag 19. Februar 2005, 19:40
Wohnort: Deutschland

Beitragvon Alex » Mittwoch 16. Februar 2011, 12:48

In Trinidad und Tobago wird wieder die Todesstrafe diskutiert:
http://www.economist.com/node/18114940

1999 wurden in T&T nur 93 Morde registriert, 2010 waren es 472. Die Mordrate lag damit 2010 bei 36 auf 100.000 Menschen, was der siebenfachen Mordrate in den USA und der dreißigfachen Mordrate in Großbritannien entspricht. Allerdings ist die Mordrate insbesondere in Jamaika mit 53 pro 100.000 noch etwas höher.

Gruß,
Alex
Alex
Forenveteran
 
Beiträge: 2058
Registriert: Samstag 19. Februar 2005, 19:40
Wohnort: Deutschland

Beitragvon WMH-Weltenbummler » Mittwoch 11. Mai 2011, 10:12

Vorher über die Brennpunkte informieren, dann sollte alles gut gehen.
WMH-Weltenbummler
Fullmoonpartyjäger
 
Beiträge: 21
Registriert: Mittwoch 16. März 2011, 10:52
Wohnort: Köln

Re: Kriminalität Tobago ???

Beitragvon ReiseFanatiker » Mittwoch 9. Dezember 2015, 13:39

Natürlich ist die Kriminalität in Tobago nicht zu unterschätzen. Ist halt eine Tatsache, dass 90% der Bevölkerung fast alles für Geld machen, auch sehr unethisches eben.
ReiseFanatiker
Holidayresort-Guru
 
Beiträge: 9
Registriert: Mittwoch 9. Dezember 2015, 13:12


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast