Reisebericht Nordkorea

Korea ist das letzte Reiseziel, wo man den Kalten Krieg noch so richtig spürt. Gut für die besondere Art von Erlebnisreisen.

Reisebericht Nordkorea

Beitragvon Mencius95 » Samstag 24. Oktober 2009, 03:44

Liebe Reisenden,

Anfang Oktober war ich fuer 5 Tage in Nordkorea unterwegs und habe auf meiner Webseite einen recht ausfuehrlichen Bericht verfasst, mit Bildern.

Die Reise war extrem spannend.

Der Bericht findet man hier:

http://www.meinechinaseite.de/verschied ... dkorea-09/
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Beitragvon asiafan11 » Freitag 26. August 2011, 16:09

Wow, super reisebericht, vielen DAnk. Da überleg ich mich doch auch ob ich sowas in Auslandsjahr in Hong Kong integrieren kann ;-)
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Beitragvon RonjaT » Montag 19. Dezember 2011, 15:43

Ja der Bericht ist wirklich super und die Bilder entwickeln bei mri Fernweh. :( Ein Auslandsjahr könnte ich zwar nicht einplanen, aber sicherlich ist der Bericht ein guter Grund, mal einen Aufenthalt in Hong Kong zu planen.
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Beitragvon robin » Dienstag 20. Dezember 2011, 03:58

Sorry, ein Nordkoreareisebericht ist für dich ein Grund nach Hongkong zu gehen? Nichts für ungut, aber du bist dir schon bewusst, dass Asien nicht einfach Asien ist.
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Beitragvon JapanFan » Donnerstag 22. Dezember 2011, 00:52

@Robin: Ich glaube Asiafan11 verbringt ein Auslandsjahr in Hong Kong und würde dann gerne einen Aufenthalt in Nordkorea einplanen. Ist ja nicht abwegig wenn man schon ein Jahr in Asien verbringt sich ein bissi mehr anzusehen. Hong Kong ist immer noch näher zu Korea als Europa :)

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Beitragvon Pantitlan » Donnerstag 22. Dezember 2011, 03:20

@Japanfan: Ich glaube Robin bezog sich auf Ronja... :)

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Re: Reisebericht Nordkorea

Beitragvon Indrid Cold » Sonntag 10. Juni 2012, 14:48

So, ich war jetzt auch noch fünf Tage in Nordkorea und möchte einige erste Eindrücke hier schildern (zum effektiven Tour-Programm sowie Fotos komme ich später).

Mit meiner neuen Canon EOS 60D und einem 105mm-Objektiv (auch neu) konnte man viele gute Fotos machen. Stativ und Fernauslöser hatte ich auch dabei und konnte z. T. auch in der Nacht ein, zwei gute Fotos machen. Siehe zum Beispiel hier der Triumphbogen:
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypic ... y/28140471

Alltagsszenen jedoch kann man nur sehr schwer und meistens nur aus dem Auto raus fotografieren, da man sich in der Hauptstadt leider nicht frei bewegen kann. Aber auch hier sind mir viele gute Aufnahmen gelungen.

Es ist aber nicht so, dass das Land einen sehr schlimmen Eindruck macht. Klar, viele Häuser sind alt, es fehlt der Verputz, Trolley-Busse sehen so aus, als fielen sie z. T. bald auseinander, die Trams fahren mit ca. 3 km/h durch die Stadt und abends gibt es nur wenige Lichter. Autos fahren in der Stadt heute schon viele rum, aber auf der Autobahn sieht man während drei Stunden ev. ein paar andere Autos, mehr nicht.

Während des Tages nahmen wir an einer Tour teil, waren also immer mit unseren Aufsehern unterwegs (die immer zu zweit sind). Wir waren vier Touristen und das Programm war sehr komplex, aber pro Stopp hatte man nur wenig Zeit, sich auch mal etwas vom Auto zu entfernen und versuchen was anderes zu fotografieren. Kontakt mit den Einheimischen konnte man vergessen und es ist auch nicht zu empfehlen: Denn man kann die entsprechende Person in arge Schwierigkeiten bringen, da die Geheimdienste ihre Augen überall haben, würden sie ev. Versuche eines Small Talkes so interpretieren, dass der Nordkoreaner etwas erzählen wollte was er nicht darf oder so.

In der Hauptstadt selber leben sowieso nur dem System gegenüber loyal eingestufte Menschen. Alle Menschen, die einer der drei anderen Kategorien eingeordnet wurden (also nicht 100% loyal) dürfen gar nicht in die Hauptstadt. Reisen innerhalb Koreas ist für diese Menschen auch nicht einfach. Wenn man in der schlechtesten Gruppe eingestuft wird, kommt man ins Umerziehungslager (wurde uns natürlich nicht gesagt).

Eine Reise nach Nordkorea ist wie ein Trip in die Vergangenheit, die Architektur erinnert an “Stalinismus“ (breite Strassen, Denkmäler, Statuen, Betonfassaden-Gebäude) und für Touristen gibt es weder Internet, Telefonnetz noch Werbeplakate für Produkte noch freien Spass. Die Menschen in Korea leben ihr Leben wie Ameisen, jeder ist dem System verpflichtet und von klein an hirngewaschen.

Die fünf Tage mit den zwei Reiseführerinnen waren nicht nur sehr interessant und ein ständiger Stress, sondern z. T. auch total kurios. Je nach Frage wird gar nicht oder nur ausweichend geantwortet oder gleich vom Thema abgelenkt (als ich fragte, ob Kim Jong Un – im Folgenden nur noch K3 genannt – in Bern zur Schule sei, weil ich nämlich dort auch zur Schule bin). Oder es wird schockiert zurück gefragt, von wo man diese Infos hätte („nur böse Propaganda vom Feind“, also von den imperialistischen USA und den „Japs“). Und bei fast jedem Denkmal, Gemälde oder Statue wurde uns gesagt, wie lange es gedauert hat, bis das fertig war, wie viele Meter es hoch ist, wie viele Meter breit oder wie schwer. Man versteckt alles hinter Zahlen, aber interessante Infos, Fehlanzeige. Typisch für Kommunismus. Und Propaganda anhören, da hockt man lieber einfach im Auto und schaut zum Fenster raus, auch wenn das dem Guide gegenüber etwas fies ist, wenn man gar keine Aufmerksamkeit zeigt. Lesben- und Schwulenehen gibt es in Nordkorea übrigens nicht, genau so wenig, wie der Ehemann bei der Geburt seines Kindes anwesend sein darf. Fehlanzeige. Normalerweise wird kurz vor dem 30. Lebensjahr geheiratet, wobei der Mann immer etwas älter ist als die Frau. Der häufigste Name für Jungen ist – wie könnte man es anders erwarten – Kim. Die Eltern haben nach der Geburt 100 Tage Zeit, um zusammen mit den Schwiegereltern einen Namen zu finden.

Einige unserer Gruppe haben z. T. mit der älteren Aufseherin gesprochen und sie etwas versucht in die Mangel zu nehmen bzw. ihr zu sagen, dass eine Öffnung doch nicht so schlecht wäre, man müsste ja die Ideologie weder aufgeben noch das den Touristen immer aufdrängen. China wurde als Beispiel genannt, hat sich geöffnet aber immer noch nur ein Einparteisystem usw. Alle Nordkoreaner tragen an der Bluse oder am T-Shirt oder auf der Jacke eine Ansteckbrosche mit den Porträts ihrer Führer. Mit 14 Jahren erhält dies jeder in der Schule. Kaufen kann man dies nicht. Als einer unserer Gruppe sagte, dass er sicher sei, dass man die bald auch mal in China für nur ein Euro kaufen kann, hat die Aufseherin ihren Anhänger sogar geküsst.

Während dem habe ich die jüngere der beiden, 23 Jahre jung und neu im Reiseführer-Business (ausserdem konnte sie besser englisch und hatte auch einen Sinn für Humor) etwas über ihr Leben gefragt: In der Schule haben sie – um Englisch und europäische Geschichte zu lernen – unter anderem Braveheart und The Patriot geschaut. Sie mag Tom Cruise sehr (Mission Impossible) und auch den Harry-Potter-Darsteller, aber nur in den ersten paar Filmen, als er noch ein Junge ist. Als ich sie fragte, ob sie auch Horrorfilme kenne, sagte sie, dass sie den ersten Anaconda-Film gesehen habe. Michael Jackson war ihr nach einer kleinen Beschreibung dann auch ein Begriff. Und wenn es plötzlich von heute auf morgen möglich wäre, überall hin zu reisen, dann würde sie nach Singapur wollen.

Ich denke, es fehlte unseren beiden Guides noch etwas an Erfahrung. Denn am letzten Abend traf ich einen ältere deutschsprechenden Guide, der auf meine Frage, ob K3 in Bern zur Schule ging, die beste Antwort gab, die ein Guide dort nur geben kann: Die Biografie von K3 sei ihnen nicht bekannt. Eine diplomatischere Antwort ist kaum möglich.

Sie sagten auch immer wieder, man dürfe nicht alleine in die Stadt, weil wir ja nicht Koreanisch können und es in der Nacht dunkel sei. Aber wir sagten ihr, wir wollten doch nur etwas spazieren und reisen ohne Sprachkenntnisse oder Planung sei total spannend, einfach versuchen von einem Ort zum anderen zu kommen. Das war für die beiden Guides absolut nicht nachvollziehbar.

Es sind natürlich immer zwei Guides, weil sie sich auch untereinander überwachen müssen. Und was immer einem auch erzählt wird, ev. stimmt davon gar nichts. Man darf also nicht naiv sein. Man kann aber versuchen, es wenigstens nett mit einander zu haben. Mit der jungen Reiseleiterin war das kein Problem, die ältere hatte sehr starke Stimmungsschwankungen. Wir haben z. B. immer wieder Witze gemacht, dass wir am Abend das Hotel noch für einen Spaziergang verlassen würden. Weil sie hatte uns nicht verboten, raus zu gehen, sondern es einfach empfohlen. Und eines Morgens erwartete sie uns mit „shocking news“, das ein Tourist das Hotel am Abend verlassen und sich verlaufen hatte. Erst um zwei Uhr morgens fand man ihn. Wie können die denken, dass wir so was glauben? Oder sie erlaubten uns, nach dem Essen noch Nachtfotos machen zu gehen, dann plötzlich hiess es, dann sie das Geburtstagsfest eines Kollegen vergessen hatte und wir keine Zeit mehr hätten. Klar. Zwei mal musste ich (belanglose) Fotos löschen, weil Soldaten darauf zu sehen waren. Wenn ich in einigen hundert Meter Abstand Menschen auf einem Feld arbeiten sehe, kann ich ja nicht wissen, dass das auch Soldaten sind. Das K3 während unserer Reise in Pyongyang seine zweite grosse öffentliche Rede in einem Stadion hielt (und dafür 40'000 Kinder aus dem ganzen Land eingeflogen wurden), wurde uns mit keinem Wort gesagt. Was ich wusste ist, dass unsere Guides selber den Führer nie live an einer Parade oder bei einer Ansprache gesehen haben. Was ich aber erfuhr war, dass Nordkorea den Süden “bedroht“ hatte, ein News-Haus in Soul zu bombardieren (BBC im Hotelzimmer sei Dank). Auch diese Sache wurde von unseren Guides nicht richtig kommentiert.

Andererseits ist die gut gestellte Klasse in Nordkorea vorbildlich ausgebildet: Gute Schuldbildung, Fremdsprachen und viele können gut singen und mindestens ein Instrument spielen. Man achtet, dass man schick gekleidet ist und sich höflich benimmt. Unsere beiden Reiseleiterinnen entsprachen dem älteren europäischen besten Bild einer guten Dame, wenn man so will.

Die Kinder werden aber erbarmungslos getrimmt, wenn die reichen Eltern und Kader ihre Kids hochpushen wollen. Schulkinder haben oft gelacht oder gewunken, aber je älter die Kinder werden, desto böser wurden ihre Blicke. Und im „Palast der Kinder“ konnte man roboterartige Kinder sehen, wie für ihr alter viel zu gute Musik oder Akrobatik durchführten. So eine Qualität erreichen nur die Chinesen oder die Nordkoreaner. Schön anzusehen, dafür eine kaputte Kinderseele. Denn was, wenn ein Kind dem Druck nicht standhält?

Das Essen war in Ordnung, aber nicht atemberaubend. Cool war ein Abend in einem von zwei italienischen Restaurants, wir haben eine sehr feine Pizza genossen (die Köche waren anscheinend mal in Italien). Es gibt auch einen Fast Food-Burger-Laden. War auch fein. Diese Orte sind aber eher für Touristen und besser gestellte Einwohner der Hauptstadt, denke ich. Das beste Essen war nicht geplant: Wir besichtigten auch eine Straussenfarm (die die Menschen Kim Il Sung zu verdanken haben wie alles andere). Und man fragte uns, ob wir Fleisch probieren wollen (obschon ein Abendessen danach noch auf dem Plan stand), da sie planen, dort ein Restaurant zu eröffnen. Wir sagten zu, denn 5 Euro für ein Kilo Straussenfleisch ist nicht viel. Und es war das beste Fleisch, das ich in zwei Wochen Asien hatte! Perfektes Essen! Wir bekamen eine Art Grill wo wir die kleinen Fleischstücke oben selber grillierten und es war genial fein. Wir haben uns dort den Magen so richtig vollgeschlagen.

Wir sind dann per Zug wieder ausgereist, was momentan Amerikanern noch verwehrt wird. Apropos Amerikaner: Ich habe sehr viele amerikanische Touristen getroffen wie auch Deutsche, Holländer, Engländer und und und. Sogar bei der Grenze zu Südkorea befand sich ein alter amerikanischer Tourist, der schon mehrmals in Nordkorea war: Der lokale Guide hat die USA dann als das Böse in der Welt bezeichnet, aber noch dazugefügt, das man zwischen den Politikern und einfachen Leute unterscheidet und dabei den Touristen angesprochen. Das Land ist gut besucht. Im Flug mit Kyoro Air war sicher fast die Hälfte der Leute im Flugzeug nicht koreanischer Natur. Ein Amerikaner war darin, der im Land Entwicklungshilfe leistet und denkt, das Nordkorea keine Bedrohung für sein Land darstellt. Zwei deutsche, die ich traf, haben bei der Grenze ein Risiko in Kauf genommen und ihre Mobiltelefone nicht abgegeben, aber ein Netz haben sie nie gefunden (ein nordkoreanisches Netz existiert jedoch).
Ausgereist sind wir dann per Eisenbahn, 24 Stunden von Pyongyang bis nach Peking. Kaum waren wir über die Grenze, wurden Lokomotive und Speisewagen abgekoppelt und moderne Wagen angehängt. Und die wenigen Nordkoreaner, die ebenfalls ausreisten, nahmen plötzlich ihre Kim-Broschen ab und sprachen überraschenderweise auch Englisch. Unsere Kameras wurden bei der Ausreise nicht eines Blickes gewürdigt, die Frau unserer Reisegruppe nicht einmal kontrolliert (der junge Grenzbeamte kontrolliere nur Männer). Negativ fiel mir eine christliche Gruppe im Zug auf. Nicht nur, weil sie um zehn Uhr abends, als fast alle schon schliefen, extrem laut ihre Gebets-Bibel-Lieder gesungen haben, sondern auch hinsichtlich ihrer Tätigkeit: Bekanntlich existiert in kommunistischen Ländern kein Gott und keine Religion bzw. der Gott/Religion ist die Ideologie. Sobald Nordkoreas System mal kollabieren sollte, ist das ein Paradies für Missionare aller Art. Man könnte die armen Leute wieder hirnwaschen, von einem Übel ins nächste.

Unsere kleine Reisegruppe war ein Vorteil für uns Reisende, aber auch für die Guides, da sie einen besseren Überblick haben und es macht es so auch schwieriger, mal ein Foto versuchen zu machen, wenn man nicht sollte.

Wir in unserer Reisegruppe waren der Meinung, es würde Nordkorea sehr gut tun, die Grenzen und den Markt zu öffnen (siehe China und Russland oder Kuba). Man könnte ja zuerst nur mit freundlich gestimmten Ländern wie Kuba oder China solche Geschäfte machen. Die Leute hätten viel davon. Ausserdem sollte man die Touristen nicht mit Propaganda voll quatschen oder nur in einem gewissen Masse. Wir haben den Reiseleitern gesagt, dass sie nicht Angst zu haben brauchen vor Japan und USA, denn niemand hätte hier ein Interesse am Krieg. Dabei war auch interessant, dass Südkorea selber nicht so oft als Feind angesehen wurde, sondern einfach von den USA gesteuert und dass man möglichst bald eine Wiedervereinigung möchte.
Japan, USA, Nord- und Südkorea, das seien wie vier kleine Kinder im Sandkasten, die sich ständig gegenseitig necken. Ob K3 wirklich das sagen hat oder gewisse Teile des Militärs gegeben ihn sind, weiss man nicht. Man wird sehen, wie es mit Nordkorea weiter geht. Man kann für die Menschen nur hoffen, dass die Veränderungen weiter gehen zum Guten. Dein ein Land, in dem jeder von jedem Angst haben muss, weil viele Leute sich bespitzeln, Millionen Menschen Hunger leiden und Tausende in Camps dahin vegetieren, das ist Horror pur.

Ich empfehle jedem eine Reise nach Nordkorea (Plant den Trip aber selber und schickt den Vorschlag direkt nach Nordkorea an KITC statt eine Tour von hier aus zu buchen, denn selber planen kostet sicherlich die Hälfte weniger). Wie der US-Tourist zu mir sagte, im Vergleich vor fünf Jahren hat das Land schon Fortschritte gemacht: Mehr Licht abends in der Stadt, viel mehr Fahrzeuge (zumindest in den Städten) und eine lockerere Kleiderordnung für Männer. Das mag dem einen vielleicht lachhaft erscheinen, aber für Nordkorea bedeutet das schon viel.
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Re: Reisebericht Nordkorea

Beitragvon ibra2008 » Mittwoch 13. Juni 2012, 13:17

Ich finde, Dein Reisebericht zeigt, dass du zu jenen Leuten gehörst, die mit starren Vorurteilen in ein Land reisen und dann alles so ausschließlich durch die Brille dieser Vorurteile betrachten, dass sie für selbige immer nur "Bestätigungen" finden. Alles, was du schreibst, ist dermaßen ideologisch aus einem Guß, völlig ohne Widersprüche und Selbstzweifel (Beispiel: Nordkorea muss keine Angst haben vor den USA? Clinton war 1993/94 kurz davor, dort anzugreifen!!!), im höchsten Maße westlich "political correct", dass ich mich schon frage, wer Dich programmiert hat. Richtige Gespräche, bei denen man dem anderen zuhört, ihn ernst nimmt und von ihm auch was zu lernen bereit ist, hast du wohl mit Nordkoreanern nicht geführt. Nur immer diese paternalistische Haltung von oben herab: klar, alle Nordkoreaner sind "hirngewaschen" und müssen "Angst" haben was zu sagen. Und du bist halt aufgeklärt und frei im Denken - denn du kommst ja auch aus der ach so liberalen, weltoffenen und fortschrittlichen Schweiz!

"Leben ihr Leben wie Ameisen", "Roboterartige" Kinder", "erbarmungslos getrimmt", "böse Blicke". Alles klar ...

Ich war im April auch für eine Woche dort. Hier gibts ein paar Fotos und ein paar Reiseeindrücke meinerseits (Fotos)
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Re: Reisebericht Nordkorea

Beitragvon Indrid Cold » Mittwoch 13. Juni 2012, 18:20

Kannst wohl andere Meinungen nicht akzeptieren oder was?

Richtige Gespräche, bei denen man dem anderen zuhört, ihn ernst nimmt und von ihm auch was zu lernen bereit ist, hast du wohl mit Nordkoreanern nicht geführt.

Das ist ja auch nicht möglich, denn mit der normalen Bevölkerung kommt man ja nicht in Kontakt. Wenn du denkst, dass du auf deiner Reise ein richtiges Gespräch hast führen könnten, dann bist du einfach nur naiv in meinen Augen. Mir wurden - abgesehen von local Guides - keine echten Koreaner vorgeführt, tut mir Leid. Und mit den gut geschulten Guides kann man zwar gute Gespräche führen, aber die machen einem doch nur was vor, die sind entsprechend ausgebildet. Wenn die mir Fotos von ihren Kindern zeigen, kann wahr sein, kann aber auch genau so gut zu einer Show gehören. Warum denkst du denn, sind die immer zu zweit und werden bei jeder Gruppe ausgewechselt? Das sind nicht einfach normale Reiseführer.


(Beispiel: Nordkorea muss keine Angst haben vor den USA? Clinton war 1993/94 kurz davor, dort anzugreifen!!!)

Ich rede von heute, nicht von damals. Den Nordkoreanern wird von ihrer Regierung genau so Angst gemacht, wie den Amerikanern und dem Westen z. B. vor Nordkorea oder vor Iran Angst gemacht wird. Das ist meine Meinung. Niemand hat dort wirklich Interesse an Krieg. Böse Stimmen sagen ja auch, dass Nordkorea bisher nur nicht angegriffen wurde, weil dort kein Erdöl zu finden ist… Aber das ist nicht meine Meinung.


"Leben ihr Leben wie Ameisen", "Roboterartige" Kinder", "erbarmungslos getrimmt", "böse Blicke". Alles klar ...

Ich schreibe hier nur, was ich gesehen habe!
Wenn ich an die starren emotionslosen Gesichter mit dem gezwungenen Lächeln im Palast der Schulkinder denke (ein Mädchen hat sogar geweint beim Spielen), dann ist das für mich roboterartig. Und wenn ich sehe, wie gut die spielen, sind die für mich erbarmungslos getrimmt (so wie auch die Chinesen ihre Kinder z. T. sehr hart trimmen um es ev. zu etwas sehr guten zu schaffen). Die machen das ja nicht freiwillig oder zum Spass. Der Palast der Schulkinder ist meiner Meinung nach nur dafür da, das die Kids nach der Schule nicht auf richtige Gedanken kommen sondern noch mehr kontrolliert werden können.

Böse Blicke gab es von den älteren Jugendlichen. Die kleinen hatten in der Tat auch Freude, winkten denn ab und zu oder lächelten, oder waren neugierig oder hatten etwas Angst. Aber je älter Schüler waren (nicht nur im Palast der Schulkinder sondern überall wo wir ihnen begegnet sind, in der Stadt, im Kriegsmuseum, im Geschenk-Museum usw.), desto starrer, skeptischer und unfreundlicher (böse ist ev. der falsche Begriff) waren ihre Gesichter.


Mir ist klar, dass nicht alle Menschen dort 100% hirngewaschen sind, aber mit den normalen Leuten kommt man nie in Kontakt. “Programmiert“ wurde ich nicht, ich mache mir bloss keine Illusionen und glaube naiv alles, was man mir gesagt oder gezeigt hat. Mehr als die Fassade wird einem dort nicht präsentiert.
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Re: Reisebericht Nordkorea

Beitragvon LadyIce70 » Mittwoch 13. Juni 2012, 22:09

@Indrid Cold: Danke für den Bericht, war sehr interessant zu lesen! :)
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Re: Reisebericht Nordkorea

Beitragvon sandsturm » Donnerstag 14. Juni 2012, 04:55

Auch von mir vielen Dank für den tollen und spannenden Bericht. Es mag sein, dass der Autor gewisse Vorurteile übernommen hat. Dies liegt aber ganz klar daran - und dies hat der Autor auch so reflektiert - dass unvoreingenommene Gespräche nicht möglich sind.

Es wäre vielleicht interessant zu lesen, welche "unvoreingenommen Gespräche" Ibra geführt hat. Doch hat er oder sie es versäumt, zu den wenigen Bildern auch einen echten Text beizufügen. Ohne sich selbst zu exponieren, ist es immer leicht, anderen etwas vorzuwerfen.

Bitte keine PN. Ich beantworte gerne jede Frage. Aber nur solche, die im Forum gepostet sind, sonsts bringt das ja nicht allesn etwas.
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Re: Reisebericht Nordkorea

Beitragvon Cathrin » Donnerstag 14. Juni 2012, 08:50

Hallo Indrid,

ich war im August 2009 selbst fuer 10 Tage in Nordkorea und habe deshalb deinen kurzen Bericht mit grossem Interesse gelesen. Viele deiner Eindruecke kann ich aus meiner Sicht bestaetigen, einige aber ueberhaupt nicht. Und an manchen Stellen uebernimmst du leider ungeprueft die westliche Propaganda.

Unmittelbar nach meiner Reise hatte ich in meinem Blog folgendes kleines Fazit gezogen:
Es war ein Versuch, dieses Land ein bischen kennen- und verstehen zu lernen. Ich gebe zu, dieser Versuch ist nicht in allen Punkten geglueckt. Viele Fragen blieben offen. Dank der ausgezeichneten Betreuung und Organisation zeigte sich uns Nord­korea von seiner besten Seite. In die Gebiete, in denen es anders aussieht, kamen wir nicht. Aber das wussten wir ja schon vor Reiseantritt. Das wirkliche Leben der normalen nordkoreanischen Buerger blieb uns ebenso verschlossen, wie wahrscheinlich auch ihre wahren Gedanken. Die Gespraeche ueber Politik blieben meist in Ansaetzen stecken. Die schlimmsten Hungerjahre aber scheinen vorbei zu sein. Trotz der vielen sehr widerspruechlichen Eindruecke hat sich die Reise aber doch gelohnt.


Den ausfuehrlichen Reiesebericht mit vielen Fotos gibt es in meinem Blog. Vielleicht hast du ja die Zeit, dort mal ein bischen zu lesen.
http://cathrinka.blog.de/tags/nordkorea-2009/

Viele Gruesse
Cathrin

PS. Der Name Kim ist kein spezieller Name fuer Jungen, sondern ganz einfach der in Korea am weitesten verbreitetste Familienname.

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Re: Reisebericht Nordkorea

Beitragvon Indrid Cold » Donnerstag 14. Juni 2012, 19:55

Hallo Cathrin

Dein Bericht ist sehr gut gemacht! Viel Geschichte und Erklärungen. Ihr habt auch viel mehr gesehen als wir in unseren fünf Tagen.

Als wir nach Kaesong gefahren sind, haben wir keine Verkaufsstände gesehen, wie du sie vom Auto aus fotografierst hast. Wir haben nur einmal bei dieser Raststätte halt gemacht. Vor dem Gebäude war ein Tisch aufgestellt mit Kaffee und Souvenirs. Von Kaesong haben wir leider von der Umgebung nicht wirklich viel gesehen, da wir dort nicht übernachtet sind (nur das Doppelhügelgrab).

An der Grenze selber haben wir – im Gegensatz zu dir – keinen einzigen südkoreanischen Soldaten oder Touristen auf der südlichen Seite gesehen. Leider Fehlanzeige. Es standen einzig und allein die nordkoreanischen Soldaten da. Als du dort warst, waren viele Touristen bei der DMZ? Wir haben dort Amerikaner und andere getroffen sowie eine gigantische Truppe chinesischer Touristen, die kurz nach uns eingetroffen ist. Aber fast jeder hat dort fotografiert (ich auch, und dann leider eine scharfe Rüge erhalten).

Warst du im Vergnügungspark, der sich unmittelbar beim Triumphbogen befindet? Unsere beiden Reiseleiterinnen haben uns ein italienisches Restaurant empfohlen und wir haben die beiden mitsamt Fahrer eingeladen, mit zu essen. Danach wollten sie uns eben diesen Park zeigen aber als wir dort ankamen, gab es irgendwelche Probleme. Stattdessen nutzte ich die Chance, mein Stativ sowie Fernauslöser raus zu packen und vom Triumphbogen ein schönes Nachtfoto zu machen. Wenn ich jetzt deine Zeilen lese, bedauere ich, dass wir den Park nicht besuchen konnten.

Hat man euch die grossen Statuen, U-Bahn, Straussenfarm, Frauenkrankenhaus usw. auch gezeigt? Filmstudios, Denkmal zur Gründung der Partei, Park usw. stand nicht auf unserem Programm.

Du sagst, dass das Ticket für das Arirang-Festival sehr teuer war. Kann man sich für unter 100 Euro schon ein Ticket leisten oder habt ihr viel mehr zahlen müssen? Oder je nach Sitz?

Haben eure Reiseleiter nie mit euch gegessen oder im Hotel noch was getrunken?

Wir hatten bei der Ausreise per Bahn mehr Glück: Ein junger Grenzbeamter hat keine einzige Kamera kontrolliert. Ev. ist man heute etwas liberaler oder vielleicht hängt die Art der Kontrolle auch einfach vom Grenzbeamten ab. Kann auch sein.


Auf jeden Fall einen tollen Bericht, den du da hast!
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Re: Reisebericht Nordkorea

Beitragvon ibra2008 » Freitag 15. Juni 2012, 12:06

Ich fand unsere Guides tatsächlich ganz „normal“ Sie haben sich an ihre Vorgaben gehalten. Ok. Der Bewegungsspielraum von Touristen ist in Nordkorea eingeschränkt, man wird stark reglementiert. Und man bekommt Propaganda zu hören. Das weiß man vorher.

Einer der beiden Guides, eine junge Frau, war eher unpolitisch, lief mit ner Prada Tasche rum. Sie fragte mich mal, ob man Nordkorea in Deutschland (da komm' ich her) tatsächlich so negativ sieht. Habe diplomatisch, aber letztlich wahrheitsgemäß geantwortet. Sie hat es richtig verstanden. Der andere (der uns leider nur an einem der Tage begleitet hat) war in der Tat hochprofessionell und „geschult – dies aber vor allem als Reiseführer. Und er war nicht nur ein 1A-Reiseführer, sondern auch eine echter Deutschland-Experte (Geschichte, Politik, Kultur, Geographie, Fußball – über alles wusste er viel, nicht weil er musste, sondern weil er einen individuellen Ehrgeiz hat, viel zu lernen und einen Top-Job zu machen). Wir alle waren von ihm beeindruckt. Die Infos, die er uns vermittelt hat, bestanden längst nicht nicht nur aus schnöden Zahlen. Mit dumpfer Propaganda hat er nicht genervt. Das wäre ihm selbst zu blöd gewesen. Mit ihm haben wir uns natürlich auch über private Dinge unterhalten. Cooler Typ jedenfalls. Und dann gab es auch bei uns noch eine „Aufpasserin“, die uns immer zurückgepfiffen hat, wenn wir uns zu weit von der Gruppe entfernt haben oder unschöne Dinge fotografieren wollten (anscheinend sind Touristen in Nordkorea häufig darauf aus, heruntergekommene Hausfassaden, ärmlich gekleidete Menschen etc. zu fotografieren – ob sie das in anderen Ländern auch so tun? Im übrigen waren wir tatsächlich in sehr armen ländlichen Gegenden unterwegs, haben also nicht nur die Schokoladenseiten des Landes sehen können). Die „Aufpasserin“ war Studentin (Anglistik), sie will durch ihre jetzige Arbeit ihre Englischkenntnisse verbessern. Ich fand sie auch sehr cool. Sie nannte mich immer ironisch „Professor“. Hintergrund: Ich hatte in meinem Visaantrag „internet professional“ als Beruf angegeben. Erst wars ein Missverständnis, nachdem ist das aufgeklärt hatte, hat sie mich ständig mit ihren „Herr Professor“ aufgezogen. Mit ihr habe ich mich wirklich echt gut verstanden. Und ich gebe ich dir absolut recht: jammerschade, dass man keinen Kontakt mehr halten kann.

Auch mit ein paar anderen „normalen“, wenngleich sicher privilegierten Nordkoreanern konnte ich mich ein wenig unterhalten (in der Hotellobby). Immerhin etwas Small Talk – und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute später verhaftet wurden. Natürlich ist die Sprachbarriere ein sehr effektiver Kontaktverhinderer. Vielleicht gibt es in Nordkorea ja prowestliche Dissidenten, die gut Englisch können. Aber die zählen ja auch nicht zur „normalen Bevölkerung“, auf die du als Gesprächspartner aus warst, oder?

By the Way: In unserer Reisegruppe waren auch nicht nur „normale“ Deutsche bzw. Österreicher. Eher im Gegenteil: Viele gehörtem dem an, was man so schön „Elite“ und „Privilegierte“ nennt. Sozialhilfeempfänger oder Niedriglohnbezieher können nicht nach Nordkorea reisen. Normalverdiener ohne akademischen Hintergrund tun es nur sehr selten. Daher vermitteln diese Reisegruppen den Nordkoreanern leider kein repräsentatives Bild der jeweiligen Herkunftsländer (sondern ein zu positives).

Alle unsere nordkoreanischen Begleiter waren zu 100% überzeugt von der Kim-Family und der Juche-Ideologie. Ok. Ob es in Nordkorea „Umerziehungslager“ gibt oder nach der nordkoreanischen Atombombe habe ich sie nicht gefragt. Schon aus Höflichkeit. Und auch sie waren höflich und haben mich nicht gefragt nach, sagen wir mal: Der Bombardierung Belgrads 1999, Frau Merkels Austeritäts-Terror gegen Griechenland oder dem Kindesmissbrauch in katholischen Erziehungsheimen. Und auch nicht danach, ob Deutschland tatsächlich in der Lage ist, innerhalb von Tagen eine Atombombe zu bauen (weil alle Komponenten dafür bereitliegen) und ob die deutsche Bundeswehr wirklich über ein solch gewaltiges Arsenal von Massenvernichtungswaffen verfügt, wie man oft hört.

Ob die jungen Akrobaten im Palast der Kinder tatsächlich so gedrillt werden, wie du vermutest? Höchstwahrscheinlich ist es so. Dass das nordkorea- oder chinaspezifisch ist, halte ich allerdings für ein Gerücht. Was mir bei Lesen solcher Dinge immer gleich einfällt: In meinem Bekanntenkreis gibt es eine Frau, die in der 80er Jahren wg. hervorragendem Talent (und überehrgeiziger Eltern) in die Fänge der deutschen Sportförderung geraten ist. Nach ihren Aussagen wurde sie schon als Kind gedopt (nein, wir reden nicht von der DDR!), natürlich aufs Schärfte gedrillt (Leistungsterror, Weinen inklusive) und hatte „keine Kindheit“. Na ja: Sie war allerdings nicht im Bereich Gymnastik oder Eiskunstlaufen aktiv (sondern in der Leichtathletik) . Daher musste sie wenigstens nicht ständig gekünstelt Lächeln. Und da sie heute nicht als Verkäuferin arbeitet, muss sie das noch immer nicht.

Wer keinen Leistungsterror für Kinder will, muss sich m. E. für die Abschaffung des Spitzensports aussprechen. Auch Privatezirkusse usw. sind ein großes Problem.

Und um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Auch ich bin natürlich für politische Veränderungen in Nordkorea. Deinen Rat, sich zuerst weiter gegenüber Ländern wie China oder Kuba zu öffnen, finde ich ok (und dies geschieht ja auch schon). Mit den USA, der EU und Japan sollte man erst dann zusammenarbeiten, wenn deren Führungen bereit sind, auf Einmischung in die inneren Angelegenheiten Nordkoreas zu verzichten (also eher nie). Denn die Koreaner sollen ihre Probleme selbst lösen, die „westliche Wertegemeinschaft“ braucht kein Mensch, ihr geht es um die Freiheit der Profitmacherei, nicht um die der Menschen. Vor allem muss sich Nordkorea natürlich von dem 50er-Jahre-Style Planungssystem verabschieden. Mehr Effektivität in der Wirtschaft, nicht um Reiche zu schaffen (wie leider auch in China), sondern z. B. um die bestehenden Sozialsysteme besser zu finanzieren.
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Re: Reisebericht Nordkorea

Beitragvon Indrid Cold » Sonntag 17. Juni 2012, 15:17

Haben eure Guides Englisch gesprochen oder deutsch?

Unsere Reiseleiterinnen sprachen Englisch.

Unsere jüngere Reiseführerin hielt sich oft stil und schwieg. Nur ab und zu führte sie uns. Sie sprach aber sehr gutes Englisch und hatte auch einen Sinn für Humor. Mit ihr konnte ich auch über Filme reden, Musiker oder über Länder, die sie gerne besuchen würde, wenn sich z. B. morgen alle Reisebeschränkungen in Luft auflösen würde. Sogar den missglückten Raketen-Start zum 100. Geburtstag im Frühling erwähnte sie kurz. Verheiratet ist sie noch nicht. Aber sie legte auch Wert auf ihr Äusseres: Immer in High-Heels, lackierte Fingernägel, Rock und Bluse, sie war eine sehr hübsche Dame.

Wir waren ihre fünfte Gruppe und man merkte ab und zu, dass sie noch nicht so geschult war im Dinge erklären, aber das war egal. Mit ihr hatten wir es gut.

Die etwas ältere Reiseführerin war besser geschult: Sie erzählte uns all die Dinge über Nordkorea, erklärte die Museen usw. Jedoch zeigte sie sich an persönlichen Dingen nicht sehr interessiert, alles wirkte bei ihr gespielt. Sie kannte sich auch mit unseren Herkunftsländern – bis eben auf die Klischees (Banken, Käse, Schweizer Armee-Messer) – nicht exzellent aus (wenn ich höre, dass euer Guide sich sehr gut über Deutschland ausgekannt hat). Sie erzählte eher Propaganda und das Verhältnis zwischen ihr und unserer Gruppe wurde nie richtig warm (am zweiten Abend wurde das sowieso zerstört als am Abend zwei unserer Gruppe mit ihr über Politik reden wollten). Ob sie uns dazu brachte, die andere Reiseführerin zum Singen zu bringen, als sie uns beibringen wollte wie man auf Koreanisch „hallo“ sagt oder anderes, alles wirkte aufgesetzt. Und je nachdem änderte sie blitzschnell ein Thema oder kam mit irgendeiner Frage, nur um vom Thema abzulenken. Ab und zu waren ihre Aussagen so auffallend gelogen, das es wirklich schon kurios anmutete. Ihr Englisch war kurioserweise weniger gut als das der jungen Reiseführerin. Das junge Mädel hat sie sogar ab und zu korrigiert.

Die fünf am meisten verwendeten Aussagen von der älteren Reiseführerin waren:
- maybe
- why not?
- This is a silly question
- Where did you hear this? This is propaganda from our enemy,…
- oder sie ignorierte die Frage/Aussage einfach, lenkte vom Thema ab

Ich habe das Gefühl, das ev. zwei unserer Reisegruppe auch nicht ganz einfach waren. Die haben mir schon am Anfang gesagt, dass sie gar nicht zuhören, weil alles nur Propaganda sei. Die sind dann lieber etwas auf Abstand geblieben und haben Fotos gemacht oder sich rumgeschaut. Finde ich gegenüber den (local) Guides nicht sehr nett. Anstand muss sein meiner Meinung nach. Dazu kamen auch noch ihre amüsanten Kommentare ab und zu, die für uns lustig waren, aber wie gesagt: die ältere der beiden Guides hatte keinen richtigen Sinn für Humor.

Trotzdem muss man sagen, dass wir die Guides doch ab und zu dazu gebracht haben, mit uns zu essen (u. a. beim Italiener). Sie wollten mit uns z. B. am Abend auch noch in den Vergnügungspark, der dann leider irgendwie geschlossen war. Aber immerhin konnte ich dann den Triumphbogen fotografieren und mir wurde das erlaubt. Sie haben auch für uns ein sehr schönes nordkoreanisches Lied gesungen und Klavier gespielt. Die beiden Frauen waren diesbezüglich top ausgebildet. Auch beim letzten Abend im Hotel haben sie das nochmals durchgeführt. Vorher gingen sie mit mir und dem anderen Touristen noch einen Spaziergang um das Hotel machen (während die anderen beiden im Hotel blieben, weil sie nicht freiwillig mit den Guides zusammen sein wollten). Dabei konnte ich auch noch mal ein paar Fotos in der Dunkelheit machen.

Natürlich haben wir Themen wie Lager, oder die Versenkung des südkoreanischen U-Bootes oder die Bombardierung der südkoreanischen Insel letztes Jahr auch nicht angesprochen, so höflich waren wir selbstverständlich auch.

Einen Aufpasser hatten wir nicht, das machte bei uns brav die ältere Reiseführerin.

Am letzten Abend war noch ein älterer Nordkoreaner bei uns, als wir mit unseren Guides einen Abschiedsabend machten. Er sprach perfekt deutsch und führte einige deutsche Touristen rum. Mit ihm konnte man wirklich gut über Dinge sprechen, er wich nie aus, sondern gab diplomatische Antworten, wenn er etwas nicht sagen wollte. Ausserdem war er ein sehr lustiger Kerl. Ich denke, mit ihm hätten wir es viel viel besser gehabt. Aber er schien auch viel mehr Erfahrung zu haben. Die deutschen sagten mir auch, das er ursprünglich hätte Diplomat werden wollten es aber nicht geschafft hat.


jammerschade, dass man keinen Kontakt mehr halten kann.

Ich habe unsere Reiseleiterin gefragt, ob es möglich ist, direkt mit KITC in Kontakt zu treten, wenn man ev. mal wieder kommen möchte ohne eine Tour bei einem Anbieter zu buchen (man müsste dann eben selber eine Tour, die Hotels usw. vorschlagen). Sie hat mir dann eine E-Mail-Adresse von ihrem Manager gegeben. Wenn du willst, kann ich dir die zukommen lassen. Die jüngere Reiseleiterin habe ich noch gebeten, mir ihre vollständigen Namen in Koreanisch und Englisch aufzuschreiben (inkl. Bedeutung der Namen), um ihnen via unserer Tour-Chefin (Korea Konsult in Schweden) einige Fotos zukommen zu lassen. Ist zwar kein richtiger Kontakt, aber immerhin.


anscheinend sind Touristen in Nordkorea häufig darauf aus, heruntergekommene Hausfassaden, ärmlich gekleidete Menschen etc. zu fotografieren

Schade! Aber ärmlich gekleidete Menschen haben wir fast nie gesehen bzw. höchstes mal während der Fahrt am Strassenrand. Aber in Pyongyang selber nicht. Ich musste einfach dreimal Fotos von Soldaten löschen.



Auch mit ein paar anderen „normalen“, wenngleich sicher privilegierten Nordkoreanern konnte ich mich ein wenig unterhalten (in der Hotellobby). Immerhin etwas Small Talk – und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute später verhaftet wurden. Natürlich ist die Sprachbarriere ein sehr effektiver Kontaktverhinderer. Vielleicht gibt es in Nordkorea ja prowestliche Dissidenten, die gut Englisch können. Aber die zählen ja auch nicht zur „normalen Bevölkerung“, auf die du als Gesprächspartner aus warst, oder?

Mit normaler Bevölkerung meinte ich, das es einfach schön wäre, wenn man mal alleine durch Pyongyang spazieren kann und ev. kann man dann mal mit jemandem versuchen zu sprechen (auch ohne Aufsicht). Wenn der Englisch kann, umso besser. Das ist auch schon alles. In der Hotellobby habe ich mit niemandem gesprochen, im Zug nach dem Verlassen Nordkoreas nur etwas, als die weinigen Nordkoreaner uns fragten, von wo wir seien und ihre Broschen entfernten. Ich denke auch nicht, dass man gleich verhaftet wird, wenn man mit Ausländern spricht. Aber es könnte zu Problemen kommen. Unser Schwede hat bei einem Stopp bei einem Restaurant (in Kaesong) hinter dem Gebäude (er sagte, er müsse aufs Klo) einen Mann gesehen und ist auf diesen zugegangen. Er wollte ihn ansprechend, wurde dann aber rein gepfiffen und die Reiseleiterin wollte exakt wissen, worüber sie gesprochen hätten. Man kann mal davon ausgehen, dass der Mann kein Englisch sprechen konnte, es kam ja gar nicht zur Diskussion. Aber es hat ausgereicht, unsere Reiseleiterin skeptisch werden zu lassen.


Wer keinen Leistungsterror für Kinder will, muss sich m. E. für die Abschaffung des Spitzensports aussprechen. Auch Privatezirkusse usw. sind ein großes Problem.

Da stimme ich dir zu. Ist natürlich nicht nur in China und Nordkorea so.


Denn die Koreaner sollen ihre Probleme selbst lösen, die „westliche Wertegemeinschaft“ braucht kein Mensch, ihr geht es um die Freiheit der Profitmacherei, nicht um die der Menschen.

Eine Frage: Denkst du, dass es je ein System geben wird, das sich echt um die Menschen kümmern möchte statt um Gewinn Einzelner, statt Profit und Geschäfte?
Ich denke, so lange Menschen existieren, werden wenige viel haben und viele werden wenig haben. Politiker/Staatsherrscher wollen Vorteile für sich und ihre Partei, nicht für alle Menschen in ihrem Land. In jedem Land, in jedem System ist dies meiner Meinung nach so. Das ist in Nordkorea zur Zeit nicht anders als in Deutschland oder den USA. In Nordkorea haben heute auch wenige viel mehr Freiheiten, mehr Geld, mehr Luxus als der Rest. Genau so wie hier in der Schweiz oder in Laos oder in Vietnam oder in Frankreich. Anderes System, selbe Situation.

Meiner Meinung nach existiert auch nicht ein einheitliche „westliche Wertegemeinschaft“. Die einzelnen Länder sind auch hier schon zu verschieden.
Aber ich bin froh, das man hier die Politiker kritisieren kann ohne Probleme zu bekommen, das ich mich im ganzen Land frei bewegen kann, ich kann reisen und muss nicht bis Ende 30 verheiratet sein, ich kann auch Ausländer heiraten wenn ich möchte, ich habe Internet zur Verfügung und viele verschiedene Medien aus denen ich verschiedene Blickwinkel zum Geschehen rund um den Globus erfahren kann. Alle Religionen und noch viel mehr Sekten können ihrer eigenen Ideologie nachgehen und wir als Bürger können mit den Initiativen direkt Entscheide fällen. Es wäre schön zu sehen, wenn die Nordkoreaner auch irgendwann in diesen Luxus kämen. Ob das jetzt eine „westliche Wertegemeinschaft“ ist oder nicht spielt für mich keine Rolle.

Aber ich stimme insofern mit dir überein, dass man dies den Menschen dort nicht aufzwingen sollte. Das ist klar.
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Re: Reisebericht Nordkorea

Beitragvon sandsturm » Mittwoch 27. Juni 2012, 04:53

Mit normaler Bevölkerung meinte ich, das es einfach schön wäre, wenn man mal alleine durch Pyongyang spazieren kann und ev. kann man dann mal mit jemandem versuchen zu sprechen.


Was passiert eigentlich, wenn man es versucht? Wie ich hier gelesen habe, wird einem das Spazierengehen nicht verboten, sondern nur abgeraten. Sowieso frage ich mich, welche Konsequenzen einen erwarten, wenn man die Regeln nicht befolgt und beispielsweise einen Soldaten fotographiert usw. Kann es passieren, dass man dann in Nordkorea verhaftet wird und bleiben muss? Oder bekommen "nur" die Aufseher Probleme?

Bitte keine PN. Ich beantworte gerne jede Frage. Aber nur solche, die im Forum gepostet sind, sonsts bringt das ja nicht allesn etwas.
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Re: Reisebericht Nordkorea

Beitragvon Indrid Cold » Donnerstag 28. Juni 2012, 20:34

Das ist eine gute Frage.

Hier kann man ein Video sehen, wie sich jemand auf der Hauptbrücke befindet. Also vom Hotel der Strasse nach dem Kino vorbei bis zur Brücke gegangen sein muss und dann darauf läuft und filmt. Anscheinend, ohne das etwas passiert wäre.

http://www.youtube.com/watch?v=IFiY8hrI6Ok

Vielleicht wird man nur angeschnauzt, wenn es die Reiseleiter merken. Vielleicht nehmen sie einen nicht mehr mit? Denke ich zwar nicht. Können sie jemanden ausweisen? Halte ich für fast übertrieben. Kamera wegnehmen (sofern man sie dabei hat)? Fotos löschen? Keine Ahnung. Ob die Reiseleiter Probleme bekommen? Vielleicht. Aber wohl nicht mehr als eine Rüge, denke ich.

Uns wurde am Ende gesagt, das wir die Pässe nicht zurück erhalten würden, wenn wir raus gehen würden (weil wir zum Spass immer gesagt haben, wir gehen nach dem Essen noch kurz raus).

Riskiert haben wir es nie. Wir waren mal auf dem Parkplatz und das haben sie anscheinend irgendwie mitbekommen. Am letzten Abend sind wir ums Hotel spaziert. Am ersten Abend ist einer von unserer Gruppe vielleicht ein paar hundert Meter die Strasse entlang bis diese nicht mehr beleuchtet war und dann wieder zurück.

Bei einer zweiten Reise würde ich wohl mal alles im Hotel lassen und auch einen Spaziergang wagen. Aber beim ersten Mal wollte ich das schon wegen der Fotos nicht.

Hier noch ein gutes Video, das Reiseführer und Reiseziele gut rüberbringt wie es so ist.
http://www.youtube.com/watch?v=MSMQrMV5vcM

Auch wenn das Video schon ein paar Jahre alt ist, steht nämlich erst eine riesige Statue beim Monument in Pyongyang. Im Video kann man u. a. sehen, wie der Reiseleiter die Leute bei der Grenze warnt, das man erschossen werden könne, wenn man sich nicht an die Regel hält.

Bei unserer Reisegruppe war man nicht so drastisch mit der Wortwahl.
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Re: Reisebericht Nordkorea

Beitragvon Indrid Cold » Sonntag 8. Juli 2012, 19:12

So, hier noch ein richtiger Reisebericht (Peking und Nordkorea) in dem steht, was wir alles gesehen haben und am Ende ein Foto-Link:



Peking und Nordkorea, Ende Mai/Anfang Juni:

Die Reise war sehr interessant.

Ich verbrachte erst fünf Tage in Peking, reiste dann für fünf Tage nach Nordkorea, dann wieder zurück nach Peking. Es war meine erste Reise ins richtige China (ich war schon in Hong Kong). Ich habe ein preiswertes Zimmer in einem Hostel gebucht, jedoch hatte ich ein Zimmer für mich allein. Meiner Meinung nach handelte es sich viel mehr um ein Guesthouse statt um ein richtiges Hostel. Frühstück war inklusive, auch die Fahrt vom Flughafen zum Hostel wurde übernommen, da ich länger als vier Nächte dort blieb.

Wenn man in Chinas Hauptstadt ankommt nimmt man als erstes wahr, das die Stadt gar nicht so speziell erscheint. Zumindest war dies mein Eindruck. Mein Flug landete sehr spät am Abend, es war dunkel. Während der Fahrt zum Hostel konnte man viele Gebäude sehen, aber es fehlte etwas der Überraschungseffekt.

Ich mag Peking sehr, aber Hong Kong – um nur ein Beispiel zu nennen – blieb mir viel besser in Erinnerung. Peking ist zu weitläufig, es fehlt ein richtiges Zentrum. Ich meine, in Hanoi in Nordvietnam oder in Vientiane in Laos weiss man, wo ungefähr sich das Stadtzentrum befindet. Man weiss, wo man hingehen sollte, wo sich viele Guesthouses befinden. Aber nicht in Peking. Viele der Sehenswürdigkeiten sind in der ganzen Stadt verteilt und wenn man sogar von einer U-Bahn-Station zur nächsten laufen möchte, nimmt das je nach dem eine Menge Zeit in Anspruch. In Hong Kong, London, Berlin oder Paris ist dies weniger der Fall.

Wenn man in Peking die Hauptstrassen verlässt und die Hutongs betritt (schmale traditionale Gassen), kann man eher sehen, wie man in China lebt, es ist interessant. Aber für mich persönlich war dies nicht so sehr neu, da ich kleine Dörfer von Vietnam, Kambodscha und Laos her kenne, die noch viel authentischer sind.

Was man sich als Reisender in Peking unbedingt anschauen sollte, ist die verbotene Stadt. Sie ist nicht nur gigantisch und wird von Scharen von Touristen durchlaufen, sondern man kann dort auch gute Fotos machen. Mit Stativ und Graufilter bekommt man tolle Fotos hin, wie sich die Touristenströme durch die Tempel bewegen. Im Norden der Stadt befindet sich ein kleiner Hügel namens Jingshan Park. Wenn man ihn empor steigt, kann man die verbotene Stadt sehen und die Grösse erahnen. Aber kurz vor Sonnenuntergang versuchen zu viele, ein gutes Foto der verbotenen Stadt zu schiessen.

In Peking findet man auch Parks und Seen. Ausserdem schön zu sehen war, wie ältere Menschen mit den Pflegern in den Parks oder auf Spielplätzen waren. Die Gruppengymnastik abends oder zu früher Morgenstunde sind ebenfalls eine Beobachtung Wert. Es kann auch mal vorkommen, dass wenn man abends einen Spielplatz passiert dort hunderte von Pärchen zu schöner Musik eng umschlungen tanzen. Eine sehr soziale Harmonie.

Natürlich dürfen auch die Betrüger nicht fehlen, die versuchen Touristen auszunehmen. Wenn man schon in Vietnam war, ist dies nicht mehr weiter der Rede wert. Die Angebote halten sich in Peking in Grenzen und man kann die Männer („willst du meine Galerie anschauen?“) und Frauen („ich möchte etwas Englisch lernen, wollen wir in ein Teehaus?“) einfach ignorieren. Meistens wird man rund um den Platz des himmlischen Friedens mit solchen Angeboten überhäuft. Übrigens: Peking ist nicht billig.

Im Olympic Green genannten Areal stehen stolz das National Station (Das Vogelnest) und auch das eindrückliche nationale Schwimmzentrum. Sowieso lockt ein Besuch des gesamten Areals durch die vielen Leute, die Stände, die Kinder, die Architektur sowie der spürbare Stolz der Chinesen. Man bezahlt neuerdings nachts keinen Eintritt mehr, kann sich auf dem Areal bewegen. Je dunkler es wird, desto cooler sieht z. B. die blaue Fassade des Schwimmzentrums aus. Wenn man dort abends mit Stativ Fotos dieser Gebäude macht, weckt man schon mal das Interesse von Einheimischen, die dann sehen wollen, was man fotografiert hat. Auch kann es in Peking passieren, dass Menschen – ob einzelne oder Paare – Fotos mit einem machen wollen. Sie machen die Fotos mit ihren eigenen Kameras und sie meinen es wirklich ernst. Es ist kein Beschiss. Man hat mir schon vor der Reise davon erzählt und es passierte mehrmals. In der verbotenen Stadt, auf dem Platz des himmlischen Friedens oder auf dem Olympiagelände. Als ich nachts Fotos des Tors des himmlischen Friedens schoss (dort wo das grosse Porträt von Mao hängt), bemerkte ich plötzlich, dass auch ich von einigen abgelichtet wurde. Das ist eine lustige Erfahrung, macht man als Reisender eigentlich Fotos von den Einheimischen.

Es lohnt sich auch, die Stadt mal zu verlassen. Schon nur wegen der Luftverschmutzung. Als weniger bekanntes Beispiel kann ich hier das traditionale drei Stunden entfernte Dorf Chuandixia empfehlen. Ich rate jedem, sehr früh aufzubrechen. Wer das nicht tut, sollte dort eine spontane Übernachtung einplanen (alle Familien des Dorfes bieten Plätze an). So kann man sich im Dorf mehr Zeit nehmen, auch die Umgebung anzuschauen, denn das Dorf selber ist nicht so gross wie man vielleicht erwartet. Als ich dort war, regnete es und ich blieb verhältnismässig kurz, wenn man die ungefähren sechs Stunden Hin- und Rückweg betrachtet.

Natürlich darf ein Besuch der grossen Chinesischen Mauer nicht fehlen. Zwar sind alle Teile, die man meistens ansteuert, restauriert, aber wenn stört das schon. In Huanghua, drei Stunden von Peking entfernt, hat man die Mauer für sich. Wer eine nähere Stelle besucht, sieht kaum die Mauer, weil sich so viele Touristen darauf befinden. Mein Hostel (das DOWNTOWN BACKPACKERS) bietet Übernachtungen auf der Mauer an. Wir waren zu sechst und so hielt sich auch der Preis in Grenzen, und es hat schon was, auf der Mauer zu übernachten. Auch zum Fotografieren, kurz vor Sonnenuntergang oder auch nachts, ist es das Geld wert.

Mehrere Peking-Kenner haben mir das Li Qun roast duck restaurant empfohlen. Nicht nur, weil es angeblich die beste Peking-Ente anbietet, sondern auch aus anderen Gründen: Ein ehemaliger Starkoch ging zurück in sein kleines Hutong und eröffnete in einem kleinen traditionellen Haus sein Restaurant. Der Erfolg kann sich anhand all der Fotos prominenter Gäste, die im Restaurant aufgehängt sind, sehen lassen. Auch das ganze Ambiente ist klasse. Wer am Abend gehen möchte, sollte dringend reservieren. Warten muss man dann trotzdem etwas. Aber dafür stehen in der Gasse vor dem Eingang Stühle bereit. Man findet es im Hutong auch sehr einfach, da man den Enten-Zeichnungen folgen kann. Das Essen ist für eine Person zwischen 20 und 30 Franken nicht billig, aber in anderen besseren Restaurants zahlt man dasselbe für Ente. Aber ohne dieselbe gelungene Atmosphäre und das Drumherum.

Ein Besuch des Platz des himmlischen Friedens (besser bekannt als Tian’anmen-Platz) oder des südlich davon gelegenen Nationaltheater (sieht aus wie ein grosses UFO) kann ich auch empfehlen. In der Umgebung des Tian’anmen-Platzes wurden 1989 die Studentendemonstrationen blutig aufgelöst. Nachts ist der Platz gesperrt. Südlich des Platzes befindet sich die Beijing Planning Exhibition Hall. Ein gigantisches Model der ganzen Stadt kann dort besichtig werden.

Der Himmelstempel in Peking sowie der neue Sommerpalast sind – ähnlich wie die verbotene Stadt – ebenfalls für Tagesausflüge zu empfehlen. Der neue Sommerplast ist schier gross, der Himmelstempel lädt mit vielen Wiesen und der Parkanlage auch zum Ausruhen ein. Sanlitun Village wird allen gefallen, die auf moderne Zentren mit Shops, Cafes, Restaurants, Kinos und Bars stehen. Leider hat sich auch die schlechte Seite vom Vergnügen in Form unseriöser Angebote auf der Strasse dort entfaltet. In der Nähe befinden sich die Botschaftsquartiere.



Nach fünf Tagen verliess ich Peking mit Kyoro Air, der nordkoreanischen Fluggesellschaft, die nicht in die EU fliegen darf. Schon am Flughafen war ich überrascht, da es sich fast um die Hälfte der Leute im Flieger nicht um Nordkoreaner handelte, sondern um Ausländer: Deutsche, Amerikaner sowie viele weitere. Nordkoreaner erkennt man daran, dass sie Broschen mit den Porträts von Kim Il Sung sowie Kim Jong Il tragen.

Ich habe eine Tour gebucht, weil man ohne gar nicht ins Land gelassen wird. Wir waren zu viert: ein Norweger, ein Schwede, eine Frau aus Litauen sowie ich. Es war eine gesellige Gruppe und man verlor nicht viel Zeit um für andere warten zu müssen. Andererseits konnten uns unsere Reiseleiter besser im Auge behalten. Denn nachdem wir nach der Einreise Pässe sowie Mobiltelefone abgegeben haben, trafen wir auch schon unsere beiden Reiseleiter: Es handelte sich um zwei junge Damen.

Ich war doch etwas überrascht. Eine von ihnen war sehr jung, gerade mal 23, die andere 31. Die ältere gab den Ton an, erzählte mehr von Propaganda, sie spielte nur eine Rolle, wirkte künstlich. Sogar wenn man über persönliche oder alltägliche Sachen reden wollte. Sie zeigte nicht grosses Interesse. Auch ihr Englisch war nicht so gut. Die jüngere Frau – wir waren erst ihre fünfte Reisegruppe – war neu im Business. Sie sprach ein sehr gutes Englisch, ist Tom Cruise-Fan und war sehr modern angezogen (immer in High Heels). Sie waren beide sehr modern angezogen, nutzen ihre Mobiltelefone, aber einen Sinn für Humor hatte nur die jüngere Reiseleiterin. Beide schienen sehr gebildet, konnten gut Klavier spielen und singen. Es ist traurig, können sie Nordkorea weder verlassen noch mit Touristen in Kontakt bleiben. Ich denke, dass die jüngere Reiseleiterin in einigen Jahren genau so sein wird wie die ältere: Ein bad cop statt ein good cop.

In Nordkorea bemerkt man etwas sehr schnell: Viel Zeit hat man nicht. Man ist in ständiger Eile. Man stoppt mit dem Auto, man steigt aus, dann sollte man zusammenbleiben und die Erklärungen anhören. Danach möchten die Reiseleiter immer sofort weiter. Man hat also nicht viel Zeit um Fotos zu schiessen. Danach geht es schon zum nächsten Ort. Entgegen Texten, die ich im Internet gelesen habe, war zum Glück das Fotografieren während der Fahrt nicht verboten. Abends erreicht man das Hotel, nach dem Duschen ist das Abendessen angesagt und danach ist es schon spät und dunkel. Dann kann man sich noch ein paar Stunden mit Drinks, Spass und Erzählungen vergnügen. Oder im Hotel eigenen Casino, Schwimmbad, Bowling-Bahn, in den zahlreichen Bars, Restaurants oder beim Frisör (haben wir alles nicht genutzt). Oder man schaut sich BBC im Hotel-Zimmer an. Langweilig wird es einem auf jeden Fall nicht. Die Zeit, in der man alleine ist, ist sowieso auf ein Minimum begrenzt. Von daher hat man gar nicht viel Zeit zu versuchen, das Hotel zu verlassen. Wir haben das Hotel nie verlassen, da uns mehr als einmal empfohlen wurde (nie verboten), nachts nicht aus dem Hotel zu gehen. Es sei zu dunkel und die Leute sprächen kein Englisch. Am letzten Abend hiess es, dass man uns die Pässe nicht zurückgeben würde, wenn wir das Hotel verlassen würden.

Das Essen war gut. Nicht schlecht, aber auch nicht atemberaubend. Das Fleisch war nicht der Renner. Mit Ausnahme dem Straussen-Fleisch: Im Norden Pjöngjangs existiert tatsächlich eine eigene Straussenfarm. Es war zwar ein Abendessen in einem Restaurant vorgesehen, aber wir nahmen das Angebot, für fünf Euro ein Kilo Straussenfleisch zu probieren, gerne an. Wir waren die ersten Gäste in diesem neuen Restaurant und es war vorzüglich. Nur die Peking-Ente war besser, sonst war dies in zwei Wochen Ferien eine der besten Mahlzeiten. Wir haben den Reiseleitern gesagt, dass sie mit allen Touristen in dieses Restaurant gehen sollten. Am zweiten Abend assen wir nicht nach Plan im Hotel, sondern in Pjöngjang in einem von zwei italienschen Restaurants (wir luden die Reiseleiter und den Fahrer ein). Die Pizza war sehr gut, aber man muss aufpassen, denn viele Pizza-Sorten werden ohne Käse gemacht. Solche Abendessen waren immer toll, konnte man Nordkoreas Hauptstadt auch mal in der Nacht sehen. Leider war der Vergnügungspark dann irgendwie geschlossen und so mussten wir nach dem Essen wieder ins Hotel. Aber wenigstens hat der Stopp ausgereicht, um vom Triumphbogen bei Nacht ein Stativ-Foto zu machen. Einem anderen Hotel ist auch Pjöngjangs einziges Fastfood-Restaurant angeschlossen. Aber wir nehmen an, nur besser gestellte Nordkoreaner gehen dort essen. Von aussen wirken die Restaurants nicht viel anders als Geschäfte oder Wohnungen.

Neben dem Triumphbogen, der natürlich grösser ist als in Paris, besuchten wir Kaesong. Kaesong befindet sich in der Nähe der demilitarisierten Zone an Südkoreas Grenze. Um dort hin zu gelangen nimmt man ungefähr drei Stunden Autofahrt auf fast leeren Autobahnen in Kauf. Kaesong war die Hauptstadt des Koreanischen Königreiches und wurde während dem Korea-Krieg nicht bombardiert, da es vor dem Krieg zum Süden gehörte. Hier wird dem Touristen daher die noch intakte Altstadt gezeigt. Von einem Hügel aus, aber ein Besuch der Altstadt stand nicht auf dem Programm. Ich fand es komisch, das wir danach schon gehen sollten, obschon zuoberst auf dem Hügel eine Statue von Kim Il Sung steht und fragte, ob wir hoch gehen dürfen, um ein Foto machen zu können. Wir gingen dann tatsächlich hoch, aber nicht wegen der Fotos, sondern um ihm die Ehre zu erweisen. Eine Verbeugung gehört dazu. Fotos gab es dann auch, aber man darf nur die ganze Statue fotografieren.

Direkt an der Grenze konnten wir die nordkoreanischen Soldaten sehen, leider keine vom Süden. Das war schade, hätte es der Szene einen ganz speziellen Charakter gegeben (Feind gegenüber Feind). Aber es war doch sehr interessant. Auch weil gleichzeitig zwei amerikanische Touristen dort waren. Auf dem Rückweg wurde ich von unserer älterer Reiseleiterin gerügt, weil ich zu nahe an die Soldaten bin um Fotos zu machen bzw. den Zoom gebraucht habe und die Soldaten nicht vorher um Erlaubnis bat. Zum Glück musste ich keine Fotos löschen. Mit einer Spiegelreflexkamera fällt man den wachsamen Augen der Reiseleiter sehr viel mehr auf, als mit einer kleinen Kompaktkamera.

Nördlich von Pjöngjang im Myohyang-Gebirge besuchten wir ebenfalls einen interessanten Ort. Eine Ausstellung, in der alle Geschenke, die die Führer Nordkoreas erhalten haben, aufbewahrt und ausgestellt werden (die internationale Freundschaftsausstellung). Ob von Staatsgästen, Diplomaten, Institutionen oder Privatpersonen, alles wird ausgestellt. Was hier in der Eidgenossenschaft im Bundeshaus in irgendeiner Abstellkammer landet, wird in Nordkorea stolz präsentiert. So finden sich auch zahlreiche Geschenke des Schweizer Ablegers des Korea Komitees sowie einige Uhren einiger welscher Uhr-Herstellern mit eingravierten Namen. Sowie ein Geschenk eines sich bekennenden Schweizer Sozialisten (den Namen habe ich mir weder notiert noch eingeprägt). Ein digitaler Zähler zeigt die Anzahl Geschenke (Kim Il Sung ca. 100'000, Kim Jong Il ca. nur 40'000, Kim Jong Un einige wenige, darunter ein iPad), eine Landkarte zeigt, von welchem Land bereits Geschenke übergeben wurden. Leider mussten wir unsere Kameras abgeben. Neben grandiosen Geschenken anderer kommunistischer Länder (schusssichere Limousinen, ganze Eisenbahnwagons usw.) findet man auch viel Ulkiges und Ramsch.

In Nordkorea könnte man schöne Touren in die Natur unternehmen. Wir besuchten unter anderem auch im Süden des Landes das Hügelgrab von Kongmin, dem 31. König der Koryo-Dynastie sowie im Norden einen buddhistischen Vorzeigetempel, den Pohyon-Tempel. Für beide Orte verlässt man Stadtzentren und sieht viele Felder, Hügel, Wiesen. Das Land hätte viel zu bieten.

In Pjöngjang selber wurde uns viel gezeigt: Das Wiedervereinigungsdenkmal (man hat schon mal vorgesorgt), der Turm der Juche-Idee (mit einer grandiosen Aussicht über die Stadt), das von den Amerikanern erbeutete Kriegsschiff, die USS Pueblo (inkl. Propaganda-Film) und das Kriegsmuseum (inkl. Propaganda-Film). Beim Monument zur Gründung der Partei der Arbeit Koreas konnte man neben dem Hammer (Handwerker) und der Sichel (Bauern) auch noch einen Pinsel sehen, um auch die Intellektuellen zu ehren (jedenfalls theoretisch).

Ein Besuch im Palast der Schulkinder durfte nicht fehlen. Hier werden Kinder getrimmt. Das passiert in anderen Ländern auch, keine Frage. Nach der Schule lernen Kinder hier unter anderem Sachen wie singen, musizieren, schreiben, tanzen, turnen, schiessen. Es war erstaunlich, wie gut die Jungs und Mädels ihre Instrumente, ihre Stimmen und ihre Fähigkeiten im Griff hatten. Die Gesichter der Kinder waren nicht traurig, nein, sondern einfach konzentriert. Jedes Lächeln echt und authentisch….

Interessant fand ich auch den Besuch im Frauenspital. Hier hat man auch viel gelernt. Es wird, so oft es geht, natürlich entbunden. Der Kaiserschnitt wird wirklich nur angewandt, wenn es nicht anders geht (und in Europa kommt es in Mode, den Kaiserschnitt auch anzuwenden, wenn es eigentlich gar nicht nötig wäre). Männer dürfen bei der Geburt nicht anwesend sein (wegen der Bakterien). Eltern haben nach der Geburt ca. hundert Tage Zeit, sich einen Namen auszudenken. Dabei reden die Schwiegereltern oft auch mit. Der Name des Vaters bleibt, dazu kommt oft ein Name, der eine Bedeutung hat (falls diese Bedeutung später nicht zum Charakter des Kindes passt, macht das nichts). Das Kind könnte den Namen später ändern, falls es nicht zufrieden ist. Normalerweise gebärt die Frau erst nach einer Heirat, meistens ist er ein paar Jahre älter um die 30, sie 27. Homosexuelle Ehen sind nicht zugelassen. Übrigens wurden alle zehn Schritte zum erfolgreichen Stillen durchgesetzt. Das entsprechende Schild hängt in der Eingangshalle in der Nähe eines riesigen Gemäldes das Kim Il Sung sowie dessen Sohn zeigt.

Gefreut habe ich mich auf das U-Bahn-Fahren. In Pjöngjang existieren zwei Linien mit je ca. acht Stationen. Wir stiegen bei der Chollima-Linie in den Untergrund. Die Endstation Puhung war sehr schön anzusehen. Viele Menschen gingen ein und aus und die U-Bahnen (laut dem Internet angeblich aus der DDR) fuhren fleissig. Wir fuhren leider nur bis zur nächsten Station, der genau so schön aussehenden Station Yonggwang. Es wäre toll gewesen, alle Stationen einer Linie abzufahren.

Beim Mansu-Hügel in Pjöngjang befindet sich denn auch eines der meist geachteten Denkmäler: Die zwei gigantischen Bronze-Statuen der Führer Nordkoreas sowie entsprechende Denkmäler links und rechts davon. Wir legten Blumen nieder, verbeugten uns und machten dann hastig einige Bilder, ohne etwas von den Statuen abzuschneiden. Das Mausoleum, in dem Kim Il Sung liegt, durften wir nicht sehen, weil dieses umgebaut wird. Seit Kim Jong Il letzten Dezember starb, muss das Mausoleum neu Platz für zwei Glassärge bieten.

Während der 24-stündigen Zugfahrt von Pjöngjang nach Peking sah man vieles, aber nichts Spezielles. Es hätte auch eine Zugfahrt in Thailand, Vietnam oder Laos sein können. Schöne Natur, viele Reisfelder, kleine Dörfer. Diese Art der Ausreise wird Amerikanern zur Zeit noch verwehrt. Fotokameras sowie Netbooks wurden bei der Ausreise nicht kontrolliert.

Eine Reise nach Nordkorea war eine gute Erfahrung und ich bin sicher, dass ich eines Tages nochmals gehen werde. Nicht weil ich die Regierung oder die Menschenrechtslage gut heisse, sondern um Geschichte live zu erleben, vielleicht kleine Veränderungen zu erkennen.
Ich kann allen, die nach Nordkorea reisen möchten den Tipp geben, die nordkoreanische Reiseagentur KITC direkt zu kontaktieren mit einem eigenen erarbeiteten Vorschlag (Route). Dabei muss man halt auch die Flüge, Zugfahrten und Hotels selber auswählen. Ob dann alles vom KITC so akzeptiert wird, wird sich zeigen. Auf jeden Fall ergeben sich dabei aber zwei Vorteile: 1. Man kann seine Reise so planen, dass sie auf die eigenen Interessen zugeschnitten ist. 2. Ist dies wahrscheinlich viel billiger als über ein spezialisiertes Reisebüro (die arbeiten nämlich auch nur mit KITC zusammen).

Ich würde für eine nächste Reise z. B. in Pjöngjang das Zürich-Tram sehen wollen, oder im Osten an den Stränden einige Tage ausruhen und lange ausschlafen. Ich würde fragen, ob ich im Myohyang-Gebirge übernachten und etwas wandern könnte. Man könnte gute Wasserfall-Fotos machen. In Pjöngjang könnte man das DEZA-Büro der Schweiz besuchen und schauen, wie dort gearbeitet wird, man könnte vorgängig anfragen, ob man nachts die nordkoreanischen Denkmäler und Monumente mit Stativ fotografieren könnte. Man könnte ev. die Schweizer Delegation zwischen Nord- und Südkorea treffen. Oder sich einen Film im Kino anschauen.

Fotos:
http://iljajenzer.ch/permanent/2012_Bei ... _DPRK.html
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Re: Reisebericht Nordkorea

Beitragvon Cathrin » Montag 9. Juli 2012, 08:50

Ich hatte sicher den Vorteil, dass ich zusammen mit meiner Freundin eine Privatreisegruppe war. Daher waren wir wohl ein bischen flexibler als eine groessere Gruppe. Wir hatten auch extra als Unterkunft in Pyongyang das Hotel Koryo gewaehlt und nicht das Yanggakdo auf der Insel. Das geschah vor allem in der Hoffnung, wegen unseres asiatischen Aussehens doch ab und zu mal aus dem Hotel "entwischen" zu koennen. Leider erwies es sich dann doch als unmoeglich, ohne unsere Aufpasser an den Tuerstehern vorbeizukommen.

Im Verlauf der Reise gelang es uns aber zweimal, vom Plan etwas abzuweichen. Einmal konnten wir die Reiseleiter zu einem kleinen Spaziergang zu ueberreden. Dabei konnten wir sogar kurz ein Lebensmittelgeschaeft fuer die normale Bevoelkerung betreten und sogar schnell ein paar Fotos schiessen. Bei der Besichtigung der U-Bahn wurde uns dann noch einem laengerem Palaver erlaubt, nicht nur die uebliche Fahrt zwischen den beiden Vorzeigebahnhoefen zu machen, sondern bis zur Endstation mitzufahren. Die meisten der Stationen hatten nur eine schwache Notbeleuchtung und es wurde sehr eifrig darauf geachtet, dass wir dort nicht fotografieren.

Viele Gruesse
Cathrin

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