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Grenzübergänge
BeitragVerfasst am: So 24. Okt. 2004; 21:22 Antworten mit Zitat
yan
Gast




Hat jemand interessante Geschichten über Grenzübergänge?

Ich fange mal mit Erlian/Ereen hot - Dsamin Uud (China - Mongolei) an:


2002:

Ereen merkt man die Lage in der Gobi deutlich an: Eine Stadt voller Staub, vorherrschende Farbe ist rotbraun. Unser Taxi aus Hohhot setzt uns am Bahnhof ab, sofort werden wir von ein paar anwesenden Minibusfahrern angesprochen, ob wir über die Grenze wollen. Müde von der Autofahrt und der Zeitverschiebung, hungrig und im Bewußtsein, daß der Grenzübergang ungefähr 17.00 dicht macht und es schon kurz vor 16.00 Uhr ist, sagen wir ja - für 150 Yuan pro Person (daran, daß man in China höchstens bei 25% des angesagten Preises mit Handeln anfangen sollte, denken wir gerade nicht). Die Chinesen laden unser Gepäck und uns in den Minibus, telefonieren mit einem Handy, vor der Stadt hält der Bus an und wartet. Nach ein paar Minuten hält ein anderer Minibus (ebenfalls aus der Inneren Mongolei) an, wir geben den Chinesen das Geld, sie geben einen Teil an den Fahrer weiter (sie halten ihm unser Geld hin, halten aber 200 Yuan für sich selber fest - am Ende bleiben ihnen doch 'nur' 100). Dann schnell das Gepäck verladen und zwischen den acht Mongolen (ein paar sind zum Glück Kinder) auf Vordersitzen + einer Sitzbank Platz finden. Die Frau neben der Eingangstür hat scheinbar das chinesische Essen nicht ganz verkraftet.
Der chinesische Kontrollpunkt besteht aus zwei kleinen Kontrollhäuschen auf den beiden Seiten der (ziemlich staubigen) Straße und einer Schranke, davor eine lange Schlange mongolische UAZ-Jeeps und chinesische (innermongolische) Minibusse. Unser Fahrer geht vor und kommt mit einem chinesischen Grenzer zurück, der uns an der Schlange vorbeiwinkt (unsere 200 Yuan Fahrgeld dürften sich jetzt also etwas verringert haben), wir müssen für die Passkontrolle aussteigen. Zusammen mit dem Pass abzugeben sind
a) die blaue chinesische Ausreisekarte, ausgefüllt
b) wenn man kein Europäer ist, außerdem offenbar noch ein kleiner chenischer Geldschein (2-5 Yuan),
überraschend ist für mich die Selbstverständlichkeit, mit der die Scheine durchs Fenster gereicht werden (eine Hand der Ausweis, in der anderen der Geldschein).
Vor der mongolischen Kontrollstelle müssen wir unsere Namen zu den Namen der anderen Passagiere auf einen Zettel schreiben. Der mongolische Kontrollpunkt besteht aus einem kleinen Abfertigungsgebäude, in dem dann die Passagiere der Fahrzeuge nacheinander aufgerufen werden. Das geht relativ schnell, allerdings sitzen wir danach noch eine Stunde im freien, bis die Zollkontrolle Zeit für uns hat. Wir müssen unsere Gepäckstücke identifizieren, und eine freundliche englischsprachige Zollbeamtin erklärt uns, wie wir die Zolldeklaration auszufüllen haben. Die Fahrt zum Bahnhof in Dsamin - Uud dauert noch ein paar Minuten.

Rückfahrt:

Zurück mit der Bahn, also etwas unkomplizierter. In Dsamin-Uud stellt eine Frau ihren Koffer auf Anraten des Schaffners in unser nur zu drei vierteln belegtes Abteil, dann setzt der Schaffner eine andere Frau auf den noch freien Platz. Die Zollbeamtin will natürlich in den Koffer kucken, aber nachdem wir ihr klarmachen, daß die Besitzerin nicht in unserem Abteil sitzt, ist sie auch mit dem Rucksack meines Kumpels zufrieden.


2004:

Wir kommen morgens mit dem Schlafbus aus Beijing an. Mir fallen zuerst die vielen verschiedenen Straßenlaternenmodelle auf, alle offenbar ziemlich neu. Die Stadt siehtr relativ sauber aus, deswegen vermute ich, wir müssen bis Ereen noch ein Stück fahren. Aber der Bus hält in einem Grundstück an, wir sind schon da. Die örtlichen Taxifahrer warten schon am Busbahnhof, uns wird angeboten, für 60 Yuan pro Nase sofort rüberzufahren. Wir willigen ein, verladen unser Gepäck, aber natürlich ird doch noch gewartet, bis im Jeep sieben Passagiere plus Gepäck mitfahren. Ein paar Passagiere wollen noch auf den Markt, deshalb noch ein Zwischenstopp in der Stadt. Wir gehen in der Zeit DVDs shoppen. Die Stadt muß in den letzten Jahren viel Geld verdient haben, scheinbar hatte die Stadtverwaltung sogar Geld, einen bewässerten Stadtpark anzulegen! Dafür kontrolliert die Polizei jetzt offenbar, daß in den Autos nicht mehr Leute sitzen, als Plätze da sind, und drei Passagiere müssen ein Stückchen (bis um die nächste Ecke) laufen. Um weiteren Kontrollen zu entgehen, fährt der Fahrer einen Schleichweg durchs Gelände.
Die größte Überraschung ist aber der chinesische Kontrollpunkt: Über die Straße spannt sich ein Regenbogen aus Stahlbeton, eine klimatisierte und computerisierte Halle ist gebaut worden, alles blitzsauber. Die Abfertigung geht sehr schnell, aber der Fahrer treibt weiter zur Eile. Am mongolischen Checkpoint übersetzt meine Freundin ein kleines Gespräch: Der Grenzsoldat wünscht sich eine Sonnenbrille, der Fahrer fragt, ob runde oder eckige Gläser. Die Gebäude sind noch die gleichen wie vor zwei Jahren, aber man braucht keine Zollerklärung mehr auszufüllen. Auch lange zu warten brauchen wir nicht, dafür müssen hinter dem Ausgang wieder ein drei Leute aussteigen und den Weg zum Bahnhof im Laufschritt zurücklegen.

Rückfahrt:

Diesmal mit dem Taxi auch zurück über die Grenze. Am Bahnhofsvorplatz in Dsamin - Uud warten die Fahrer ebenfalls schon auf Kundschaft. Wir einigen uns auf 50 Yuan pro Nase, werden dann mit einem ziemlich alten Gebrauchtwagen zu einem Minibus chauffiert, der schon an der Schlange vor dem mongolischen Kontrollpunkt wartet. Schlange ist natürlich (wie fast immer in der Mongolei, und auch China) das falsche Wort, die Fahrer kämpfen um jeden Zentimeter, werden aber vor dem Kontrollpunkt von Nagelbrettern über der ganzen Breite der Straße im Zaum gehalten. In jedem der koreanischen oder chinesischen(?) Minibusse sitzen ca. 16 Leute; zwei bis drei vorne, ungefähr drei auf der Konsole zwischen Vordersitzen und der nach hinten kuckenden mittleren ('ersten') Bank, jeweils fünf auf den zwei Stitzbänken und noch einer oder zwei im Gepäckraum.
Unser Fahrer kennt einen der Grenzsoldaten, deshalb wird für uns schnell das Nagelbrett auf der Gegenfahrbahn zur Seite gezogen, und wir können in den Kontrollpunkt einfahren. Zur Passkontrolle müssen wieder alle Passagiere aussteigen, diesmal mit Gepäck, der Fahrer ruft uns noch "schnell, schnell" und "alle zusammenbleiben" hinterher. Die eigentlich Kontrolle geht relativ schnell, ich mache mir ein paar Sorgen, als ich ein Zolldeklarationsformular in die Hand gedrückt bekomme (verdammt, braucht man die Teile doch noch?), aber unnötigerweise. Der Fahrer setzt uns vor der chinesischen Abfertigungshalle ab, wir bekommen erst das Quarantäneformular, danach müssen wir noch bei einem Beamten fast darum betteln, zwei gelbe chinesische Einreisekarten für 5 Yuan pro Stück kaufen zu dürfen, und dann ist es (bis auf die eigentlich Passkontrolle, die aber auch nicht lange dauert) geschafft.

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