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Altstadt in Ulan Bator?
BeitragVerfasst am: Do 22. März. 2007; 00:52 Antworten mit Zitat
curixmann
Pauschaltourist
Anmeldungsdatum: 22.03.2007
Beiträge: 1




Hallo zusammen!

Wie ich in verschiedenen Reiseführern gelesen habe, ist Ulan Bator recht modern - und es wurde ziemlich viel erneuert. Gibt es überhaupt noch etwas grössere Altstadtviertel in UB? Und, im Gegensatz dazu - gibt es auch solche übertriebenen neuen Hochhauswohnungsviertel wie wir sie aus China kennen? Würde mich mal interessieren, was mich im nächsten Sommer dort erwartet...

Vielen Dank für Eure Antworten
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BeitragVerfasst am: Do 22. März. 2007; 18:02 Antworten mit Zitat
bine
Yetijäger
Anmeldungsdatum: 16.11.2004
Beiträge: 113
Wohnort: Basel unterwegs




Ich war vor etwa 3 jahren in ulan Bator und war mega enttäuscht. OK, ich gebs zu, hatte ganz falsche vorstellungen. Es gibt einen riesigen Platz von ein paar prunkvollen Bauten umgeben. Ich denke mal das sollte die Altstadt sein. Ansonsten gibts es eine lange Hauptstrasse, wobei sich das Touristenzentrum dort auf etwa 200m abspielt. Bars, Restaurants mit viel Western-food.

Wenn du dir die Mühe machst ein bisschen aus der Stadt herauszulaufen, findest du viele Plattenbauten à la Russland, gleich daneben auch die Slums mit den traditionellen Zelten.

Übrigens sind die Mongolen sehr wanderfreudig und bauen dann wieder anderswo eine neue Hauptstadt. Auch UB wird eines Tages dieses Schicksal drohen, denn bald gibt es kein platz mehr um zu bauen.

Nimm dir doch die Zeit und fahr ein bisschen im Land herum. Der Tereljienationalpark befindet sich nur etwa 70km ausserhalb der Stadt.

Bei Interesse kann ich dir sonst noch ein paar Fotos schicken

bine
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BeitragVerfasst am: Do 22. März. 2007; 20:11 Antworten mit Zitat
Monrise
Traveller
Anmeldungsdatum: 11.02.2007
Beiträge: 65
Wohnort: Ulaanbaatar/Lichtenau




Gleich vornweg, eine Altstadt gibt es in UB natürlich nicht, denn die Stadt hatte vor etwa 100 Jahren nur ein paar Tausend Einwohner und abgesehen von kleineren Klostergebäuden gab es nur Hütten und Jurten.
Aber im Gegensatz zur Vorrednerin würde ich die Stadt anders beschreiben, sie ist natürlich nichts für Sozialromantiker, sie ist aber voller Leben und dynamisch, was zuerst auffällt, ist die junge Stadtbevölkerung, im Gegensatz zu Europa oder auch China sieht man hier hauptsächlich junge Leute und man sieht sie nicht nur im Stadtbild, sondern sie bestimmen auch das wirtschaftliche und politische Leben. Politiker und Wirschaftsbosse sind hier kaum älter als 45 Jahre, das spürt man auch überall. Jede Woche finden im Sommer auf dem zentralen Platz im Zentrum Rockkonzerte statt, in den Biergärten ist jede Nacht Party und die Clubszene ist ziemlich schrill.

Ein zweites Markenzeichen ist die Planlosigkeit der Stadt, man hat das Gefühl, jeder baut und tut was er denkt, da entsteht teilweise ein architektonisches und funktionales Sammelsurium, wie man es so nirgendwo zu sehen bekommt, sicher nicht ideal für die Bewohner, aber unglaublich interessant für den interessierten Besucher und bei alledem muss man bedenken, dass sich die Einwohnerzahl in den letzen zwanzig Jahren verdoppelt hat.
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BeitragVerfasst am: So 25. März. 2007; 12:55 Antworten mit Zitat
Pantitlan
Site Admin
Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 4423
Wohnort: Beijing (Basel)




Zitat:
und abgesehen von kleineren Klostergebäuden gab es nur Hütten und Jurten.


Dass Jurten nach hundert Jahren nicht mehr stehen ist mir klar. Aber sind auch alle diese alten Hütten verschwunden? Naja, ich muss sagen, mich hat die Frage auch ein bisschen überrascht. Eine Altstadt hätte ich jetzt in der Mongolei auch nicht unbedingt erwartet.

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BeitragVerfasst am: So 25. März. 2007; 20:48 Antworten mit Zitat
Monrise
Traveller
Anmeldungsdatum: 11.02.2007
Beiträge: 65
Wohnort: Ulaanbaatar/Lichtenau




Die alten Hütten und eingeschossigen Lehmhäuser, hauptsächlich der Chinesen, sind alle abgerissen worden. Wie schon gesagt, die Stadt war bis in die 30 er Jahre ja wirklich ein kleines Nest, auch was die Ausdehnung betraf.
Es wurden dann nach einem geplanten Stadtgrungriss Häuser mit 4 und 5 Geschossen gebaut und bereits nach wenigen Jahren hatte man mit den mehrgeschossigen Gebäuden einen größere Flächenausdehnung erreicht, als die Hüttensiedlung jemals hatte. Die "schönsten" Gebäude etwa ein dutzend, abgesehen von den erwähnten Klostergebäuden, waren typische kleine sibirische Holzhäuser, die sind sogar stehen geblieben, man kann eingige davon heute noch sehen, wenn man die sich mal anschaut und dann und bedenkt, dass die um 1920 die modernsten Gebäude der "Stadt" waren, gewinnt man ein bischen eine Vorstellung davon, was Urga, wie es damals genannt wurde, eigentlich war.
In einer Zeit, in der in Europa schon U-Bahnen fuhren hatte diese "Hauptstadt" keine Gebäude, die über eine Wasserversorgung geschweige denn Abwasserentsorgung verfügten, es gab keine befestigten Straßen und ein Minielektrizitätswerk an dem nur ein paar spezielle Kunden, hauptsächlich russische Kaufleute, hingen.
Deutlich wird auch die Situation, wenn man sich mal den sogennanten Sommerpalast des damaligen Herrschers ansieht, es gibt da zwar ein paar
architektonische schöne Gebäude im chinesischen Stil, gewohnt hat er aber vor allem im Winter in einem windschiefen zweistöckigen Gebäude.
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BeitragVerfasst am: So 25. März. 2007; 21:00 Antworten mit Zitat
Monrise
Traveller
Anmeldungsdatum: 11.02.2007
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Noch ein Nachsatz, natürlich gibt heute wieder sogenannte Jurtensiedlungen, die sind aber alle, bis auf die Siedlung unterhalb des Gandanklosters, an Stellen, wo früher noch gar keine Stadt war, mit diesen Siedlungen wächst heute die Stadt hauptsächlich in die nördlichen Seitentäler. Sogenannte Jurtensiedlungen deshalb, weil in den stadtnahen eigentlich weniger Jurten stehen, sondern die Bewohner dort heute irgendwelchen feste Gebäude errichten, je weiter man zum Stadtrand kommt, umso größer wird der Anteil der Jurten, weil die Leute dort erst wenige Jahre oder Monate siedeln.
Anderseits werden die dazugehörigen Grundstücke heute auch häufig zu Spekulationsobjekten, da der "Besetzer" zum grundbuchamtlich eingetragenen Eigentümer wird und das Grundstück später veräußert werden kann.
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BeitragVerfasst am: So 25. März. 2007; 21:10 Antworten mit Zitat
Pantitlan
Site Admin
Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 4423
Wohnort: Beijing (Basel)




Könnte man denn sagen, dass diese neuen Jurtensiedlungen so eine Art Slum sind? Oder ist das ein bisschen zu weit gegriffen?

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BeitragVerfasst am: So 25. März. 2007; 21:51 Antworten mit Zitat
Monrise
Traveller
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Beiträge: 65
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Das kommt auf den Standpunkt an, für Neuankömmlinge, die nur eine Jurte drauf stellen ist es natürlich sehr provisorisch, aber anderseits wohnen die Leute dann was den Komfort betrifft immer noch besser als mit der Jurte in der Steppe, auch wenn das der Sozialromantiker anders sehen wird, die Leute haben in der Stadtjurte Strom, können einen Holzfussboden und echte Möbel reinstellen, in den Dachkranz Glasscheiben einbauen, damit auch im Winter Tageslicht reinkann usw. das sind alles Dinge, die draußen in der Jurte nicht funktionieren.
In den Jurtensiedlungen, die schon länger bestehen kann man alles sehen Hütten, zweistöckige Häuser mit Garagen ich war sogar schon in solchen Gehöften, die nahe an der echten Siedlungsstruktur standen, die hatten sich an das Fernwärmenetz angeschlossen und mit Heizkörpern ausgesattet.
Aber der wichtigste Punkt ist eigentlich, es geht hier nicht um Hütten oder Jurten, sondern um Grundstücke, jeder der dort Wohnsitz nimmt erhält eine Fläche von rund 500 Quadratmetern die privates und geschütztes Eigentum wird, deshalb sind die Grundstücke auch immer mit einem hohen Bretterzaun eingegrenzt, sieht zwar Schei.. aus, aber ist damit schon etwas geordnet. Wo wir auch bei dem äußeren Eindruck wären, der ist natürlich ziemlich unfein, das liegt aber auch daran, dass dort natürlich kein Baum und kein Strauch wächst und Mongolen traditionell das Wohnumfeld bisher nicht pflegen. Das sieht man auch deutlich bei den Mietwohnungen, der Mongole schämt sich nicht für ein dreckiges Treppenhaus oder ein riesiges Loch vor dem Hauseingang, das ist nicht seins, seine Welt, für die er verantwortlich ist beginnt erst hinter der Wohnungstür alles davor hat mit ihm persönlich nichts zu tun.
Ändert sich aber gerade auch, die neuen Wohnanlagen der Bessergestellten achten sehr auf gepflegten Gesamteindruck, neuerdings versucht man dort sogar Bäume zu pflanzen und manche haben sogar schon Blumenbeete vor den Häusern.
Um nochmal zu den Jurtensiedlungen zu kommen, man sieht dort fast alle
sozialen Schichten, Mancher könnten sich sicherlich auch eine gute Wohnung leisten, aber es ist zum Beispiel auch nicht schlecht, wenn man sein Auto auf dem Hof vor der Tür sicher parken kann, die anderen müssen sich jede Nacht eine teure Garage in der Innenstadt oder einen bewachten Parkplatz suchen, die auch nicht billig sind, denn in der Stadt werden nachts zwischen 12 und morgens 7 Uhr keine Autos frei abgestellt, völlig irre, aber es ist so.
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