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Al Kaida Massenausbruch in Sanaa, gefinkt?
BeitragVerfasst am: Sa 04. Feb. 2006; 20:11 Antworten mit Zitat
Pantitlan
Site Admin
Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 4217
Wohnort: Beijing (Basel)




Zitat:
Bei einem Massenausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind am Samstag 13 verurteilte El-Kaida-Mitglieder entkommen. Wie es von Seiten des Verteidigungsministeriums hiess, konnten insgesamt 23 Häftlinge flüchten.


Und zwar dies gerade heute, wo der Iran Wirtschaftssanktionen gegen den Westen beschliesst und in Syrien die dänische und die norwegische Botschaft angezunden wurde.

Bei mir drängt sich da so ein bisschen der Verdacht auf, dass dieser Ausbruch gar kein Ausbruch war, sondern eine gezielte Freilassung. Vielleicht von den Wärtern, die symphatisierten oder gar der höheren Politik? Jemen gilt ja auch nicht gerade als ein Ort des toleranten Islams. Was denkt ihr?

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BeitragVerfasst am: So 05. Feb. 2006; 10:59 Antworten mit Zitat
Alex
Forenveteran
Anmeldungsdatum: 19.02.2005
Beiträge: 1789
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Zitat:
Jemen gilt ja auch nicht gerade als ein Ort des toleranten Islams.

Ach ja? Wer sagt das? Kann ich so nicht zustimmen.

Zitat:
Bei mir drängt sich da so ein bisschen der Verdacht auf, dass dieser Ausbruch gar kein Ausbruch war, sondern eine gezielte Freilassung. Vielleicht von den Wärtern, die symphatisierten oder gar der höheren Politik?

Könnte ich mir auch vorstellen. Aber die Hilfe dürfte kaum aus allerhöchster Ebene gekommen sein.
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BeitragVerfasst am: So 05. Feb. 2006; 11:50 Antworten mit Zitat
Pantitlan
Site Admin
Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 4217
Wohnort: Beijing (Basel)




Alex hat folgendes geschrieben:

Ach ja? Wer sagt das? Kann ich so nicht zustimmen.


Um ehrlich zu sein, alle ausser Du. Will heissen, habe noch nie was anderes gehört. Das sind zum Beispiel Traveller, die davon erzählen, Zeitungen die so berichten und ich glaube, das stand sogar so auf der alten Lonely Planet homepage, als es dort noch Informationen gab. Ich hoffe, dass Du mich nun nicht nötigen willst, die Quellen zu suchen. Daraus hat sich bei mir das Bild eines intoleranten Islams gebildet. Was aber nicht heissen will, dass die Leute nicht nett sind. Als Besucher empfindet man das dann natürlich anders.

Alex hat folgendes geschrieben:
Könnte ich mir auch vorstellen. Aber die Hilfe dürfte kaum aus allerhöchster Ebene gekommen sein.


Ich kenne mich in der yemenitischen Innenpolitik nicht aus. Wie steht denn die oberste Ebene zum Westen? Was ich mir vorstellen kann, ist dass es sich um Verbündungen der Gefängniswärter ging. Bin mal gespannt, ob da irgendwann noch was auskommt. Aber vermutlich werden wir davon nie mehr was hören.

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BeitragVerfasst am: So 05. Feb. 2006; 15:15 Antworten mit Zitat
Alex
Forenveteran
Anmeldungsdatum: 19.02.2005
Beiträge: 1789
Wohnort: Deutschland




Zitat:
Wie steht denn die oberste Ebene zum Westen?

Auch wenn das viele nicht wissen. Für den Westen (gerade die USA) gilt der Jemen als (für die Region) sehr sicherer Partner. Die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Jemen und den westlichen Staaten sind sehr gut.
Zitat Auswärtiges Amt:
Zitat:
Politische Beziehungen
Die bilateralen Beziehungen werden von jemenitischer und deutscher Seite als beispielhaft bezeichnet. Deutschland gilt als bevorzugter westlicher Partner. Deutschland genießt einen ausgezeichneten Ruf aus historischen Gründen, u.a. wegen der klaren Haltung der Bundesregierung für die Einheit von Jemen im Sezessionskrieg und des hochgeschätzten, auf Dauer angelegten und verlässlichen entwicklungspolitischen Engagements im Norden wie im Süden des Landes. Im Oktober/November 1999 konnte man gemeinsam auf 30 Jahre seit Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen und weit über 30 Jahre kontinuierliche entwicklungspolitische Zusammenarbeit zurückschauen.

Noch 2004 haben die Berliner Philharmoniker begleitet durch den ehemaligen Bundespräsidenten J. Rau in Sana'a ein Konzert (in einem kleinen Park in der Altstadt) gegeben.
Auch hat der Jemen als einzige Republik in der arabischen Welt eine Sonderstellung.
U.a. die USA und Deutschland haben im Jemen Hunderte von Kilometern Straße ausgebaut. Eine nigelnagelneue Verbindungsstraße von Sanaa in den Hadramaut wurde (zumindest maßgeblich) vom amerikanischen Steuerzahler gespendet.

Der Jemen ist zweifellos ein sehr traditionelles Land. Aber dass das Land ein Hort intoleraten Islams sein soll, ist nicht richtig. Zwar können Jemeniten einen Europäer nicht begreifen, der nicht an Gott glaubt. Aber solche Leute werden einfach nur ignoriert und als traurige Fälle betrachtet. Allerdings hat eine Welle von erzwungenen Rückkehrern aus Saudi-Arabien (man hat die jemenitischen Gastarbeiter aus außenpolitischen Gründen mal schnell rausgeworfen) eine "Orthodoxisierung" bewirkt. Auch muss man bedenken, dass "das einfache Volk" selbstverständlich leicht beeinflusst und durch Parolen aufgestachelt werden kann, gerade in Zeiten amerikanischer Imperialpolitik. Aber das gilt nicht nur für den Jemen.

Der Jemen ist das wohl rechtsstaatliche Land der arabischen Welt. Der Präsident selbst wird die Freilassung mit Sicherheit nicht selbst angeordnet bzw. veranlasst haben.

z.B.:
siehe hier
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BeitragVerfasst am: So 05. Feb. 2006; 23:23 Antworten mit Zitat
Pantitlan
Site Admin
Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 4217
Wohnort: Beijing (Basel)




Gut, die Nähe der Regierung zu der US-Regierung will nicht viel bedeuten. Auch Saudi-Arabien ist ein guter Verbündeter der USA; trotzdem würde (auch auf die Gefahr hin, nun alle über einen Kamm zu scherren) die Leute dort wohl kaum jemand als tolerante Muslime bezeichnen.

Auch die langjährige Entwicklungszusammenarbeit ist nicht wirklich ein Indiz. Wieso sollte man denn nichts nehmen, wenn man es braucht, nur weil es vom Westen kommt? Und dazu kommt, dass es hier wieder um den Unterschied zwischen politischer Klasse und der Bevölkerung geht. Dass die Bevölkerung häufig radikaler als die Regierung ist, das ist ja inzwischen sattsam bekannt (nicht nur im Nahen Osten).

Worauf beziehst du Deine Idee, das Yeman am rechtstaatlichsten sein soll? Und was verstehst du genau darunter?

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BeitragVerfasst am: Di 07. Feb. 2006; 11:40 Antworten mit Zitat
Alex
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Beiträge: 1789
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Zitat:
Gut, die Nähe der Regierung zu der US-Regierung will nicht viel bedeuten. Auch Saudi-Arabien ist ein guter Verbündeter der USA;

Gut, wenn es nur die USA wären, dann würde ich das auch kritisch sehen. Aber Deutschland pflegt nicht gerade mit jedem arabischen Land freundschaftliche Beziehungen. Und Italien? Frankreich? Aber dass sich diese Beziehung nur auf die Politik beschränken könnte, ist schon möglich.

Zitat:
Worauf beziehst du Deine Idee, das Yeman am rechtstaatlichsten sein soll? Und was verstehst du genau darunter?

Die Trennung von Exekutive und Judikative. Kann ich nicht beweisen (aber das Gegenteil kann auch niemand beweisen).
Aber man beachte den genannten Link in meinem letzten Posting.

Zitat:
trotzdem würde (auch auf die Gefahr hin, nun alle über einen Kamm zu scherren) die Leute dort wohl kaum jemand als tolerante Muslime bezeichnen.

Was verstehst Du denn unter Intoleranz (in der Praxis)? Sonst weiß ich nicht so recht, wie ich antworten soll...

Aber wenn es zum Beispiel in Sanaa so viele Radikale gäbe, wie hätte man dann ein philharmonisches Konzert (als Teil der westlichen Kultur) mitten in der Altstadt (naja... am Rand in einem Park) veranstalten können?
Und müsste einem Europäer die Leute auf der Straße nicht doch feindlich begegnen, wenn sie doch so radikal sind? Was genau meinst Du mit Radikalität?

EDIT:
Und diese Massendemonstrationen sind doch provoziert. Da wurde den Leuten erzählt, ein "europäisches Land" (oder vielleicht sogar "Europa" oder "der Westen") habe den Propheten in einer Karikatur lächerlich gemacht. Dass das bloß eine einzelne (rechtskonservative) Zeitung in dem kleinen Land Dänemark war, wo die Regierung gar keinen Einfluss auf die Veröffentlichung hatte, weiß niemand. Den Leuten wird doch erzählt, das sei eine Beleidigung des "Westens", als sei das ein handelndes Subjekt. Und warum die Karikaturen später von wenigen anderen Zeitungen nachgedruckt wurden, begreifen die Leute noch weniger. Dass Demonstrationen, Ausschreitungen und Boykotte westliche Zeitungen noch dazu animieren, Solidarität zu zeigen und die Kariaturen auch abzudrucken, scheinen die Menschen noch weniger zu begreifen.
Für verachtungswürdig halte ich die Aktion des dänischen Muslime-Verbandes, der in den Nahen Osten geflogen ist, um die Kunde der "Beleidung durch den Westen" zu verbreiten. Damit hat das Ganze doch erst angefangen!
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Al Kaida Massenausbruch in Sanaa, gefinkt?
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