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Weltreiseforum Foren-Übersicht » USA und Kanada » Wieso ticket Kanada so anders als die USA?
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Wieso ticket Kanada so anders als die USA?
BeitragVerfasst am: Do 18. Nov. 2004; 02:16 Antworten mit Zitat
sandsturm
Forenveteran
Anmeldungsdatum: 17.10.2004
Beiträge: 507
Wohnort: Bern




Würde mich nun wirklich mal interessieren! Auch Michael Moore hatte in Bowling for Colombine keine wirkliche Antwort auf diese Frage. Hat sie vielleicht jemand von Euch?
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BeitragVerfasst am: Mo 22. Nov. 2004; 07:39 Antworten mit Zitat
Lodge
Gast




Wir waren 5 mal im Winter in Kanada zum Snowboarden und die Kanadier haben generell etwas gegen den südlichen Nachbar. Egal ob Bush oder Clinton. Man mag sich nicht. Die Ressentiments sind aber eher als eine Röschtigraben zu verstehen. Irgendwo am Ende der Welt, sind die beiden Nationen doch froh einen aus dem gleichen Kontinent zu treffen. In der Comedy oder generell im TV geht es knallhart gegen die Amis vor. Allerdings sollte man bei politischen Diskussionen vorsichtig sein. Die Leute sind nicht es nicht unbedingt gewohnt offen über PRobleme zu sprechen, besonders wenn es um die eigenen geht. Selbstkritik, wie es die Schweiz bis zur Zerfleischung des eigenen Egos macht, gibt es auch in Kanada nicht.
Aber es ist ein wunderbares Land im Winter und die Leute lassen dich in Ruhe. Ich kenne es gar nicht im Sommer.....
Wir gehen jetzt wieder für 7 Wochen ... bis dann...

BeitragVerfasst am: Di 14. Dez. 2004; 23:15 Antworten mit Zitat
Filou
Pauschaltourist
Anmeldungsdatum: 30.11.2004
Beiträge: 2
Wohnort: Limmattal




So erst mal hallo zusammen hier! Very Happy

Ich weiss, mein Beitrag kommt ein bisschen verspätet aber ich habe mich hier erst letzte Woche registrieren lassen (aber schon früher fleissig mitgelesen)..

Ich hatte letztes Jahr die Möglichkeit, einen mehrmonatigen Sprachaufenthalt in Vancouver "zu absolvieren". Dabei habe ich mich natürlich intensiv mit der Kultur, Geschichte und den Menschen von Kanada auseinandergesetzt. Vielleicht muss ich aber zuerst darauf hinweisen, dass ich noch nie richtig in den Staaten war und deshalb das Verhältnis Kanada-USA nur aus kanadischer Sicht versuchen zu erklären kann. Dabei kann ich Lodge soweit nur recht geben: Grosse kulturelle Unterschiede zwischen den USA und (und jetzt kommt's!) dem englischsprachigen Teil Kanadas kann ich mir keine vorstellen. Meine Gastfamilie hätte man (die Eishockeybegeisterung meines Gastfamilienvaters mal abgesehen..) auch als typisch amerikanische Familie ansehen können so wie wir Europäer uns das vorstellen - ich bin eigentlich auch kein Freund von Verallgemeinerungen aber da spielen halt immer auch persönliche Eindrücke mit. Bei meiner Ankunft in Vancouver erhielt ich von allem einen ziemlich amerikanischen oder besser gesagt nordamerikanischen Eindruck, welcher mir von all den Filmen und Serien etc. gar nicht mal so fremd war. Ich glaube auch, dass den (englischsprachigen) Kanadiern durchaus bewusst ist, wie sehr sie mit ihren südlichen Nachbarn kulturell und vor allem eben auch wirtschaftlich verbunden sind. Wenn man dazu noch bedenkt, dass praktisch alle grossen Städte in unmittelbarer Nähe zur US-Grenze liegen während die nächste kanadische Grossstadt hunderte wenn nicht tausende von Meilen entfernt liegt, dann ist es beinahe schon verwunderlich, dass sich die Kanadier nun halt doch irgendwie von den Amis unterscheiden und gewisse Eigenheiten haben und auch beibehalten. Ich würde das ganze Verhältnis mit gewisser Vorsicht mit dem Verhältnis von uns Deutschschweizern gegenüber dem grossen Kanton Deutschland vergleichen. International gesehen unterscheiden wir uns bezüglich Sprache, Kultur, Mentalität, Medien etc. wohl überhaupt nicht gross von unseren nördlichen Nachbarn genauso wie wir wohl Mühe hättten, einen Welschen von einem Franzosen und einen Tessiner von einem Italiener zu unterscheiden. Als Schweizer blickt man da vielleicht noch durch, weil man halt eben die Eigenheiten und den Dialekt der anderen Landesteile kennt, für andere Menschen wäre das wohl aber ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Tessiner wird sich wohl eher für die italienische Serie A begeistern können als für die Bundesliga oder sogar der einheimischen Super League, während uns eher interessiert was politisch geht in Berlin als in Paris und der Romands eher Ferien in Südfrankreich bucht als seinen Urlaub in Italien zu verbringen.. Was die Wahl der TV-Programme und die Musik anbelangt muss ich wohl nicht mehr erwähnen da bereits ich wie jedes deutsche Kind mit RTL & Co. aufgewachsen bin. Da fragt man sich natürlich schon was wir innerhalb der Schweiz noch gemeinsam haben und kann es gewissen Leuten gar nicht mal verübeln der Meinung zu sein, die Schweiz als Nation existiere gar nicht "la Suisse n' existe pas" (weiss nicht mehr wer diesen Spruch gesagt hat..). Andrerseits verbindet uns die geografische Nähe, eine gemeinsame Geschichte und vor allem wohl gemeinsame Werte und Vorstellungen, ohne die unser Land mit den verschiedenen Landesteilen gar nicht funktionieren würden. Und damit kommen wir wieder zurück auf Kanada. Das Verhältnis zwischen Quebec und dem englischsprachigen Teil ist seit dem 1. Weltkrieg ein einziger Schlagabtausch und ganz Kanada ein ziemlich labiles Gebilde. Nicht viel hat gefehlt und Quebec hätte sich 1998 (und einige Abstimmungen davor) selbstständig gemacht. Ein paar mal im letzten Jahrhundert stand Kanada vor einer Auflösung, bezüglich der allgemeinen Wehrpflicht wäre es sogar beinahe zu einem kanadischen Bürgerkrieg zwischen Quebec und den restlichen Provinzen gekommen. Zudem gab und gibt es in Ottawa immer wieder Befürchtungen, die beiden westlichen und wirtschaftlich starken Provinzen British Columbia und Alberta könnten ihre Unabhängigkeit erklären und sich vom "alten, trägen" Kanada im Osten loslösen. Dazu kommen noch Konflikte mit Ureinwohnern (Indianische Völker und die Inuit) welche ebenfalls ihre Vorstellungen "von Ihrem Kanada" einbringen und (zu Recht..) einfordern. Dazu kommen noch all die Einwanderer, welche im Gegensatz zu denjenigen in den USA erst später eingewandert sind da grosse Teile Kanadas wegen der unwirtlichen Landschaft erst viel später besiedelt worden sind. Das alles darf man nicht vergessen, unter anderer Betrachtung der Dinge erscheint Kanada als ein einziger Flickteppich und scheint überhaupt (noch?) nicht gefestigt zu sein. Wie ist denn da eine gemeinsame Identität möglich wenn sie schon nur bei uns in der Schweiz mit einer 700 jährigen Geschichte nicht selbstverständlich ist?

Während meiner Zeit in Vancouver durfte ich mal einen treffenden Spruch von einem kanadischen Journalisten lesen der dem Sinn nach so ging: "Was wir Kanadier genau sind wissen wir selber nicht, die einzige Sache derer wir sicher sind ist, dass wir keine Amerikaner sind.." Dieser Spruch trifft meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopf und ist mir geblieben, weil er irgendwie doch auch auf uns zutrifft. Wenn man nicht als Nation gewachsen und sich überwiegend auf die gleiche Mentalität, Geschichte, Herkunft als Volk an sich, Sprache etc. stützen kann wird man sich (mehr wie andere) an anderen Gemeinsamkeiten und Werte orientieren und diese vor allem auch pflegen müssen oder sich wenigstens gemeinsam gegenüber dem grossen, wirtschaftlich überlegenen und von Selbstvertrauen strotzenden Nachbarn zusammenzuraufen und die Unterschiede zu diesem zu betonen. "Wir" essen nur Bratwürste und Cervelat - Bockwürste, Currywurst, Weisswürstel & Co. sind typisch deutsch und würden nie freiwillig von uns gegessen werden ausser in Deutschland selbst oder am Oktoberfest in München, aber eigentlich geht's nur um die Wurst und da outen sich Deutschschweizer und Deutsche gleichermassen als Wurstliebhaber.. Es ist halt vielfach einfacher, die Unterschiede (und seien sie noch so unwichtig) zu betonen und sich somit abzugrenzen und seine Identität zu erhalten. Man redet ja oft auch von einem gewissen Komplex wegen der Mundart etc. Einen gewissen Komplex gegenüber ihren Nachbarn konnte ich auch in Kanada feststellen: In vielen (wirklich vielen!) TV-Werbespots werden dabei die Amis aufs Korn genommen mit den Klischees die auch bei uns üblich sind. Der absolute Ober-Burner war dabei ein Spot der "Nationalbrauerei" Molson: Darin wird absolut super dargestellt, dass die Kanadier schon vor dem Amerikanern auf dem Mond gewesen seien, Neil Armstrong erhält bei dieser Angelegenheit noch einen (na was wohl..?) Hockeypuck mitten ins Visier des Helmes (also in die Fresse..). Es gab wirklich unzählige TV-Spots mit Seitenhieben gegen die Amis, meistens durchaus selbstironisch und mit einem Augenzwinkern, manchmal aber auch wirklich nur noch peinlich und geschmackslos. Zu meiner Zeit in Vancouver sah man viele Jugendliche mit "U.S.-Out"-Buttons und allgemein viele antiamerikanische Ware. Meine Erfahrung (ähnlich wie bei Lodge) war ebenfalls, dass sich Kanadier beim Lästern gegen die bösen Staaten im Süden und deren oberflächlichen Bürgern nur noch selbst überbieten können, eigene Probleme aber nicht zu Wort kommen oder schlichtweg nicht vorhanden sind, schliesslich hat man ja den Olympiafinal im Eishockey gegen die Amis gewonnen, so what..?!

Was "Bowling for Columbine" betrifft: Ich habe noch nie so viele Schlösser an Haustüren und Alarmanlagen gesehen wie in Vancouver. Michael Moore versucht ebenfalls den Eindruck zu erwecken, es gebe keine Ghettos und Elendsviertel in Kanada. Es gibt Orte in Vancouver, die erreicht man zu Fuss von Downtown in 15 min., dies allerdings mit Vorteil bei Tag und ohne Geld in der Tasche..
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BeitragVerfasst am: Mi 15. Dez. 2004; 00:08 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Herzlich willkommen im Forum, Filou!

Du sprichst natürlich ein sehr spannendes Problem an. Es ist schon die Frage, wie man den Unterschied konstruieren kann und auch konstruieren darf. Klar ist auch, dass diese Unterschiede nicht objektiv sind, sondern sich eben subjektiv in den Gruppen bilden. Deswegen spricht man heute ja auch nicht mehr von Rassen (also Gruppen, welche aufgrund einer gemeinsamen Genetik objektiv zusammengefasst werden können - mal von den praktischen Problemen abgesehen), sondern von Ethnien, welche ja selbstbeschreibend sind. Wenn sich aus historischen Gründen (zum Beispiel einer Landesgrenze) dort auch ethnische Grenzen bilden, wo sie eigentlich natürlicherweise nicht hingehören (zum Beispiel Schweiz - Deutschland), dann müssen Unterscheidungsmerkmale her. Wenn das keine unterschiedliche Sprache, unterschiedliche Religionen oder (vermeintlich) unterschiedliche Abstammung ist, dann bleibt nur noch die Definition über Sitten. Zum Beispiel darüber, welche Würste wir essen und welche Würste die anderen essen. Aber gemeinsame Identität ist nichts, was es objektiv geben müsste - darin widerspreche ich Dir. Wenn wir Schweizer uns als eine Gruppe verstehen, die sich von den Deutschen unterscheiden, dann spielt es keine Rolle wie nichtig diese Gründe sind. Selbst dann nicht, wenn wir uns alle auf Wilhelm Tell beziehen, der nachweislich nie gelebt hat. Im Falle von Kanada und der USA dürfte das dann wohl ähnlich sein. Auch dort ist die Frage, wie sie sich selbst konstitieren vor allem wichtig und nicht, wie wir als aussenstehende die Unterschiede definieren wollen.

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BeitragVerfasst am: Do 16. Dez. 2004; 17:39 Antworten mit Zitat
Filou
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@Pantitlan

Naja also wenn ich Deinen Beitrag lese muss ich Dir eigentlich in allen Punkten recht geben, insbesondere was die gemeinsame Identität betrifft, die sich lässt wohl nur schwer von "Auswärtigen" beschreiben/erklären. Ich muss Dir natürlich zustimmen, dass die gemeinsame und vor allem persönliche Identität nicht nur aufgrund objektiver Dinge (Geschichte etc.) beruht. Dessen war ich mir wohl nicht mal richtig bewusst beim Verfassen meines Beitrags..
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BeitragVerfasst am: Do 16. Dez. 2004; 18:04 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Beiträge: 4217
Wohnort: Beijing (Basel)




Na komm schon, Filou, ist doch langweilig, wenn Du mir gleich recht gibst. Ich habe ja noch nicht einmal alle meine rhetorischen Tricks ausgepackt... Wink

Was man auch noch erwähnen sollte, ist die Tatsache, dass es natürlich solche Aeusseren Merkmale wie gemeinsame Geschichte oder meinetwegen auch genetische Aehnlichkeiten gibt und dass diese eben auch gruppenkonstitiv wirken können. Nichts desto trotz denke ich, ist es der bewusste soziale Akt, eine solche Geschichte oder gemeinsame Deszendenz wählen, welcher auch solche Ethnien zu sozialen Konstrukten macht. Aber man kann da auch anderer Ansicht sein.

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kanada/usa/quebec
BeitragVerfasst am: Sa 29. Okt. 2005; 12:01 Antworten mit Zitat
Joha
Gast




Ich muss ein Referat über das Verhältnis (mental) von Québec zu Kanada, den USA und Frankreich machen, und sowas findet man ja nicht so leicht.
wisst ihr noch mehr darüber?
wär gut, danke schonmal für konstruktive Beiträge Very Happy

BeitragVerfasst am: Sa 29. Okt. 2005; 17:25 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 4217
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stell doch konkretere Fragen, dann werden auch die Antworten genauer...

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