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 | NE TIGER: schlechter Geschmack bei Luxuswaren? |  |
Verfasst am: Do 10. Apr. 2008; 06:59 |
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| Pantitlan |
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| Anmeldungsdatum: 13.09.2004 |
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China ist ja vor allem für seine billigen Plastikprodukte bekannt. Nun gibt es seit einigen Jahren eine chinesische Firma, die sich im obersten Sektor der Luxusbranche verortertet. Sie heisst NE TIGER. Im letzten Jahr hat sie zum Beispiel die Beijing Fashion Week eröffnet. Ein Engagement, das vermutlich mit viel Geld erkauft wurde und das die Vormachtstellung dieser Marke betonen soll.
Tatsächlich aber ist NE TIGER meiner Meinung nach nicht der richtige Träger der Botschaft, dass China nicht nur schlecht kopieren kann, sondern sogar selber und erfolgreich in der Haute Couture mitschneidern kann. Schaut man nämlich die Kreationen an, sind die allesamt von einem meiner Meinung nach sehr mangelhaftem Designhandwerk. Schaut man die Bilder auf der Webseite an (unten der Link), fragt man sich schnell: Wie kriegt es diese Firma hin, dass selbst topmodels (und für diese gibt das Modellabel Unmengen aus) in diesen Kleider schlecht gebaut und floppsig wirken? Nun bin ich ja auch nicht gerade ein leidenschaftlicher Anhänger der europäischen Haut Couture und finde ausgefallen bedeutet noch nicht unbedingt schön. Trotzdem: In dem chinesischen Modellabel sehen alle besonders schlecht aus. Das ist einfach mein Empfinden. Würde mich interessieren, was andere dazu meinen.
Das andere ist die Firmenkultur. Ich weiss nicht, wie das in anderen Betrieben in China oder in der Modebranche allgemein zugeht. Aber so wie ich gehört habe, haben die Arbeiter extrem schlechte Arbeitsbedingungen und miserable Löhne, während der Besitzer sich eine goldene Nase verdient. Da ich jemand dort im Management persönlich kenne, weiss ich, dass dies sogar bis weit oben so aussieht. Gerade hat mir diese Person erzählt, dass sie im Hinblick auf das Boao-Forum 50 Stunden am Stück arbeiten musste, ohne schlafen zu können und das zu einem Lohn der etwa meiner Korrektorarbeit hier in China entspricht. Da wollen wir mal nicht fragen, wie es den einfachen Näherinnen geht. Habe ich auch nicht, und weiss ich auch nicht.
Nimmt man diese beiden Faktoren zusammen, denke ich, wird es NE TIGER als in Europa noch weitgehend unbekannte Firma schwer haben, auf dem europäischen Markt Fuss zu fassen. Noch zu sehr ist China mit dem Makel behaftet, nur billigen Ramsch zu produzieren (der hier, so könnte wohl die Reaktion sein, einfach teuer verkauft wird) und nicht einmal die minimalsten Arbeitsrechte einzuhalten. Dass dies beim Preisdruck für Massenware nicht geschieht, ist schlimm genug, aber muss das auch bei so einem Produkt sein?
Was haltet ihr davon? Gibt es für chineische Luxusartikel über kurz oder lang einen Markt? Wird es wieder einmal so, wie es Gründer Zhang Zhifeng in nimmermüder Manier den chinesischen Reportern mit den kleinen roten Couverts aufs Band diktiert: "China ist die Quelle der Luxusartikel."
http://www.ne-tiger.com/en/index2.htm |
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Verfasst am: Do 10. Apr. 2008; 14:20 |
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| gabe |
| Forenveteran |
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| Anmeldungsdatum: 15.09.2004 |
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Ohne Zweifel gibt es in China auch einen Markt für Luxusprodukte. Ich finde es mehr als logisch, dass diese nicht nur aus dem Ausland kommen sollten. Ich kenne mich in der Modebranche nicht wirklich aus und finde, dass die Mode an westlichen Models oft auch nicht wirklich viel besser aussieht. Ich spreche da übrigens nicht von den üblichen Sachen sondern eher von den extravaganten Sachen die auch hier viel provozieren und oft geschmacksache sind. Die Kleider bei Ne Tiger scheinen in diese Richtung zu gehen, haben aber einen chinesischen oder zumindest asiatischen Touch, schön sind sie aber noch lange nicht. Feedbacks aus der westlichen Modebranche zu dieser Marke wären interessant.
Das Thema finde ich, unabhängig ob in Bezug zur Mode oder nicht, sehr spannend. Dass sich qualitativ hochstehende Produkte aus China im Westen von heute auf morgen im grossen Stil verkaufen lassen wage ich sehr zu bezweifeln. Oft geht es ja nicht immer nur um Qualität sondern auch um die Marke selber. So produzieren ja auch heute die meisten Marken im mittleren bis oberen Preisbereich irgendwo in Asien, egal ob es sich dabei um Lacoste, Hugo Boss, Gucci, D&G oder sonst was handelt. Ein wichtiger Brand zu generieren ist daher wichtiger als die Qualität selber, wobei diese selbstverständlich auch relevant ist. |
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Verfasst am: Fr 11. Apr. 2008; 05:09 |
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| Pantitlan |
| Site Admin |
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| Anmeldungsdatum: 13.09.2004 |
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Das die Marke selber in China eine Chance hat, das glaube ich schon. Vor allem auch in der gegenwärtigen nationalistisch aufgeheizten Stimmung.
Mir geht es aber eher um die Marke ausserhalb Europas. Ich denke da vor allem auch an die Rücksichtslose Ausbeutung der Arbeitskräfte. Wenn ich ein Luxusprodukt kaufe und viel dafür bezahle, erwarte ich auch, dass es politisch korrekt hergestellt wird. Das also die Arbeitsbedingungen eingehalten werden. Was ich aber von Insidern der Firma höre, ist das überhaupt nicht so. Und das ist das, was ich meine. Das es in China prinzipiell möglich wäre, hochqualitative Ware zu produzieren, glaube ich schon. Die Frage ist doch eher, wie lange es geht, bis das im Westen auch mal jemand glaubt. Man erinnere sich zum Beispiel an die chinesischen Autos, die durch alle Sicherheitsstandards durchgefallen sind...
| Zitat: | | Feedbacks aus der westlichen Modebranche zu dieser Marke wären interessant. |
Wir können ja einmal Sisuna nach Ihrer Meinung fragen. Sie hat ja in der Modebranche in New York gearbeitet. |
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Verfasst am: Fr 11. Apr. 2008; 21:49 |
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| Aremonus |
| Forenveteran |
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| Anmeldungsdatum: 07.10.2005 |
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Über die asiatische Firmenkultur, auch die von Japan, möchte ich mich mal nicht auslassen - über diese militärische Führungsart sind wir in der Schweiz Glücklicherweise raus...
Die Arbeitsbedingungen hingegen sind ja in ganz China nicht gerade besonders gut - aber das liegt daran, dass jeder Arbeiter froh ist, was zu beissen zu haben und auch jeder ersetzlich ist. Europäische Marken bieten übrigens oft nicht bessere Arbeitsbedingungen, Nike sogar für chinesische Verhältnisse katastrophale. Aber das deffiniert auch keine Marke.
Luxusgüter haben in China einen riesen Markt, aber die Marke ist leider noch zu jung und zu unbekannt - ihr fehlt der "Hey, ich hab' ne XY-Jacke"-Faktor.
Wenn sie weiterhin so aggressives Marketing betreiben, dürften sie in so 10 Jahren aber bald zu einem ernsthaften Konkurrenten in China werden. In Europa wird sie aber noch lange keine Chance haben - chinesische Produkte werden noch etwa 40 Jahre das Billig-image behalten... (vergleiche mit Verhältnis Deutschland-USA).
Mir persönlich gefällt die Kollektion eigentlich ganz gut (ausser dem Morgenmantel-look). Leider Kupfert das Unternehmen an der falschen Stelle von Frankreich ab; die Kleider wirken für mich definitiv französisch. Warum sollte ich das teuere Chinesische kaufen, wenn ich auch das französische Original haben kann?
Wenn das Unternehmen wirklich eine Vormachtsstellung will, sollte es chinesischer werden - back to the roots. Dann kann es in Europa bestimmt bald im oberen Preissegment mitmischen. Den Leuten gefällt die Vorstellung vom alten, naturnahen Asien; dafür zahlen sie. |
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Verfasst am: Mo 14. Apr. 2008; 03:17 |
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| sandsturm |
| Forenveteran |
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| Anmeldungsdatum: 17.10.2004 |
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| Zitat: | | mit den kleinen roten Couverts aufs Band diktiert: |
Da musste ich lachen. Ja, gut beobachtet. In China macht man Produktewerbung nicht nur mit Annoncen in der Zeitung, sondern wirksamer in dem man den Journalisten in einem roten Couvert die "Anreisespesen" sehr grosszüzig rückerstattet. Das hat mir eine Managerin aus einer anderen Firma auch neulich so geschildert. |
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_________________ Bitte keine PN. Ich beantworte gerne jede Frage. Aber nur solche, die im Forum gepostet sind, sonsts bringt das ja nicht allesn etwas. |
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