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Wie chinesische Propaganda funktioniert...
BeitragVerfasst am: Mi 19. März. 2008; 03:39 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Beiträge: 3756
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Ich habe hier einmal ein Beispiel heraus gesucht, um daran zu zeigen, wie die chinesische Propaganda funktioniert. Der Text ist eine Übersetzung aus dem chinesischen. Das heisst, er entspricht dem, was Chinesen im Internet, zumindest in Festlandchina, lesen können.


Staatengemeinschaft gegen Politisierung der Olympischen Spiele in Beijing

Zitat:
Regierungen und Medien verschiedener Länder haben am Montag angesichts der kürzlich aufgetretenen Unruhen in Lhasa, der Hauptstadt des chinesischen Autonomen Gebietes Tibet, verlauten lassen, dass sie eine Politisierung der Olympischen Spiele unter dem Vorwand der Tibet-Frage ablehnten.


Ist nicht so! Ich habe keine einzige deutschsprachige Nachricht gelesen, in dem von einem Vorwand die Rede war. Vielmehr waren EIN TEIL der Medien der Meinung, dass man die Olympischen Spiele nicht boykottieren solle, weil Sport eben doch Menschen verbinde und die vielen Ausländer, die nach China kommen vielleicht doch helfen würden, dass China irgendwann einmal die Menschenrechte besser respektiert. Das genau IST aber eine Politisierung.

Zitat:
Das russische Außenministerium etwa erklärte auf seiner Webseite, Tibet sei ein untrennbarer Teil Chinas. Die russische Regierung hoffe, dass China mit allen notwendigen Maßnahmen die illegalen Aktivitäten der tibetischen Separatisten eindämmen könne. Es sei unakzeptabel, die bevorstehenden Olympischen Spiele 2008 in Beijing zu politisieren.


Hier müsste man seriöserweise hinzufügen, dass Russland mit Tschetschenien ähnliche Probleme hat und deswegen schon alleine aus innenpolitischen Gründen hier nichts sagen kann. Ebenfalls wäre es erwähnenswert, dass Russland immerhin das einzige Land ist, das einen Olympia-Boykott erfahren hat.

Zitat:
Die Sportminister und die Vorsitzenden der Olympischen Komitees von 27 EU-Mitgliedsländern erklärten, sie hätten starke Einwände gegen einen Boykott der Olympischen Spiele in Beijing wegen der Unruhen in Lhasa.


Jörg Schild, Präsident des Schweizer Olympischen Komitees hat zumindest eine Untersuchung der Vorgänge gefordert und sich eher hinter die Tibeter als hinter die Chinesen gestellt. Die Schweiz ist allerdings kein EU-Mitglied. Richtigerweise müsste man allerdings erwähnen, dass die Olympischen Komitees bei einem Boykott viel verlieren würden. Andere Politiker in der EU haben die Frage eines Boykotts durchaus aufgeworfen. So etwa die Grünen in Deutschland. Das alles wird nicht erwähnt.

Zitat:
Ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums sagte, Pakistan lehne entschieden jegliche Absichten zur Beeinträchtigung der Souveränität und der territorialen Integrität Chinas ab. Derzeit gebe es weltweit kein Land, welches anerkenne, dass Tibet ein so genanntes "souveränes" Land sei. Dies sei allgemeine Kenntnis der internationalen Gemeinschaft. Die Angelegenheiten Tibets seien ganz und gar innere Angelegenheiten Chinas. Pakistan lehne jegliche Absichten zur Politisierung der Olympischen Spiele in Beijing ab.


Wieso hier gerade Pakistan kommt, ist mir unklar. Es gibt wichtigere Länder als Pakistan - auch wenn ich damit nichts gegen das Land sagen möchte. Scheinbar nicht ganz richtig hingegen ist, dass jedes Land der Meinung ist, dass Tibet schon immer zu China gehört habe. So hatte der amerikansische Senat irgendwann in den 90er Jahren festgelegt, dass Tibet von China widerrechtlich annektiert sei. Dies habe ich aus einem Artikel der Welt entnommen. Hier noch die Quelle: http://www.welt.de/welt_print/article1811705/Der_Fluch_der_Olympischen_Spiele.html

Zitat:
Ein Vertreter des japanischen Außenministeriums sagte, die Unruhen in Lhasa würden den geplanten Japan-Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao nicht beeinflussen. Derzeit seien Vertreter beide Länder dabei, die Vorbereitungen dieses Besuches abzuklären.


Hat mit dem Thema überhaupt nichts zu tun!

Dies war ein vollständiger Artikel, wie er von CRI, einem chinesischen Nachrichtenportal, publiziert wurde. Ich habe nichts weggelassen.

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BeitragVerfasst am: Mi 19. März. 2008; 09:56 Antworten mit Zitat
swissgabe
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Anmeldungsdatum: 15.09.2004
Beiträge: 1194
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Das ganze finde ich super krass! Die ganze Propaganda funktioniert ja vielleicht in Nordkorea. Aber es ist ja nicht so, dass es in China keine westlichen Einflüsse gibt. Ein etwas anderes Beispiel aber z.B. im Iran habe ich mich mit Studenten unterhalten, die einerseits eine (liberale) islamische Einstellung hatten, mit dem Vorgehen ihrer Regierung jedoch grosse Probleme hatten. Ich könnte mir vorstellen, dass das vielen chinesischen Studenten/Gebildeten ähnlichen gehen könnte.

Spätestens dann, wenn man merkt, dass man von seiner eigenen Regierung nach Strich und Faden angelogen wird stimmt doch etwas nicht mehr und man hinterfragt sich doch. Durch das Vorgehen der Chinesischen Regierung wird das ganze doch noch verstärkt. Die Probleme sollten von der Regierung doch total anderst angegangen werden, damit man sich selber weniger dazu bewegen muss, das eigene Volk an zu lügen. Das ist vielleicht etwas einfach gesagt aber teilweise sollte das ja auf alle fälle möglich sein.

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BeitragVerfasst am: Mi 19. März. 2008; 17:28 Antworten mit Zitat
Aremonus
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finds auch daneben, aber die KP ist eine Partei und wir in der Schweiz haben auch gewisse Parteien, die ähnlich informieren...

Das eignetliche Ziel der KP ist es, der Welt und vorallem der Bevölkerung Glauben zu machen, Tibet wolle die Unabhängigkeit; somit wäre die Souveränität des chinesischen Staates tatsächlich bedroht und es müsste wirklich für stabilität gesorgt werden.
Der Punkt ist aber, dass Tibet ja bloss mehr autonomie, besonders in kulturellen Fragen fordert - die Unabhängigkeit würde Tibet mehr schaden als nützen, das wissen alle, ausser ein paar Seperatisten. Die westlichen Medien müssten hier meiner Meinung nach auch klarer informieren.


Zuletzt bearbeitet von Aremonus am Mo 24. März. 2008; 10:00, insgesamt einmal bearbeitet

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BeitragVerfasst am: Do 20. März. 2008; 03:05 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Lustig finde ich, wie China auf dem armen Dalai Lama rumhackt. "Man habe Beweise, dass er dahinter stecke...", hiess es. Genannt wurde kein Beweis. Vermutlich weil es genau so wenig einen Beweis dafür gibt, wie damals als die USA "Beweise" für geheime Atomanlagen im Irak hatten, die bis heute nie gefunden wurden.

Erschreckend finde ich aber, dass die Zensur funktioniert. Hier in China schimpfen tatsächlich alle über den Dalai Lama und selbst Intellektuelle haben wenig Verständnis für ein freies Tibet. Dabei sind die Fakten eigentlich nicht sehr schwer zu verstehen und auch innerhalb der Zensur noch immer klar herauslesbar. Denn wie im obigen Beispiel ist es ja nicht so, dass die Sachen, die Berichtet werden falsch sind, sondern dass eben nur sehr selektiv berichtet wird. Meine chinesischen Kollegen haben nur die Bilder gesehen, wie Tibeter Chinesen anzünden und lynchen. Die anderen Bilder, die es auch gibt, hat zumindest in meinem Umkreis kaum jemand gesehen, obwohl sie im Internet nicht einmal gesperrt sind.

Bemerkenswert finde ich aber auch, dass sich in China keiner die naheliegendste Frage stellt: Wieso wollen Tibeter eine Unabhängigkeit oder mehr Autonomie gegen jegliche wirtschaftliche Logik, wenn es ihnen doch so gut im Reich der Mitte geht.

PS: Die Zensur in China ist vermutlich viel viel besser organisiert als die im Iran.

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BeitragVerfasst am: Do 20. März. 2008; 09:55 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Hier noch einmal ein Beispiel, wie die chinesische Propaganda funktioniert.

Zitat:
Ein deutscher Chinaexperte sagte am Dienstag, dass es sich kein Staat der Welt leisten könne, Aufstände mit so einem großen Gewaltpotential in seinen Städten laufen zu lassen, ohne polizeilich oder militärisch einzugreifen.

Eberhard Sandschneider, Direktor des Forschungsinstitutes der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, machte diese Bemerkung, als der in einem Chatraum der ARD online mit Surfern die Tibetfrage diskutierte.
Auf die Frage, wie wohl die deutsche Regierung handeln würde, wenn China die Unabhängigkeit Bayerns unterstützen würde, meinte Sandschneider, dass Deutschland gleich reagieren würde. Die Deutsche Regierung müsste mit Nachdruck die Einmischung in innere Gelegenheiten verbieten.

Wenn es am 1. Mai in Kreuzberg randalierende Demonstranten gebe, die Schaufenster einschlagen und Fahrzeuge anzünden, greife auch in Deutschland die Staatsgewalt mit aller Konsequenz durch, sagte Sandschneider.

„Es ist wichtig, nicht nur besserwisserisch nach China zu schauen sondern gelegentlich mal auch in den eigenen Spiegel. Ich versuche also eigentlich nur, Sie einzuladen, einen Perspektivwechsel vorzunehmen, um hoffentlich zu dem Ergebnis zu kommen, dass einseitige Sichtweisen nicht weiterhelfen und eine ausschließlich kritische Sicht auf das Vorgehen der chinesischen Kräfte durchaus auch an der Sache vorbeigehen kann“, fügt Sandschneider hinzu.

Am gleichen Tag ist die Tibetfrage auch auf der Webseite des Westdeutschen Rundfunks besprochen worden.

„Ich halte das Vorgehen der (chinesischen) Regierung für gar nicht so schlecht. Wie würden Länder anders reagieren, wenn ihre territoriale Integrität gefährdet ist?“, fragte ein 27-jähriger Internet-User, der sich mit dem Namen Andy Duisberg registriert hatte. Gewiss habe China Probleme beim Respektieren der Menschenrechte, meinte Duisberg. Aber es sei bereits ein großer Erfolg für die chinesische Regierung, dass es ihr überhaupt gelänge, dieses große Land mit seinen vielen Ethnien zusammenzuhalten.


Das Originalinterview findet man hier an dieser Stelle:
http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll60.html

Dein Beitrag von Andy Duisberg konnte ich im Netz überhaupt nicht finden.

Die Zitate sind im ersten Fall zwar richtig und im zweiten Fall vermutlich ebenfalls, aber die Proganda ist nicht im geschreibenen, sondern im weggelassenen Teil.

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BeitragVerfasst am: Mo 24. März. 2008; 03:10 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Weil ich die chinesische Propaganda so liebe, zeige ich euch hier ein weiteres Highlight. Es ist ein Text von CRI (China Radio International)

Zitat:
Sabotageakte in Lhasa von Dalai-Clique angezettelt

Die Saboteure, die sich an den Gewalttaten am 14. März in der tibetischen Hauptstadt beteiligten, haben vor kurzem zugegeben, dass diese blutigen Sabotageakte von der Dalai-Clique sorgfältig und vorsätzlich organisiert und angezettelt wurden. Ausgeführt wurden sie von inländischen und ausländischen tibetischen Separatisten gemeinsam.


Die Saboteuere oder einer?

Zitat:
Drolma, ein Saboteur aus Nginchi, hat gestanden, von den tibetischen Separatisten angestellt worden zu sein.


Soso? Bezahlt die Dalai-Clique nun also auch noch Geld an die Aufständischen, oder handelt es sie dabei vielleicht doch eher um Aussagen von Folteropfer?

Zitat:
Einer der Hauptsaboteure Nawang Langji hat in Lhasa fünf Läden betrieben. Seine sechs Angestellten seien alle vorbestraft.


so what? In China gibts Leute, die viel mehr als fünf Läden betreiben. Und was waren ihre Vergehen? Geschwindigkeitsübertretung?

Zitat:
Die internationale Gemeinschaft hat gegenwärtig ihr Verständnis und ihre Unterstützung bezüglich einer gesetzlichen Strafe für Beteiligte an den Sabotageakten in Lhasa geäußert.
Unter anderen sprachen auch Nordkorea, die Republik Mongolei, Nepal, Bangladesch, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Georgien, Syrien, die Botschafter der afrikanischen Länder in China und die Shanghaier Kooperationsorganisation (SCO) ihre Unterstützung aus.


Das ist wohl die grosse Versammlung der Länder, in denen Menschenrechte nicht gelten. Auch eine recht amüsante Art, Nachrichten zu schreiben.

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BeitragVerfasst am: Fr 28. März. 2008; 04:37 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Ein weiteres Highlight von CRI:

Zitat:
Deutsche Hörer sind unzufrieden mit falschen Berichten über Tibet

Die Sabotageakte in Lhasa vor wenigen Tagen wurden international aufmerksam verfolgt. Einige westliche Medien haben aber darüber nicht objektiv berichtet.


Gemeint sind damit ein paar Fehler, die aber im Rahmen der Berichterstattung immer wieder vorkommen. Zum Beispiel eine falsche Bildlegende. Zumindest bei Tageszeitungen ist es aber so, dass manchmal die Legenden geschrieben werden, bevor der Autor das Bild sieht. Andere Fehler oder "nicht objektive Berichte" sind auf ähnliche Probleme zurückzuführen.

Zitat:
Der chinesische Außenministeriumssprecher Qin Gang hat am Donnerstag in Beijing vor der Presse erklärt, durch die falsche Berichterstattung über die Sabotageakte in Lhasa habe die chinesische Bevölkerung das wahre Gesicht der westlichen Medien klar erkannt.


Da bin ich aber gespannt, welches dieses wahre Geschicht ist. Ich muss vielleicht mehr mit der chinesischen Bevölkerung reden. Allerdings vermute ich, dass diese genauso wenig eine einheitliche Masse von Menschen ist, die alle das gleiche denken, wie die westlichen Medien alle das gleiche Gesicht haben. Vermutlich aber ist das wahre Geschicht, dass die westlichen Medien von der "Dalai-Clique" unterminiert sind. Nur frage ich mich: Wenn diese Clique so stark sein sollte, dass sie dies könnte, wieso ist dann Tibet noch immer ein Teil Chinas?

Zitat:
Deutsche Hörer von CRI haben per Email ihre Unzufriedenheit über die schlecht recherchierten Berichte einiger deutscher Medien zum Ausdruck gebracht.


Deutsche Hörer haben immer etwas zu kritisieren. Smile

Zitat:
Helmut Matt hat geschrieben, man wolle durch die Sabotageakte in Tibet die Olympischen Spiele in Beijing boykottieren.


Ich habe einmal nach dieser Aussage gesucht und bei seinen Mails habe ich nichts zu den "Sabotageakten" gefunden. Allerdings scheint dieser Herr Helmut Matt ohnehin kein sehr kritischer Geist zu sein, denn in allen seinen Mails lobt er das chinesische Radio (und einmal das russische), so dass man sich bei diesem Schreibstil fragen muss, ob es diesen Herrn Matt überhaupt gibt, oder er einfach von CRI erfunden wurde.

Zitat:
Bernd Kolkwitz bedauert es sehr, dass China in den vergangen Tagen wegen der Sabotageakte von einigen deutschen Medien angriffen wurde.


Herr Kolkwitz scheint wenigstens zu existierieren. Ob er allerdings Autor der Zeilen ist?

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