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Koreanische Geschichte - die Oeffnung des Landes durch Japan
BeitragVerfasst am: Mi 13. Okt. 2004; 04:53 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Ich habe gerade in einem Buch zur Japanischen Geschichte gelesen, dass Korea erst 1876 durch eine japanische Invasion geöffnet worden ist - etwa so wie ein paar Jahre zuvor Japan selber durch die amerikanischen Kriegsschiffe. Weiss jemand, wie lange diese koreanische Selbstisolation gedauert hat, was die Gründe dafür waren und so weiter? Ich würde mich gerne über einen historischen Vergleich zwischen der japansichen und der koreanischen (Selbst?)Isolation unterhalten.

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BeitragVerfasst am: So 17. Okt. 2004; 14:22 Antworten mit Zitat
Gast




Seufz......das ist doch wieder typisch Japan!

Japaner und Koreaner haben ein sehr sehr angespanntes Verhältnis.

Wahr ist: Korea hat die Isolation nicht wegen Japan aufgegeben, sondern vor allem weil ein fortschrittssüchtiger König (Kojong) auf dem Thron saß, der sich Telephon, Straßenbahn, Autos etc. importieren ließ, weil er den Fortschritt der anderen Nationen so bewunderte.

In Korea selbst spielte für die "Isolation" mehreres eine Rolle:

1. Eine Isolation im vollkommenen Sinne gab es nie, denn zu China hatte man immer blühendste Beziehungen und Handel, ebenso zu anderen asiatischen Reichen. Isolation nur gegenüber Japan und dem Westen.

2. Die durch Konfuzianismus und Neokonfuzianismus verinnerlichte Moralverstellung kollidierte aufs Schärfste mit der christlichen, die der Westen propagierte. Trotzdem hatte das Christentum unter den Armen Zulauf, was in schrecklichen Massakern endete.

3. Gesellschaftlich kämpften die Sohak mit der Tonghak, d.h. die Anhänger der westlichen Lehren, gegen die Anhänger der östlichen Lehre.

4. Isolation bedingt durch schlechte Erfahrungen: Durch hunderte von Kriegen (besonders mit Japan, das in keinem der Kriege angegriffen wurde, sondern JEDES MAL der Aggressor war!) merkte man, dass Kriege und internationale Politik nur Verflechtungen und Verwerfungen hervorrufen, die zu Leid führen. Man kapselte sich daher ein und versuchte sozusagen "sein Ding" zu machen...Funktionierte auch recht gut, bis sich die Welt jedoch änderte und Korea nichts mehr mitbekam.
Als sie es mitbekamen, war es längst zu spät und auch die eiligen Versuche Kojongs konnten nichts mehr ändern.

Nach dem Sieg Japans sowohl im Japanisch-Russischen, als auch im Sino-Japanischen Krieg war die japanische Vormachtstellung in Ostasien nicht mehr zu verhindern und die Japaner verleibten sich langsam aber stetig (u.a. mit der Ermordung der einflussreichen Königin) Korea ein. Die USA hatten Korea lange Zeit beschützt, jedoch nur aus wirtschaftlichen Interessen, die sie nun fielen ließen.

Nicht typisch Japan
BeitragVerfasst am: Mo 18. Okt. 2004; 04:21 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Ich habe hier ein Buch von einem deutschen Historiker über die japanische Aussenpolitik in der frühen Meiji Zeit. Er heisst Wieland Wagner.

Er vertritt eine doch recht andere These als Du (ich nehme an, Du bist Kimchi, oder?). Er sieht die Oeffnung Koreas als ein Resultat der amerikanischen Oeffnung Japans durch Perry an und zwar insofern als dass Japan davon gelernt habe, wie man ungleiche Verträge schaffe. Interessant ist auch das Detail, dass der japanische Unterhändler Kuroda vom amerikanischen Gesandten in Tokyo Binham ein Buch über Perry erhielt und dieses offenbar als Vorbild für seine Verhandlungen nahm. Im Buch steht weiter (Seite 134):

Zitat:
Aufgrund der militärischen Bedrohung durch Japan und die Empfehlung der chinesischen Tributherren stimmte die Regierung in Seoul am 26. Feb. 1876 dem Abschluss eines Vertrages zu, der in seiner Präampel die völkerrechtliche Gleichheit beider Völker sowie die Unabhängigkeit Koreas festlegte. De facto entsprach der Vertrag, der insbesondere die Oeffnung zusätzlicher Häfen für de Handel und die Exterritorialität festschrieb, dem Muster der vom Westen praktizierten "ungleichen Verträge". Die Hervorhebung der Gleichheit und der Unabhängigkeit zielte darauf, Korea aus dem chinesischen Tributsystem herauszubrechen.


Allerdings beleuchtet Wagner nur die japanische Seite. Wenn Du also Literaturtipps zur koreanischen Geschichte hättest, würde mich das sehr interessieren. Ich will ja nicht einfach die japansische Position vertreten, sondern diese auch hinterfragen.

-----------------------------------------------------------------------

Noch zu Deinen Punkten:
1. auch in Japan war die Isolation nicht vollkommen. Verschiedene Orte pflegten ebenfalls Handel.
2. Was sind das für Massaker? Waren die in Korea oder meinst du die in Japan kurz vor der japanischen Isolation?
4. Soweit ich weiss, hat auch China gelegentlich Korea angegriffen. Bemerkt werden muss aber trotzdem, dass Japan zweimal von China angriffen wurde und der Aufmarsch über Korea erfolgte. Dass China es nicht schaffte, Japan wirklich anzugreifen, liegt ja am berühmten KAMIKAZA, also Götterwind, der die chinesische Flotte versenkte. Japanische Quellen, die Wagner zitiert ich aber leider aus sprachlichen Gründen nicht überprüfen kann, belegen offenbar, dass gerade Japan sich von Korea bedroht fühlte und dieser Bedrohung mit einer Invasion zuvorkommen wollte.

Zitat:
Die USA hatten Korea lange Zeit beschützt, jedoch nur aus wirtschaftlichen Interessen, die sie nun fallen ließen


Wie erwähnt, haben amerikanische Gesandte Japan zur Oeffnung Koreas ermuntert, auch das natürlich aus wirtschaftlichen Interessen. Das sollte man hier eben auch noch erwähnen.

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BeitragVerfasst am: Mo 18. Okt. 2004; 22:12 Antworten mit Zitat
Kimchi
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Nun.....

Zum Einen ist zu bemerken:

Wir müssen uns über die Zeiträume klar werden:

Korea hat sich AKTIV, SELBSTSTÄNDIG ab etwa 1880 geöffnet (Beweise dafür sind z.B. die Aufenthalte von Möllendorff und Eckert am Hofe in Hanyang und nicht zuletzt auch das beginnende Engagement von Horace Underwood [Gründer der Yonsei-Universität])...

Es ist - so hart muss ich es sagen und bleibe dabei - ein von rechten/faschistischen Kräften in Japan auch nach dem Krieg erfolgreich lanciertes und von der Koizumi-Regierung in Geschichtsbüchern übernommenes Ammenmärchen, dass Japan Korea "geöffnet" hätte...

Man kann Korea vorwerfen, dass es sich nicht schnell genug geöffnet hat, sich der Min-Clan oder der Yun-Clan zu stark in Machtkämpfen aufgerieben haben, aber was einfach nicht stimmt, ist, dass Korea ein Einsiedlerreich war und erst mit der japanischen Kolonialisierung bzw. dem "Schutz"-vertrag dann geöffnet hat/wurde.

Mit den ungleichen Verträgen hast du/Wagner Recht...Korea hat sich in ungleiche Bündnisse, Verträge etc. reindrängen lassen mit den einfachsten Methoden....Die Könige hatten keinen Überblick über die komplexen Bündnisverpflichtungen, die sich in der Welt ergeben hatten und waren leicht durch Schmeichelei und Lob zu beeinflussen.

Wo ich allerdings noch mal herrlich auflachen möchte: Japan sich bedroht ?

Besagter Aufmarsch der Chinesen war meines Wissens nach die Rache für eine Invasion der Japaner wenige Jahre zuvor ?!

Also so bedroht gewesen kann Japan gar nicht sein, wie sie "Präventivkriege" geführt haben....Es gab nicht EIN Jahrzehnt in der koreanischen Geschichte in der nicht irgendeine Invasion stattgefunden hat.
Allein die Invasionen von 1592 und 1598, wo etwa 80% der koreanischen Halbinsel zerstört wurde, reichen doch wohl um zu illustrieren, wer hier der Aggressor ist!

Wer hat denn den Chinesisch-Japanischen, den Russisch-Japanischen, den Pazifikkrieg und eigentlich alle ostasiatischen Kriege [Mongolenkriege ausgenommen] angezettelt ? China hatte nur marginales Interesse an Japan und Korea hatte keine Mittel....Korea war immer beschäftigt sich gegen Uiguren, Mongolen, Japaner und sonstige Horden zu verteidigen und mithilfe des Großen Bruders China seine Eigenständigkeit zu bewahren...

just my 2 cents...

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BeitragVerfasst am: Mo 18. Okt. 2004; 23:44 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Ich kenne die Geschichte und die inneren Zusammenhänge in Korea kaum, ich habe mich bisher eher mit der japanischen Problematik beschäftigt. Dennoch glaube ich nicht, dass ich ein faschistisches Geschichtsbild und japanische Propaganda vertrete - zumal ich ja in erster Linie frage und nicht behaupte. Diesen Vorwurf will ich also überlesen haben.

Du hast recht, über die Zeitpunkte müssen wir uns in der Tat klar werden. Wenn Du von 1880 sprichst, dann betrifft das ja bereits eine Zeit nach einer allfälligen Oeffnung durch Japan. Insofern würde das durchaus in Analogie zur Japanischen Oeffnung stehen. Diese kam auch durch äussere Umstände zustande und bewirkte danach eine selbstgewählte Oeffnung. Man denke beispielsweise an die Iwakura-Mission durch Amerika und Europa, die zur inneren Modernisierung diente, mit welcher man hoffte, die Abhängigkeiten abzuschütteln. Wenn also Korea sich ab 1880 selbstständig öffnete, schliesst das eine gewaltsame Oeffnung durch Japan ja keineswegs aus.

Natürlich war Korea kein Einsiedlerreich. Das ist klar. Aber es war doch stark abgeschottet und Korea hat sich die Jahre vor dem Japanischen "Schutzvertrag" geweigert, japanische Gesandte zu empfangen. Der Handel verlief über diese Insel, welche genau zwischen Korea und Kyushu liegt. Ich glaube, sie heisst Tsushima, bin aber nicht mehr ganz sicher.

Zitat:
Wo ich allerdings noch mal herrlich auflachen möchte: Japan sich bedroht ?


Uih! Da würde ich mal überhaupt nicht auflachen - vor allem nicht heute. Dass Japan objektiv nicht bedroht war, darüber brauchen wir nicht diskutieren. Das ist heute klar, aber das ist auch nicht die Frage. Es geht viel mehr darum, ob es sich bedroht fühlte - und das tat es offenbar. Ich sehe das in enger Analogie zur heutigen Situation zu den USA, die seit nun mehr drei Jahren sich bedroht fühlt und aufgrund eines im Vergleich an sich lächerlichen Terroranschlages sich zu verschiedenen Kriegen und Abschliessung des Landes berechtigt fühlt und das nun vielleicht sogar nochmals einen Kriegstreiber wählt. Subjektive und objektive Bedrohung müssen fürwahr nicht zusammenfallen.

Zitat:
Es gab nicht EIN Jahrzehnt in der koreanischen Geschichte in der nicht irgendeine Invasion stattgefunden hat.


Ich weiss nicht, wie Du auf diese Aussage kommst. Aber vor der Meijizeit gabs doch 200 Jahre keine Invasionen mehr. Oder habe ich da eine Lücke?

just my 1,5 cents


PS: ich bereite mich zu diesem Thema für meine Geschichtsabschlussprüfung vor. Wenn Du also deine Thesen mit Literatur (nicht Seitenzahl aber wenigstens das Buch) belegen kannst, könnte ich mich auch mit einem objektiveren Bild an die Prüfung begeben. Wir wollen ja keine Propaganda verbreiten.

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BeitragVerfasst am: Di 19. Okt. 2004; 11:33 Antworten mit Zitat
Kimchi
Hardcoretraveller
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grins...ich werfe dir keineswegs vor bewusst eine solche Propaganda zu vertreten...Die Frage ist nur, inwieweit dieses Gedankengut in der Forschung Einzug gehalten hat und die ist leider sehr eindeutig zu beantworten Smile

Nun, meine Informationen habe ich nicht aus hochwissenschaftlichen Büchern...Ahber Interessant ist zum Beispiel:

Der Untergang des Alten Korea von Ingeborg Göthel

Erinnerungen der Prinzessin I-Gyong

Korean History: Discovery of its Characteristics and Developments (Volume V)

Sind eher schwer zu bekommen in Deutschland. Das erste der drei bekommt man bei www.koreanbook.de

Die koreanischen Quellen sind leider auch heute noch oft mit Vorsicht zu genießen, da übertriebener Patriotismus auch vor Wissenschaft nich Halt macht.

Trotzdem sehr interessant und sehr neutral gehalten ist die Hanguk Yoksa von Kim Min-Chul.

Und ansonsten habe ich mein Wissen durch die originallen Quellen:

Samguk Yusa, Samguk Sagi, Sejong Shillok.....Wenn man sich da mal (in Auszügen) durchgearbeitet hat, weiss man, was man geschafft hat Very Happy

Die Sejong Shillok ist übrigens die detaillierteste und umfangreichste Chronik der Welt. Auch eine der neutralsten, da die Verfasser absolute Immunität genossen und somit als Einzige Kritik am König üben konnten.

Soviel zu meinen Quellen Very Happy

Ich möchte übrigens gar nicht aggressiv wirken oder dich angreifen. Man hört bloß immer wieder diese Märchen von japanischer Seite und da brennt es einem auf, in und unter den Nägeln Wink

Noch mal zu den Invasionen: Der Teufel steckt im Detail. Von koreanischer Seite wird eine Invasion sehr weit gesteckt. Es kann eine offizielle staatliche Methode sein, um einen anderen Staat zu unterdrücken, es können vom Staat bezahlte Piraten sein, die Häfen überfallen etc. Du hast absolut Recht, wenn du sagst, dass es keine größeren Invasionen gegeben hat in dieser Zeit. Es gab aber immer wieder kleinere Gefechte, Scharmützel und vor allem Überfälle auf koreanische Fischerdörfer und Küstenstädte. Insbesondere die Insel Cheju wurde immer wieder besetzt.

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BeitragVerfasst am: Mi 20. Okt. 2004; 07:19 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Immerhin Ingeborg Göthel scheint eine Wissenschaftler zu sein. Ich habe mir mal ihr Buch bestellt.

Zitat:
Die Sejong Shillok ist übrigens die detaillierteste und umfangreichste Chronik der Welt. Auch eine der neutralsten, da die Verfasser absolute Immunität genossen und somit als Einzige Kritik am König üben konnten.


Das muss nicht viel bedeuten... Smile

Zitat:
Noch mal zu den Invasionen: Der Teufel steckt im Detail. Von koreanischer Seite wird eine Invasion sehr weit gesteckt. Es kann eine offizielle staatliche Methode sein, um einen anderen Staat zu unterdrücken, es können vom Staat bezahlte Piraten sein, die Häfen überfallen etc. Du hast absolut Recht, wenn du sagst, dass es keine größeren Invasionen gegeben hat in dieser Zeit. Es gab aber immer wieder kleinere Gefechte, Scharmützel und vor allem Überfälle auf koreanische Fischerdörfer und Küstenstädte. Insbesondere die Insel Cheju wurde immer wieder besetzt.


Nun ja, wenn man Invasion so weit definiert, dann wird für mich zumindest der Begriff der Invasion schon fast beliebig. Für mich ist eine Invasion doch eine militärische Aktion und dazu habe ich dem oben zitierten Buch eine interessante Stelle gefunden:

Zitat:
"Nach seiner Ankunft in Inchon rüchte Hanabusa am 16. August (1882) in Seoul ein, womit sich zum erstenmal seit über dreihundert Jahren wieder japanische Soldaten in der koreanischen Hauptstadt befanden" S. 163


Es steht Hauptstadt. Daraus kann man vermuten, dass es andere Invasionen gegeben hat, die im Buch aber nicht expliziert erwähnt wurden. Es geht darin ja auch nur um die Meijizeit.

Trotzdem: ich glaube, dass man vereinzelte Piratenangriffe nicht als Invasion bezeichnen kann, selbst dann nicht, wenn sie wirklich von der Regierung angeordnet worden wären. Wobei wir hier aber wohl letztlich nur die Begriffe anders setzen, inhaltlich aber das gleiche meinen.

Nochmals zurück zur Oeffnung: ich konnte noch immer nicht ganz nachvollziehen, wieso du die Oeffnung als ein japanisches Märchen bezeichnest. (Zumal das ja nicht gerade ein löbliches Kapitel der japanischen Aussenpolitik darstellt und es somit eigentlich einleuchtender wäre, wann Japan die Oeffnung negieren würde.)

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BeitragVerfasst am: Mi 20. Okt. 2004; 16:34 Antworten mit Zitat
Kimchi
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Ja, wir sollten den Begriff der Invasionen nicht totreiten....

Auch wenn hierzu wieder zu sagen ist: Natürlich rücken Truppen nicht bei jeder Invasion in die Hauptstadt ein (wie du bereits sagst), denn geographisch bedingt waren die meisten Invasionen der Japaner an Süd- und Ostküste...Von dort ist es ein verhältnismäßig langer Weg bis Seoul (damals Hanyang) und meist haben die Chinesen rettend eingegriffen...
Trotzdem kam es dutzende Male auch nach 1598 zu längerfristigen Besetzungen von Teilen des koreanischen Gebietes und vor allem Plünderung und Verschleppung. Was wäre zum Beispiel die japanische Porzellankunst ohne die etwa 30.000 verschleppten Töpfer aus Korea ?


Ich bezeichne nicht die Öffnung als ein japanisches Märchen! Es geht darum, wer sich geöffnet hat:

Ob Korea aus eigenem Antrieb oder auf Drängen und aktiven Druck Japans hin. Die Konsequenz ist dieselbe, doch es ergibt sich eine ganz andere Sicht auf die Geschichte! Darum geht es mir...

Korea hat sich selbst und aus eigenem Antrieb dem Westen geöffnet und wurde dann von Japan betrogen, verarscht und im Endeffekt geschluckt.

Es geht aber darum, ob die Modernisierung den Japanern zu verdanken ist oder ob nicht die Koreaner selbst die Initiative ergriffen, aber in ihrem Bestreben dann durch die Weltpolitik in einer freien Entfaltung gehindert wurden und sozusagen die zarte Pflanze der Öffnung durch die Japaner zertreten wurde. Um nicht mehr oder weniger geht es.

Für dich mag solch ein minimaler Unterschied nichts bedeuten, für die Beziehungen zwischen JApan und Korea, d.h. also für über 70 Millionen Koreaner ist es ein sehr wichtiger Punkt.

Denn es ist unbestreitbar so, dass noch heutzutage von Japan in OFFIZIELLEN GESCHICHTSBÜCHERN behauptet wird, dass Japan die asiatischen Staaten modernisiert habe und ihnen geholfen habe. Dieses japanische Ammenmärchen meine ich und es muss einfach mal immer wieder dementiert werden.

Ich werde DIR ja keineswegs vor eine solche Meinung zu haben. Es passiert nur leicht, dass man den immer noch aktiven und einflussreichen faschistischen Kräften in Japan erliegt, weil deren Meinungen und Ansichten überall Einfluss gefunden haben.

Du sagst, dass Japaner es eigentlich negieren müssten, weil es ein schlechtes Kapitel ihrer Geschichte ist. Nun, um genau zu sein: Sie machen es viel geschickter, indem sie die negative Geschichte positiv umschreiben...Einige Beispiele:

Kolonialisierung -> Wohlstand für ganz Asien
Trostfrauen -> Freiwillige Prostituierte
Verschleppung und Zwangsarbeiter -> Bildungschancen in Japan
Massaker in Nanking -> gabs ja nie Wink

Ich rede hierbei nicht von all deinen Quellen als solchen, sondern von der allgemeinen Meinung, die wie gesagt wahrscheinlich auch in Teilen deiner Quellen anklingt.

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BeitragVerfasst am: Fr 22. Okt. 2004; 07:33 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Ich habe gerade angefangen mit der Geschichte Südkoreas von Ingeborg Göthel. Wobei ich schon ein bisschen Mühe mit ihrer marxistischen Terminologie habe:

Zitat:

Mit dem Eintritt des Kapitalimus in sein imperialistisches Stadion...
S. 9


Aber, das muss man dann halt einfach überlegen... Smile

Nein, wir wollen überhaupt nichts totstreiten. Das mit den Invasionen finde ich schon spannend. Ich möchte es ja auch wissen. Das mit den Töpfen habe ich nicht verstanden. Kannst du das mal noch kurz ausführen?

Ah, ich glaube, ich habe Dich nun verstanden. Nein, es liegt mir natürlich fern, das zu behaupten, was du meinst. Wir müssen hier natürlich zwischen der Oeffnung selbst und der Konsequenzen der Oeffnung unterscheiden. Dass die Oeffnung von Japan zumindst iniziert wurde, lässt sich kaum betreiten, auch wenn es vorher natürlich bereits Kontakte zu China und zu dieser vorgelagerten japanischen Insel gab. Dass Japan Korea ungleiche Verträge aufgedrückt hat, liesse sich ja problemlos aus den Quellen verifizieren. Also besteht hier ja vermutlich nicht mal eine Meinungsverschiedenheit.

Die Frage ist eigentlich nur, inwieweit Korea sich daraufhin selbst dem Westen öffnete, oder auch dort vom Westen in ungleiche Verträge gezwungen wurde. Ich weiss es nicht genau, aber bei solchen Verträge gab es ja häufig die Meistbegünstigtenklausel. Dieser völkerrechtliche Grundsatz bedeutet in etwa, dass die Vorteile, die für Japan gelten automatisch auch für alle anderen Länder gelten. (Falls jemand das genauer definieren oder erklären könnte, würde ich mich freuen). Das hiesse dann, dass Japan (völkerrechtlich) eben Korea auch für den Westen geöffnet hätte. Wir müssten nun vielleicht einmal die Veträge genauer anschauen, um mehr darüber sagen zu können. Dazu steht allerdings in dem Buch, das ich lese, überhaupt nichts.

Und eine weitere Frage ist natürlich, in wie weit die Modernisierung, die darauf kam, eine Folge der japanischen Oeffnung ist. Wenn wir Folge als ein rein zeitlich und wertungsfrei-kausalen Begriff verstehen, können wir gewiss bei der Modernisierung von einer Folge sprechen. Dass diese Folge jedoch nicht von Japan bezweckt war, sondern vielmehr als eine Reaktion zu verstehen ist, scheint mir auch recht klar.

Was für mich hier jedoch interessant ist, ist die Gleichung:

USA -- > Japan
Japan --> Korea

Denn auch Japan wurde ja nicht von den USA und dem Westen modernisiert, sondern hat diesen Weg selbst gewählt. Genau so wie Korea. Und ebenfalls in Folge der gewaltsamen Beendung der Selbstisolation. Das finde ich wirklich sehr spannend, zumal dies ja nicht die Regel ist. Die meisten Länder, die vom Westen zum Handel gezwungen wurden, verkamen innert kürzester Zeit zu Kolonien. Was macht es auch, dass es gerade in Japan und Korea anders lief - und gibt es doch noch andere Beispiele?

Zitat:
Denn es ist unbestreitbar so, dass noch heutzutage von Japan in OFFIZIELLEN GESCHICHTSBÜCHERN behauptet wird, dass Japan die asiatischen Staaten modernisiert habe und ihnen geholfen habe. Dieses japanische Ammenmärchen meine ich und es muss einfach mal immer wieder dementiert werden.


Diesen Absatz kann ich nur unterstreichen. Das ist auch meine Ansicht. Die Umwertung der Ereignisse ist reine Propaganda. Ausserdem stimmt es auch nicht - Japan hat sich in keiner Kolonie um die Modernisierung bemüht. Gut, vielleicht waren sie auch in den meisten zu kurz - und wenn man Hokkaido oder die Ryukyuinseln anschaut, sieht die Situation doch wieder anders aus... Trotzdem: der Zweck der meisten Kolonien war nicht der Wohlstand für alle, wie es immer hiess, sondern der Wohlstand für alle Japaner auf Kosten der Kolonien. Wobei sich hierin der japanische Kolonialismus ja auch nicht vom europäischen unterscheidet.

Und, um das nochmals zu betonen:

Zitat:
Für dich mag solch ein minimaler Unterschied nichts bedeuten, für die Beziehungen zwischen JApan und Korea, d.h. also für über 70 Millionen Koreaner ist es ein sehr wichtiger Punkt.


Für mich bedeuten solche kleinen Unterschiede sehr viel. Also lass uns ruhig weiter über die "Kleinigkeiten" diskutieren...

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BeitragVerfasst am: Fr 22. Okt. 2004; 11:04 Antworten mit Zitat
Kimchi
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grins...gut, dass wir uns jetzt verstanden haben....das lustige an der Sache ist ja, dass wir eigentlich die ganze Zeit den mehr oder weniger gleichen Standpunkt hatten/haben Very Happy

Ingeborg Göthel ist eine...nun....hüstel....sehr...sehr...treue Anhängerin ihres Systems...

Das Problem bei den meisten anerkannten Koreanisten ist, dass sie allesamt NORD-koreanisten sind, d.h. aus der DDR stammen....

Die Professoren in Tübingen und Hamburg und an der FU Berlin sind aber da nicht ideologisch...Und besonders der Koreanistik-Fachbereich in Siena Italien ist gigantisch! Diese kleinen Fachbücher kann ich dir da ans Herz legen..guck ma bei www.koreanbook.de ^^

Das besagte Buch von Frau Göthel ist in meinen Augen zwar recht umfangreich, aber weder neutral, noch sinnerhellend...
Das andere Buch von ihr ,Untergang des Alten Korea, ist jedoch sehr gut geschrieben, was ich sehr überraschend fand.

Wenn man wirklich was über Korea erfahren will, dann solte man sich die Anthology of Korean Studies zulegen....Die ist aber für jemanden wie dich, der eigentlich ein anderes Fachgebiet hat und auch was von Korea wissen möchte 1. zu umfangreich 2. zu teuer und 3. sicher auch nicht besonders nützlich ^^


Die Töpfer: Bei den Invasionen wurden immer wieder Töpfer verschleppt, die als eine frühe Form von Zwangsarbeitern den Japanern die Kunst der Seladon-Keramiklasur beibringen mussten, sowie allgemeine Fertigungstechniken.

Eine Invasion war m.W. sogar nur für diesen Zwecke gestaltet, da den Japanern der Import dieser teuren Ware zu kostspielig wurde.
Insgesamt sind wohl 30.000 Töpfer verschleppt worden.

Übrigens: Natürlich sind nicht nur die Japaner an der falschen Interpretation Koreas' Rolle Schuld: Interessant ist ein Artikel von Yi Tae-Jin zu dem Thema, der den Amerikaner William Eliot Griffis zitiert, der über die Verhältnisse in Ostasien folgendes bemerkte:

Zitat:
"As one diamond cuts another, why should not Cho Ka open Chosen ?


Derselbe Herr schrieb übrigens 1882 ein Werk über Korea (er war einmal(!) dort) mit dem bezeichnenden Namen "The hermit Kingdom" und ist damit leider sehr dafür verantwortlich, dass selbst in der heutigen Rezeption die Kolonialisierung Koreas eine

Zitat:
"Annexation as a result of the failing modernization based on own strength and will"


Man kann in diesem Zusammenhang eines konstatieren: Die Amerikaner haben sich in ihrem Korea-Bild leider auch sehr stark von dem von Japan propagierten leiten lassen...

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BeitragVerfasst am: Mo 01. Nov. 2004; 22:16 Antworten mit Zitat
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Die deutschsprachige Korealiteratur scheint mir sowieso nicht gerade hervorragend und auch nicht gerade sehr dicht gestreut zu sein. Das andere Buch von Gothel haben wir leider nicht an unserer Uni. Nunja, werde ich wohl mal zu einem späteren Zeitpunkt das umfangreiche Werk lesen müssen... Wie erklärst Du Dir, dass Korea für Osteuropäische Forscher so viel spannender was als für westliche Wissenschaftler?

Der Teil nach "übrigens" verstehe ich übrigens nicht ganz. Wer ist Yi Tae-Jin und was bedeutet "why should not Cho Ka open Chosen"? (Du solltest vielleicht bei deinen Postings bedenken, dass die Leser (und auch ich) keine so grosse Experten sind, dass Du alles voraussetzen kannst... Smile)

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BeitragVerfasst am: Mo 01. Nov. 2004; 22:24 Antworten mit Zitat
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Da du Japan-Freak bist, dachte ich, dass du Cho Ka verstehst -.- Very Happy

Cho Ka = Japan

Cho Sen = Korea auf Japanisch

Osteuropäisch...grins....Ist doch ganz einfach...Die kommunistischen [sozialistischen] Bruderstaaten pflegten sehr intensive Beziehungen zueinander....Überleg mal:

Südkorea war z.B. für die BRD ein Land unter ungefähr 160 (damals "freien Länder")

Nordkorea war für die DDR ein Land unter vielleicht 20....

Dementsprechend haben sich die Interessen da aufgespalten..

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