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China diskutiert über Abkehr der Einkindpolitik.
BeitragVerfasst am: Sa 09. Okt. 2004; 21:32 Antworten mit Zitat
Dodge
Gast




Ich habe gerade in einem anderen Forum einen spannenden Beitrag gefunden, der aus einer Zeitung zitiert, die offenbar bereichtet, dass China
aufgrund seiner Ein-Kind Politik über kurz oder lang die Vergreissung drohe, weshalb in China darüber diekutiert wird, ob die Politik noch sinnvoll ist. Es muss ja erwähnt werden, dass es auch bisher schon Ausnahmen in der Regelung gab (zum Beispiel Angehörige von Minderheiten) oder halt reiche Familien. Doch:

"Die neuen Vorschläge gehen weit über die alten Ausnahmeregeln hinaus und würden letztendlich zur Legalisierung von zwei Kindern je Familie führen. Der Plan sieht vor, die Lockerungen zunächst in den östlichen Provinzen einzuführen, wo die Geburtenraten am niedrigsten sind.

(..)Ab 2010 soll Frauen über 35 Jahren ein zweites Kind erlaubt werden. Mit jedem Jahr könne die Altersgrenze um ein Lebensjahr sinken – was erst in 2025 zu einer Freigabe führen würde. Von dem Recht, auch drei oder mehr Kinder auf die Welt zu bringen, ist bislang keine Rede."

http://www.handelsblatt.com/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!200013,200051,799971/SH/0/depot/0/

Um den Artikel ohne Registrierung zu lesen über Google News gehen:

http://news.google.de/news?hl=de&lr=&tab=nn&ie=UTF-8&q=china+vergreisung&btnG=News-Suche

Was meint ihr? Ist das demographisch wirklich sinnvoll oder wird China dann einfach noch mehr überbevölkert?

BeitragVerfasst am: Mo 11. Okt. 2004; 09:17 Antworten mit Zitat
yan
Gast




Natürlich ist es sinnvoll. Meines Wissens ist die Rente in China nicht gerade hoch, und die Versorgung mit Altenheimen nicht besonders flächendeckend - d.h. schon allein aus praktischen Gründen (mal ganz abgesehen von der Tradition) müssen sich die Kinder um ihre Eltern kümmern, wenn diese alt werden. Wenn in einem Paar beide einzelkinder sind, kann das sicher ganz schön schwierig werden.
Natürlich ist ein Volk von Einzelkindern (a.k.a. kleine Könige) an sich schon nicht besonders wünschenswert.

Allerdings habe ich schon mehrfach gehört und gelesen, daß es schon jetzt kein soo großes Problem ist, mehr Kinder zu haben, wenigstens wenn man Geld hat.

BeitragVerfasst am: Di 26. Okt. 2004; 07:12 Antworten mit Zitat
Orangenhaut
Hardcoretraveller
Anmeldungsdatum: 25.10.2004
Beiträge: 86
Wohnort: Zürich




Die chinesische Einkindpolitik war bisher ja wohl kaum erfolgreich. Sie hat die geforderte Verringerung der chinsesischen Bevölkerung nicht erreicht, sondern hat das Wachstum bestenfalls etwas verlangsamt. Wer genügend Geld hatte konnte sich die Ausnahmeregelungen leisten.

Daneben sollte man auch die Schattenseiten sehen: die Zunahme der Abtreibungen und den problematischen Ueberschuss an männlichen Nachkommen, was über kurz oder lang zu einem grossen sozialen Problem werden dürfte - zumal vor allem die wenigen Frauen, die es noch hat sich vorzugsweise ins Ausland verheiraten.
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BeitragVerfasst am: Di 26. Okt. 2004; 15:25 Antworten mit Zitat
yan
Gast




Orangenhaut hat folgendes geschrieben:
Die chinesische Einkindpolitik war bisher ja wohl kaum erfolgreich. Sie hat die geforderte Verringerung der chinsesischen Bevölkerung nicht erreicht, sondern hat das Wachstum bestenfalls etwas verlangsamt. Wer genügend Geld hatte konnte sich die Ausnahmeregelungen leisten.

Daneben sollte man auch die Schattenseiten sehen: die Zunahme der Abtreibungen und den problematischen Ueberschuss an männlichen Nachkommen, was über kurz oder lang zu einem grossen sozialen Problem werden dürfte - zumal vor allem die wenigen Frauen, die es noch hat sich vorzugsweise ins Ausland verheiraten.
Ich glaube nicht, daß bei ein paar Dutzend Millionen weiblichen Neugeborenen im Jahr das Wegheiraten wirklich ein Problem darstellt.
Dass es mehr Abtreibungen gibt dürfte vom Politbüro eher mit einem lachenden Auge gesehen werden, auch ein Frauenmangel dürfte langfristig zu einer weiteren Abschwächung des Bevölkerungswachstums führen.

BeitragVerfasst am: Di 26. Okt. 2004; 15:45 Antworten mit Zitat
Orangenhaut
Hardcoretraveller
Anmeldungsdatum: 25.10.2004
Beiträge: 86
Wohnort: Zürich




Das mag wohl stimmen, aber darum geht es mir gar nicht so sehr. Wenn die wirklich an ihrer Bevölkerungspolitik hängen bleiben wollen, dann bitte! Aber die vielen Männer, die keine Frau finden, bilden den Nährboden für soziale Unruhen. Das ist natürlich nur ein Faktor von vielen. Die Arbeitslosigkeit und so weiter ist ein andrer.

Ich meine auch nicht nur das Wegheiraten, sondern das in Kombination mit dem Abtreiben von Mädchen. Dass die Regierung das nicht ernst nimmt, ist schon klar. Da sieht man wieder wie China die Menschenrechte mit Füssen tritt!
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BeitragVerfasst am: Di 26. Okt. 2004; 16:35 Antworten mit Zitat
yan
Gast




Orangenhaut hat folgendes geschrieben:

Ich meine auch nicht nur das Wegheiraten, sondern das in Kombination mit dem Abtreiben von Mädchen. Dass die Regierung das nicht ernst nimmt, ist schon klar. Da sieht man wieder wie China die Menschenrechte mit Füssen tritt!
Wieso? Es ist doch nicht die Regierung, die die Minderwertigkeit von weiblichem Nachwuchs propagiert?

BeitragVerfasst am: Di 26. Okt. 2004; 23:25 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Hi, ich nehme an, obenstehende Nachricht war von Dir, Yan. Habe sie daher kurz zugeordnet, damit nicht immer Gast steht und keiner weiss, von wem was kommt... Smile

Zitat:
Ich meine auch nicht nur das Wegheiraten, sondern das in Kombination mit dem Abtreiben von Mädchen. Dass die Regierung das nicht ernst nimmt, ist schon klar. Da sieht man wieder wie China die Menschenrechte mit Füssen tritt!


Mir ist nicht ganz klar, was Oragenhaut (was für ein wunderschöner Nickname im übrigen... Smile) damit meint. Meinst du etwa, dass das Nichtverhindern von Abtreibung eine Menschenrechtsverletzung ist? Ich bin kein Jurist, aber ich glaube, das fiele schon nicht darunter.

Allerdings gibt es eine interessante Debatte, ob die Ein-Kindpolitik bereits als Genozid im Sinne der UNO-Völkermordskonvention 1948 bezeichnet werden muss. In dieser Konvention steht nämlich unter anderem (ich habe sie erst kürzlich durchgelesen), dass auch die Geburtenbeschränkung bestimmter Gruppen (und in China gilt diese Beschränkung bekanntermassen nur für Han) einen Völkermord im juristischen Sinn darstellt.

Ich persönlich finde den Begriff hier überstrapaziert, aber man muss sich schon innerhalb der nunmal unterzeichneten Uebereinkunft fragen, wie das ganze völkerrechtlich aussieht.

Andrerseits war es wohl gerade diese umstrittene Regel, die, wie wohl wie keine andere, den Grundstein für das unglaubliche Wirtschaftswachstum und den allgemeinen Wohlstand legte.


Zuletzt bearbeitet von Pantitlan am Mi 27. Okt. 2004; 14:05, insgesamt einmal bearbeitet

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BeitragVerfasst am: Mi 27. Okt. 2004; 13:51 Antworten mit Zitat
yan
Gast




Jaja, der Beitrag war von mir Smile Bin aber trotzdem noch zu faul, mich anzumelden Razz

Ich glaube nicht, daß die Geburtenbeschränkung in der Absicht eingeführt wurde, bestimmte ethnische Gruppen in China ganz oder teilweise zu zerstören. Daher stellt sie nach UN-Definition auch keinen Völkermord dar (jedenfalls laut http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord .

Übrigens gilt die Geburtenbeschränkung nicht nur für Han, sondern auch für (wenigstens einige) Minderheiten. Ich glaube Mongolen dürfen z.B. offiziell nur zwei Kinder haben.

BeitragVerfasst am: So 31. Okt. 2004; 22:21 Antworten mit Zitat
Pantitlan
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Offtopic:
Ich kriege Dich schon noch dazu... Neu bist du nun ja bei einer Anmeldung auch gleich noch im Filmforum, im Kochforum, im Flugzeugforum angemeldet. Die Forenkanäle kann man im Pulldownmenue oben wählen. Ich glaube, die wenigsten haben diese Funktion bis jetzt gesehen... schade...

ontopic:
Da hast Du recht. Das habe ich ganz vergessen, dass es ja einen objektiven und einen subjektiven Tatbestand braucht. Nichtdestotrotz gibt es eine wissenschaftliche Debatte darüber, ob die Einkindpolitik die Völkermordkonvention verletzt. Ich kann mich erinnern, dass ich da was gelesen habe. Aber da mich dieses Thema nicht zentral interessierte, habe ich die Stellen nur überflogen und weiss nicht mehr, auf welcher Grundlage der Vorwurf wie lautet.

Ich dachte, die Politik sei nur für Han. Aber wenn ich mich da an den Film "Urga" erinnere, dann scheint mir das, was Du schreibst, schon zu stimmen.

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BeitragVerfasst am: So 31. Okt. 2004; 23:33 Antworten mit Zitat
yan
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Pantitlan hat folgendes geschrieben:
Offtopic:
Ich kriege Dich schon noch dazu... Neu bist du nun ja bei einer Anmeldung auch gleich noch im Filmforum, im Kochforum, im Flugzeugforum angemeldet.
Vor allem kann ich irgendwann den Link zu meiner Hompage in meine sig einbauen - und der erscheint dann auch unter allen meinen älteren Einträgen Smile

Zitat:

Die Forenkanäle kann man im Pulldownmenue oben wählen. Ich glaube, die wenigsten haben diese Funktion bis jetzt gesehen... schade...
Ich war zumindest schonmal im Filmforum. Aber unsere schöne Diskussion um Martial Arts- vs. Pornofilme ist leider verschwunden Sad

Zitat:

Ich dachte, die Politik sei nur für Han. Aber wenn ich mich da an den Film "Urga" erinnere, dann scheint mir das, was Du schreibst, schon zu stimmen.
Aus dem Film habe ich das auch Very Happy . Es ist natürlich auch auf Seiten wie www.innermongolia.org nachzulesen, allerdings kann man den Autoren dieser Seite eine gewisse anti-chinesische Tendenz (notdürftig als Antikommunismus getarnt) nicht absprechen Confused
Allerdings habe ich durch googeln noch eine andere Seite gefunden: http://www.unescap.org/esid/psis/population/database/chinadata/innermongolia.htm, wo man immerhin folgendes lesen kann: In 1988, specific regulations were given for family planning among minorities. Furthermore, regular publicity and education were carried out, family planning teams were established, and research was emphasized.

Vielleicht habe ich die nächsten Tage mal Gelegenheit, jemanden zu fragen, wie es konkret aussieht, dann schreibe ich mehr. Cool
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BeitragVerfasst am: Mo 01. Nov. 2004; 00:27 Antworten mit Zitat
Pantitlan
Site Admin
Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 3968
Wohnort: Beijing (Basel)




Offtopic:
Habe ich Dich also doch überzeugt... Smile

ja genau, das mit der Signatur kannst du dann machen. Aber ich glaube, es erscheint dann bei den alten Beiträgen nicht automatisch. Die Signatur ist ja auch nicht bei allen Beiträgen von mir dran... Aber das kannst du dann ja noch sehen. Uebrigens, nur damit Du das schon weisst: ich würde mich natürlich seeehhr über einen Gegenlink freuen, sobald Du Deine Seite auch hast... Smile

Hm, wegen des Filmforums: ich bin ja daran, die alten Themen nach und nach rüberzukopieren. Das ist eben doch noch recht zeitaufwändig. Aber unsere alten Diskussionen sind nicht verloren...

Ontopic:
Hehe... das ist dort im Film ja auch wirklich süss dargestellt, wie sie ihn zum einkaufen schickt... Also das ist eine Regel von 1988... wann wurde den die Einkindpolitik eingeführt? So auf meiner Erfahrung mit chinesischen Freunden dürfte das wohl vor rund 25 Jahren gewesen sein und die zitierte Regelung wäre dann bereits eine erste Lockerung.

Ja klar, wäre schön, wenn Du noch ein ibsschen was findest... Smile

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BeitragVerfasst am: Mo 01. Nov. 2004; 12:21 Antworten mit Zitat
sandsturm
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Beiträge: 485
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Offenbar hat China auch ein Problem, junge Arbeitskräfte zu finden, was im krassen Gegensatz zur Arbeitslosigkeit dort steht, vor welcher die chinesische Regierung ummer wieder warnt. Es fehlt jedoch nicht nur an hochqualifizierten Leuten, sondern auch an einfachen Wanderarbeitern. Auch das kann mit der Einkindpolitik zusammenhängen und eine Abkehr fordern.


Zitat:
Als Ursachen für die Engpässe sehen viele nicht nur die Billiglöhne und die schlechten Arbeitsbedingungen an, sondern auch die Verweigerung von Versicherungen und anderen Sozialleistungen. Zudem bleibe ein immer grösserer Teil der Landbevölkerung zu Hause, weil sich dort durch die schrittweise Abschaffung der Steuern für die Bauern das Leben langsam verbessere.

Andere machen die auf das Einzelkind orientierende Familienplanung der Regierung verantwortlich. Die seit den 70er Jahren verfolgte Politik der Einkindehe habe dazu geführt, dass es heute an Arbeitskräften im Alter von 18 bis 25 Jahren fehle.
Wichtiger indessen: Es mangelt an Investitionen in die Erziehung und in die Ausbildung, und zwar im staatlichen wie im privaten Sektor. Nur 195 Yuan, umgerechnet nicht einmal 30 Fr., werden durchschnittlich in die Aus- und Weiterbildung eines Arbeiters investiert, bemängelte der Bericht des Arbeitsministeriums und forderte die Schulen und Universitäten auf, endlich auch die Ausbildung den Spielregeln der Marktwirtschaft anzupassen.

Quelle BaZ von heute
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