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Kriminalität in Brasilien...
BeitragVerfasst am: Do 07. Okt. 2004; 17:42 Antworten mit Zitat
Marco
Fullmoonpartyjäger
Anmeldungsdatum: 27.09.2004
Beiträge: 22
Wohnort: Berlin




Hallo, hier mal ein Beispiel, wie schnell man Opfer in Rio de Janeiro werden kann.
Ein Auszug aus dem Buch "In 7 Wochen von Rio nach Manaus":


Der aufgehende Mond und die ersten Sterne erzeugten im Meer ein Lichterspiel. Glitzernd funkelten die Himmelskörper auf dem dunklen Wasser. Die Wellen rauschten und sprudelten schäumend an den Strand. Hinter dem Strand an der Avenida standen Flutlichtmasten und warfen ihr Licht auf fast den gesamten Raum.
Nur direkt in Wassernähe war der Sand spärlich beleuchtet. Es wurde zeitig dunkel, die Finsternis brach herein. Unter den Flutlichtern spielten die jungen Brasilianer. Ab und zu wehte der Wind ihre Rufe herbei. Mit freiem Oberkörper oder mit den Trikots ihrer Lieblingsmannschaften bekleidet, rannten sie auf feinen, lockeren Sand dem Ball hinterher.
Am Wasser wurde es zunehmend einsam und still. Die Wanderstiefel standen neben uns, verträumt saßen wir im Sand und dachten nicht daran, den Strand zu verlassen. Alles hatte am ersten Tag hervorragend geklappt. Ein wunderschöner Reisetag ging zur Neige.
Die ausgehöhlten Kokosnüsse lagen neben den Stiefeln und waren vom feinen Sand fast verdeckt. Ich ließ diesen ersten Tag Revue passieren. Die Wanderung durch Flamengo und Botafogo, die Ankunft am Abend zuvor und das Copacabana Chalet, in dem wir jetzt wohnten.
Wir machten das »o cruzeiro do sul«, das Kreuz des Südens, ausfindig und stellten einige Vermutungen an. Alles um uns herum geriet in Vergessenheit.
Ganz gemächlich näherten sich fünf Personen aus verschiedenen Richtungen. Wir beachteten sie nicht. Warum auch. Einmal drehte ich mich in Gedanken versunken um und fragte mich, ob diese Männer zu uns kämen. Als sie immer dichter herankamen, vermutete ich, dass sie uns etwas verkaufen wollen.
Irrtum. Weit gefehlt. Plötzlich rannten die Männer auf uns zu, sprangen auf Kathrin und mich herab, rissen uns zu Boden und hielten uns fest. Bevor wir die Ernsthaftigkeit der Lage erkennen konnten, war es längst zu spät. Die Männer riefen mit energischen und hektischen Stimmen:
»Mafia Brasileira ... Mafia Brasileira ...!!!«
Die fünf finster aussehenden Gestalten umklammerten uns, zogen ihre Messer und redeten permanent auf uns ein.
Erschrocken blickte ich mich um. Wir hatten keine Chance. Naiv wie wir waren, hatten sie uns völlig überrumpelt. Jede Gegenwehr wäre riskant gewesen. Bedrohlich fuchtelten sie mit den Messern umher und redeten mit schnellen Worten.
Hunderte Gedanken wirbelten in meinem Kopf umher. Wieso gerade wir? Angst und Verzweiflung machten sich in mir breit. Alles kam und ging dermaßen schnell. Wie in einem Traum. Wie in einem Film.
Es war Wahnsinn. Mein Herz hämmerte, und meine Gedanken bildeten zunehmend ein wildes Chaos.
Oh mein Gott, nein, unser Geld, unsere Papiere...
Die Flugtickets ...
Unser erster Tag in Brasilien!
Mist, das kann es doch nicht gewesen sein, schon.
Meine Güte, der erste Tag in Rio!
Alles vorbei, nein, nein, nein!!!
Die Angst verflog, Wut und Bitterkeit über die eigene Dummheit kamen auf. Wie konnten wir nur so bescheuert sein?
Hektisch griffen die Männer in unsere Taschen, wühlten und zerrten an den Sachen, die wir am Leibe trugen. In jede Westentasche und Hosentasche griff eine Hand und suchte nach wertvollen Dingen.
Vor Aufregung nahm ich Kathrin gar nicht mehr wahr. Ich registrierte nicht, dass ein Mann, der sehr nervös zu sein schien, ein Messer an Kathrins Bauch hielt, und außerdem ein anderer versuchte, ihre Armbanduhr mit der Klinge abzuschneiden, weil diese schwer zu lösen war. Mit zittriger Hand war der Typ drauf und dran mit einem scharfen Messer an Kathrins Handgelenk zu hantieren. Ich sah nur die drei kräftigen Männer, die mit mir beschäftigt waren. Zum Glück konnte sie ihn überzeugen, dass es besser sei, wenn sie die Uhr abnehme.
Einer von den Männern fand meine Geldkatze und nahm sie an sich. Er wollte sie öffnen und zerriss sie dabei völlig. Mit dem Messer schlitzte er den Stoff und das Plastikfutter auf. Schleunigst steckte er das Bargeld und die Reiseschecks ein und warf die leere, zerfetzte Katze in den Sand. Eindringlich gaben uns die Männer zu verstehen, dass wir uns nicht zur Wehr setzen sollten, sie nähmen nicht die Tickets und Papiere mit.
Ich spürte, wie sich ein Messer fest in meine linke Wade bohrte. Trotz der prekären Situation musste ich innerlich lachen. Verwunderung keimte in mir auf. Warum das Messer an die Wade, und nicht an Brust oder Kehle? Ha, oder Brust oder Keule?
Die Lage wurde ernster. Als ein Mann nach meinem Fotoapparat griff, dachte ich, dies gehe zu weit, und wollte mich zur Wehr setzen. Dies geschah zum Entsetzen Kathrins:
»He, Marco! Bist du verrückt? Lass es sein, verhalte dich ruhig, es bringt doch eh nichts!!«
Ich tat dies. Schon Sekunden später warfen die fünf Männer die für sie wertlosen Papiere und Tickets in den Sand, wobei sie diese weit verstreuten, und verschwanden schnell in der Dunkelheit.
Somit war alles so schnell vorüber, wie es begann.
Ich hockte im Sand, schaute Kathrin ins Gesicht und verstand die Welt nicht mehr. Sag, dass alles nicht wahr ist, verdammt noch mal! Das ganze Geld ist weg, der Urlaub ist futsch, bevor er eigentlich angefangen hat. Das kann alles nicht wahr sein!
Deprimiert sammelten wir schnell die zurückgebliebenen Dinge ein und liefen zur Straße. Dort setzten wir uns auf eine Bank. Ich starrte fassungslos auf den Asphalt, und Kathrin ordnete ihre Papiere. Ich hätte hemmungslos heulen können, aber meine Augen waren wie ausgetrocknet. Kathrin ergriff meinen Arm und streichelte meine Schulter. Sie blickte optimistisch in die Zukunft und fand einige tröstende Worte:
»Es ist nun mal passiert. Es war halt riesiges Pech und absolute Dummheit von uns, sich mit all den Dingen ans Wasser zu setzen. Aber der Urlaub geht weiter, ganz bestimmt. Wir werden das alles schon schaffen. Freuen wir uns, dass es uns gut geht, dass nichts Böses passiert ist. Wir sind hier gemeinsam in Brasilien, wir hatten uns so lange darauf gefreut!«
Etwas ratlos zuckte ich mit den Schultern und versuchte ein wenig zu lächeln. Ich kam mir vor wie ein verprügeltes Kind, das völlig wehrlos Hiebe mitten ins Gesicht bekam, unfähig sich zu wehren.
Nach einer gemeinsamen Bestandsaufnahme stellten wir fest, dass Kathrin noch im Besitz ihrer Reiseschecks war. Sie hatte die Schecks zuvor in Zeitungspapier eingewickelt, damit diese am Strand nicht feucht werden. Diesen unscheinbar aussehenden Packen warfen die Strandräuber achtlos weg.
Dagegen vermissten wir meine Schecks und mein gesamtes Bargeld, eine beachtliche Summe von über sechshundert US-Dollar. Außerdem verloren wir beim Überfall unsere Armbanduhren und meine Fotokamera.

-------

Wer noch ein Kapitel über eine Busentführung in Brasiliens Norden lesen möchte:

http://www.13reise-fragmente.de.vu

Wem sind solch ähnliche Dinge auch schon einmal in Lateinamerika passiert? Ich bin gespannt, von Euren Erlebnissen zu hören!

Viele Grüße von Marco Wink
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kleine rio angste
BeitragVerfasst am: Do 22. Sep. 2005; 01:31 Antworten mit Zitat
anna
Gast




hi,

also, ich bin momentan in sao paulo, wo ich an meinem dritten tag auch ausgeraubt worden bin. war jedoch nicht so schlimm, wie dein uberfall in rio.
okay, jetzt aber zur meiner kleinen angst, die dein beitrag etwas verstarkt: ich reise morgen alleine nach rio weiter. alleine als frau. habe schon viele unangenehme geschichten gehort. aber andererseits will ich mir rio auf keinen fall entgehen lassen!! bleibe 4 tage. den mutigen gehort die welt Wink

naja, solange ich mich nicht in eine favela verlaufe, hoffe ich ganz wieder zuruckzukehren..

Re: kleine rio angste
BeitragVerfasst am: Mo 23. Jan. 2006; 16:10 Antworten mit Zitat
Marco
Fullmoonpartyjäger
Anmeldungsdatum: 27.09.2004
Beiträge: 22
Wohnort: Berlin




anna hat folgendes geschrieben:
hi,

also, ich bin momentan in sao paulo, wo ich an meinem dritten tag auch ausgeraubt worden bin. war jedoch nicht so schlimm, wie dein uberfall in rio.
okay, jetzt aber zur meiner kleinen angst, die dein beitrag etwas verstarkt: ich reise morgen alleine nach rio weiter. alleine als frau. habe schon viele unangenehme geschichten gehort. aber andererseits will ich mir rio auf keinen fall entgehen lassen!! bleibe 4 tage. den mutigen gehort die welt Wink

naja, solange ich mich nicht in eine favela verlaufe, hoffe ich ganz wieder zuruckzukehren..


Hallo Anna,

falls du mal wieder hier im Forum bist...
Was ist eigentlich aus deiner Reise geworden?
War alles okay?

Es grüßt Marco Very Happy

_________________
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http://www.foto-doku.de/forum
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