Saisombun Spezialzone in Laos - was ist dort?

Französischkurs in den ehemaligen französischen Kolonien (Laos, Vietnam und Kambodscha) gefällig? Oder doch lieber auf der Road to Mandalay pilgern und ein Beer Lao trinken?

Saisombun Spezialzone in Laos - was ist dort?

Beitragvon Attapeu » Samstag 18. Februar 2006, 17:56

Habe gerade in meinem Reiseführer gelesen, dass man in die Saisombun Spezialzone nicht gehen kann. Das ist offenbar ein grösseres Gebiet, nicht weit von Vientianne, das für Touristen gesperrt ist. Das deutet dann ja wohl drauf hin, dass dort etwas nicht ganz sauberes läuft. Hat da jemand eine Ahnung? Würde mich interessieren. War nämlich schon mehrmals in Laos und habe von solchen Zonen noch nie etwas gehört, geschwiege denn, dass es überhaupt grosse Probleme im Land gibt.
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Beitragvon dokbua » Montag 6. März 2006, 14:15

Diese Sonderzone wurde/wird als Rebellengebiet der Hmong bezeichnet. Das Volk der Hmong kämpft seit etwa 30 Jahren um die Unabhängigkeit. Um das im Griff zu bekommen, hat das Miitär vor vielen Jahren einfach daraus eine militärische Sonderzone gemacht. So sollte davon ausgegangen werden, das diese Zone keineswegs als befriedigt gilt. Eher kann man von einem Belagerungszustand im Land sprechen.

Hierzu gibt es aber auch genauere Infos:

http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/kriege/300ak_laos_hmong.htm
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Beitragvon Pantitlan » Mittwoch 8. März 2006, 23:01

Hmong werden allerdings nicht nur in Laos verfolgt, sondern auch in Thailand. So schreibt Amnesty international: "Die 6500 laotischen Angehörigen der ethnischen Minderheit der Hmong, die derzeit in der thailändischen Provinz Phetchabun leben, werden nach eigenen Angaben in Laos politisch verfolgt, da sie mit den Rebellengruppierungen in Verbindung gebracht werden, die seit langem einen bewaffneten Konflikt mit der laotischen Armee führen."

Eine Webseite einer anderen Menschenrechtsorganisation erklärt, die es zum Konflitk kam: " Die ethnische Minderheit der Hmong in Laos war während des Vietnamkrieges ein Verbündeter der US-Streitkräfte sowohl in Vietnam als auch in Laos und Kambodscha. Weil die Hmong nach Unabhängigkeit streben, werden von sie der laotischen Regierung öffentlich als "Banditen" bezeichnet. Mehrere hundert Rebellen der Hmong sind zusammen mit ihren Familien im Bezirk Phoukout der Provinz Xieng Khouang nordöstlich der Hauptstadt Viangchan (Vientiane) von laotischen und möglicherweise auch von vietnamesischen Streitkräften umzingelt. Die Hmong weigern sich, ihre - veralteten, leichten - Waffen abzugeben, da sie Vergeltungsschläge befürchten." (Kleine Frage: weiss jemand, was vietnamesische Streitkräfte zu suchen haben?) "Die Gruppe lebt unter ständiger Belagerung in einem Dschungelversteck. Schon durch die chronische Unterversorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten kommt es zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen."

Allerdings scheint sich die Situation ein bisschen zu besser. So haben nach einem taz-Artikel mehrere Hmong aufgegeben und seit Time-Magazine Jounalisten mit den Hmong Kontakt aufnahmen, sind sie überhaupt erst einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden.

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Beitragvon Pantitlan » Samstag 11. März 2006, 01:10

Hier habe ich noch einen Artikel gefunden, der mir recht interessant erscheint: http://www.amnesty-seamran.de/laos/hint ... hmong.html

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Beitragvon gabe » Sonntag 19. März 2006, 01:26

Es besteht seit einiger Zeit die Möglichkeit, gewisse Ausflüge in die Saisombun Spezialzone zu unternehmen. Es handelt sich dabei um 1-3 Tagesausflüge von Vang Vieng an den Nam Ngum Stausee und von dort Trekking, Kanu und River Rafting Ausflüge.

Mal abgesehen von dem Hmong Problem ist die Saisombun Spezialzone noch geschichtlich recht interessant. So befinden sich in dieser Provinz die grosse Anzahl von "geheimen" CIA Flugplätzen wärend des Vietnam Krieges.

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Beitragvon Pantitlan » Sonntag 19. März 2006, 13:30

Hast Du solche Ausflüge mal gemacht, Gabe? Was erzählen denn die Guides dort so darüber, wieso die Gegend abgeriegelt ist?

Ich glaube, als ich 2000 in Vang Vieng war, wollten wir auch dorthin gehen. Wusste damals allerdings nocht nicht, dass es diese Spezialzone gibt und bin deswegen auch nicht mehr ganz sicher, ob es wirklich dorthin gewesen wäre. Auf jeden Fall gab es schon damals die Möglichkeit es Trekkings in das Hmonggebiet. Da diese aber gerade aufständisch seien, wurde uns damals davon abgeraten.

Eine anderer Platz, den man besuchen kann, ist ein Nationalpark in Süden der Spezialzone.

Ansonsten: Was ist denn das Problem mit den geheimen Flugplätzen der USA? Mittlerweile wissen ja alle davon und dass sie die USA nicht ans Völkerrecht und Menschenrechte haltet, ist ja auch nichts Neues. Es gibt dort ja in der Zone ja sogar eine grössere Stadt: Long Chen oder Saisombun. Weisst du, was dort los ist? Die darf man nämlich auch nicht besuchen.

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Beitragvon Pantitlan » Donnerstag 4. Mai 2006, 10:15

Habe gerade von einem Reisegefaehrten, der einen hoeheren laotischen Regierungsbeamten kennt, folgende Infos bekommen. Ich denke, die duerften fuer die Diskussion hier recht hilfreich sein:

Habe heute erfahren, dass die Spezialzone SAISOMBUN am 17. Januar 2006 aufgehoben
wurde und nun wieder bereist werden kann. 2001 versuchten 2 Deutsche den
Widerstandskaempfern in der Zone 200'000 USD von Amerikan. Hmong-Organisationen
zu ueberbringen. Ihr Schlauchboot wurde von der Armee durchloechert und nebst
dem Geld fand man bei ihnen eine Karte und eine Namensliste.
2003 haben 3 Journalisten (F, BE, ?) Filmmaterial in der Zone gesammelt und
Hmong-Leader interviewt (war in der internationalen Presse). Sie wurden festgenommen
und das Filmmaterial beschlagnahmt. Die 15 Jahre Gefaengnisstrafe mussten
sie Dank diplomatischer Bemuehungen nicht absitzten.

Dafuer hatte die Regierung nun eine Namensliste plus die Gesichter auf Band!
Die betreffenden Leute (Hmong) leben jetzt nicht mehr und die Spezialzone
konnte aufgehoben werden.

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Beitragvon Pantitlan » Mittwoch 2. August 2006, 11:51

Noch ein kleiner Nachtrag. Offenbar bietet ein deutscher Entwicklungshilfen nun eco-tourist Touren in einem Nationalpark im Süden dieses Gebiets an. Ich denke, das könnte interessant sein:

http://www.trekkingcentrallaos.com/

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Beitragvon Pantitlan » Mittwoch 23. August 2006, 11:18

"Sie jagen uns wie Tiere!"

Bericht und Filmaufnahmen über Verbrechen an Hmong-Bevölkerung in Laos


Bern/Genf, 2. August 2006

Im Rahmen der diesjährigen UNO-Arbeitsgruppe für indigene Bevölkerungen, die von 31. Juli bis 4. August in Genf stattfindet, veröffentlicht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) morgen Donnerstag einen dramatischen Bericht über Verbrechen laotischer und vietnamesischer Sicherheitskräfte an Angehörigen der indigenen Gruppe der Hmong in Laos.

Ausserdem zeigt dort Rebecca Sommer, GfbV-Repräsentantin für indigene Völker bei den UNO in New York, erstmals vor kurzem aus Laos herausgeschmuggelte Filmaufnahmen über Gräueltaten. Zusätzlich werden zwei in den USA im Exil lebende Hmong-Experten über die verheerende aktuelle Situation der Hmong in Laos, wo sich mehrere Tausend von ihnen im Regenwald verstecken, und in Flüchtlingslagern in Thailand berichten.

Augenzeugenberichten zufolge machen tausende Soldaten in der Sperrzone Xaysomboun im Norden von Laos seit Monaten Jagd auf die in den unzugänglichen Wäldern versteckten Hmong-Gruppen, die zum grossen Teil aus Frauen und Kindern bestehen. In der Regel werden die Gruppen zuerst von Kampfflugzeugen und Hubschraubern aus lokalisiert und dann mit chemischen Kampfstoffen und Granaten bombardiert. Danach greifen Bodentruppen die Fliehenden an. Hmong, die in Gefangenschaft geraten, werden gefoltert, grausam verstümmelt, vergewaltigt und danach ermordet. Auch Kinder werden nicht verschont.

In dem umfangreichen GfbV-Bericht, der auf den Aussagen Hunderter Flüchtlinge beruht, werden furchtbare Szenen geschildert: Babys wurden gegen Bäume geschlagen, und vietnamesische Soldaten schlitzten Kindern den Bauch auf. Eines der jüngsten Massaker fand am 6. April 2006 nahe der Stadt Vang Vieng statt: Dabei wurden mindestens 26 Frauen und Kinder der Hmong - darunter zwölf Kinder unter zehn Jahren - von Soldaten niedergemetzelt.

"Trotz der Gräueltaten wurden 26 Hmong-Flüchtlinge im Dezember 2005 zwangsweise von Thailand nach Laos zurückgeführt", kritisiert die GfbV in ihrem Bericht. In dieser Gruppe waren 20 Mädchen im Alter von zwölf bis16 Jahren, die bis heute an verschiedenen Orten ohne Kontakt zur Aussenwelt festgehalten werden. Es wird befürchtet, dass sie schwer misshandelt und vergewaltigt wurden. Die männlichen Mitglieder der Gruppe sollen in ein entlegenes Gefängnis im Norden von Laos gebracht worden sein - Berichten zufolge wurden zwei Jungen zu Tode geprügelt.

Seit 1960 wurden Hmong systematisch vom US-Geheimdienst CIA angeworben, um gegen die kommunistische Pathet Lao zu kämpfen. Bis zu 40’000 Hmong standen zeitweise im Sold der USA. Bis zu 30’000 Hmong wurden getötet, bis die Pathet Lao schliesslich die Kontrolle über das gesamte Land erlangte und 1975 die Demokratische Volksrepublik Laos ausrief. Bis zu 300’000 Hmong ergriffen die Flucht. Heute leben Hunderttausende von ihnen in den USA im Exil.


Das ist eine Medienmitteilung der Gesellschaft für Bedrohte Völker. Ich denke, dass das auch im Sinne dieser Organisation ist, wenn ich diesen Text hierhin kopiere.

Was ich persönlich besonders schlimm finde: ein paar Tage nach den Massaker war ich dort, auch in Vangviang und kein Mensch wusste davon.

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Beitragvon Pantitlan » Sonntag 10. Juni 2007, 23:59

Offenbar gärt es noch immer. So sollen Hmong aus den USA einen Umsturzversuch geplant haben. Sie nahmen einen Amerikaner und neun Angehörige des laotischen Hmong-Volkes in Kalifornien fest, teilten die Justizbehörden in Sacramento mit. Darunter war auch General Vang Pao (77), den der US-Geheimdienst CIA zu Zeiten des Vietnamkriegs als Kämpfer gegen die Kommunisten rekrutiert hatte, schreibt die ARD auf ihrer Onlineseite. Die Männer hätten vorgehabt, die Regierungsgebäude in Vientiane dem Erdboden gleichzumachen. Allerdings ist mir nicht klar wie das hätte funktionieren sollen. Schliesslich waren das nur ein paar Leute und die Waffen hätten sie ja auch erst noch ins Land schmuggeln müssen...

Quelle:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldun ... 08,00.html

EDIT:

Hier habe ich gerade noch eine kleine Sammlung von Dokus gefunden, die über das Leiden der Hmong gedreht wurden.

http://www.rebeccasommer.org/documentar ... /index.php

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Beitragvon Pantitlan » Mittwoch 19. März 2008, 07:56

Die Gesellschaft für Bedrohte Völker hat wieder auf die Missstände in Laos hingewiesen. Diesmal geht es darum, dass Thailand einen Teil seiner Hmong-Asylanten abschieben will. Da offenbar jeder Tote Hmong Geld wert ist, ist diese Abschiebung tatsächlich ein Skandal.

Wie oben erlaube ich es mir, den Text in ganzer Länge hier hereinzukopieren:

Dramatischer Appell an Thailand zur Rettung von 8'000 Hmong-Flüchtlingen

Mit einem dramatischen Appell zur Rettung von rund 8'000 Hmong-Flüchtlingen hat sich die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Donnerstag an die thailändische Regierung gewandt. Der thailändische Premierminister Samak Sundaravej wird am Freitag in der laotischen Hauptstadt Vientiane unter anderem zu Gesprächen über das Schicksal der Flüchtlinge erwartet. Unmittelbar danach könnten erste Deportationswellen beginnen.

Im Schreiben der GfbV International an die thailändische Regierung, heisst es: "Das Leben und die Gesundheit dieser verzweifelten Menschen liegt in Ihrer Hand, bitte liefern Sie diese Menschen nicht in das totalitär regierte Laos aus". Die GfbV, der Augenzeugenberichte über zahlreiche Morde, Misshandlungen und Vergewaltigungen hilfloser Hmong durch laotische Sicherheitskräfte vorliegen, fürchtet, dass Abgeschobene ein ähnliches Schicksal erleiden werden.

Weil Hmong in den 1960-er und 1970-er Jahren von den USA angeworben wurden, um gegen die kommunistische Pathet Lao zu kämpfen, werden auch ihre Nachkommen bis heute gnadenlos vom Militär gejagt. Jüngsten Berichten zufolge belohnt Laos seine Soldaten für jeden ermordeten Hmong mit sechs Millionen Kip (ca. CHF 750). Noch bis zu 15'000 Hmong leben unter elenden Umständen versteckt in abgelegenen Bergwäldern von Laos. Viele hungern, ernähren sich von Wurzeln oder wilden Früchten.
Eine medizinische Versorgung gibt es für sie nicht. Immer wieder versuchen Hmong, sich nach Thailand zu retten. Doch auch dort finden sie keine Sicherheit.

Bisher hat Laos darauf bestanden, dass die Flüchtlinge ausgeliefert werden, und Thailand hat Angebote von Drittländern, die Hmong aufzunehmen, nicht angenommen. "Beide Länder bezeichnen die politisch Verfolgten als "Wirtschaftsmigranten", um so die Deportationen rechtfertigen zu können", berichtete die GfbV. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit entscheidet das Militär willkürlich darüber, ob einzelnen Hmong der Flüchtlingsstatus gewährt wird. Die Repräsentantin der GfbV für indigene Völker bei den UNO in New York, Rebecca Sommer, kritisiert, dass das UNHCR nicht einmal Zugang zu dem Flüchtlingslager nahe der Grenze zu Laos hat.

Seit November 2006 wurden insgesamt 448 Hmong-Flüchtlinge nach Laos deportiert, obwohl sich viele in Todesangst wehrten. Die Sicherheitskräfte mussten die Menschen mit Tränengas und Elektroschockern in die Fahrzeuge zwingen. Im Januar 2007 konnte die Zwangsabschiebung einer Gruppe von 153 Hmong - die meisten von ihnen Kinder - aufgrund scharfer Kritik der internationalen Staatengemeinschaft in letzter Sekunde gestoppt werden. Jetzt hat die GfbV International erneut den UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon, das UNHCR, die Vertretung der EU-Kommission in Bangkok, Botschafter der EU-Länder sowie der USA, Kanadas und Australiens alarmiert.

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Beitragvon gabe » Mittwoch 19. März 2008, 09:41

Nachdem Du dich hier eher mit Dir selber beschäftigen musstest trage ich auch wieder etwas kleines dazu bei.

Leider habe ich nie an so einer Saisombun Spezialzone Tour teilgenommen. Auf der einen Seite würde mich das schon reizen. Andererseits wurde die Tour in Vang Vieng angeboten und da gehts vermutlich eh primär um Fun und Action, das restliche zählt vermutlich weniger. Im weiteren wollten wir von Vang Vieng so schnell weg wie möglich und da war Vientiane die Alternative.

Genau aus den genannten Gründen finde ich es eigenartig, wenn behauptet wird, dass diese Spezialzone nun bereisbar sei. Der Grund, dass man diese Zone gesperrt hat sind genau die Aufständischen in dieser Gegend, ähnlich wie in gewissen Gebieten von Myanmar. Die Armee bekämpft diese dort offensichtlich und hat kein interesse an externen Einflüssen.

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