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 | Aktuelle Unruhen in der Mongolei |  |
Verfasst am: Mi 02. Jul. 2008; 15:50 |
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| gabe |
| Forenveteran |
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Anscheinend soll es nach Parlamentswahlen Ende Juni in der Hauptstadt der Mongolei, Ulan Bator zu Demonstrationen und Protestkundgebungen gekommen sein. Gemäss Medienberichten war das ganze teilweise gewalttätig. In Ulan Bator soll sogar the Ausnahmezustand ausgerufen worden sein und es ist eine Ausgangssperre von 22 Uhr bis 8 Uhr früh in kraft.
Wie verhält sich die Regierung und was für Auswirkungen hat das ganze auf den Tourismus im Land? In den nächsten paar Monaten ist ja Hochsaison in der Mongolei. |
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Verfasst am: Mi 02. Jul. 2008; 20:30 |
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| Monrise |
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Ich telefoniere derzeit mehrmals am Tage mit UB, auch mit einem Kandidaten der Parlamentswahl und meiner Meinung nach ist die Situation am ehesten mit den Randalen in den Pariser Vorstädten zu vergleichen. Angeheizt hat die Stimmung die demokratische Partei der Mongolei, die erhebliche Wahlverluste hinnehmen musste. Sie hat zu den in Ulaanbaatar üblichen großen Protestkundgebungen aufgerufen und Neuwhlen gefordert. Am Dienstag ist die Stimmung eskaliert und Gruppen von Jugendlichen haben zuerst das Gebäude der der MRVP, dann eine Gemäldegalerie!! und ein Kulturzentrum in Brand gelegt in der Nacht waren dann noch Autos dran. Seit dem Morgen gibt es keine Ausschreitungen mehr.
Ein politscher Sinn ist in den Randalen nicht erkennbar, maximal sozialer Frust, denn die demokratische Partei ist noch in Regierungsverantworung, zusammen mit der MRVP und damit selbst für die Sicherheitslage im Land verantwortlich. Sie hätte sich also selbt ein riesen Ei ins Nest gelegt, allgemeiner Volkszorn, wie anderswo behauptet gibt auch keinen Sinn, denn es sind am Sonntag immerhin über 76 Prozent der Bevölkerung zur Wahl gegangen und haben nahezu einstimmig eine der jetzt Regierungspartein gewählt.
Wie auch in Paris sind die Akteure bei den Brandanschlägen fast ausschließlich männliche Jugendliche aus den Vorortjurtensiedlungen. |
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Verfasst am: Mi 02. Jul. 2008; 20:37 |
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| Monrise |
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| Anmeldungsdatum: 11.02.2007 |
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| Noch zur Erklärung derzeit regieren MRVP und Demokraten in einer großen Koalition, gewählt wurde diesmal, das Ergebnis steht noch nicht fest, etwa 65 Prozent MRVP und 35 Prozent Demokraten, bisher im Parlament vetretene kleine Parteien sind komplett rausgeflogen. |
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Verfasst am: Mi 02. Jul. 2008; 22:11 |
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| gabe |
| Forenveteran |
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| Anmeldungsdatum: 15.09.2004 |
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Vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Jetzt kennen wir die Gründe dazu.
Ist es ähnlich wie in Paris, dass eher die Vororte betroffen sind? Oder ist es auch so, dass das Stadtzentrum und Orte wo sich Touristen aufhalten ebenfalls betroffen sind? |
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Verfasst am: Do 03. Jul. 2008; 06:19 |
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| Pantitlan |
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| Anmeldungsdatum: 13.09.2004 |
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Was hat denn diese demokratische Partei für einen Nutzen, den Volkszorn aufzuheizen? Es ist ja relativ klar, dass sie für die aktuelle Politik mitverantwortlich ist.
Mich würde auch interessieren, wie du die Lage für den Tourismus einschätzt. Vermutlich dürfte der nicht so stark betroffen sein. Solche Proteste ebben ja meistens recht schnell wieder ab. |
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Verfasst am: Do 03. Jul. 2008; 19:42 |
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| Monrise |
| Rastloser |
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| Anmeldungsdatum: 11.02.2007 |
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Es ist seit gestern wieder Ruhe in der Stadt, die eigentlichen Übergriffe fanden praktisch an einem Abend und der darauffolgenden Nacht statt.
Betroffen sind Gebäude im Stadtzentrum.
Die Demokraten haben die Stimmung angeheizt, weil sie eine Annulierung des Wahlergebnisses wollten. In der Mongolei haben solche Aktionen schon manchmal gefruchtet, wenn große Demonstrationen stattfanden hat man nicht nur einmal Gesetze wieder zurückgenommen. Es hat aber sicher keiner mit irgendwelchen Ausschreitungen gerechnet, wie schon gesagt ich rede darüber zur Zeit mit einer Kandidatin des demokratischen Blocks, denn die Partei ist schon seit Monaten in Splitterparteien zerfallen und dort hat man sofort die Demos verlassen, als es gewalttätig wurde.
Die Demokraten selber haben auch sofort ein hartes Durchgreifen der Sicherheitskräfte verlangt, wie schon gesagt, noch sind sie ja noch Regierungspartei, deshalb ist es ziemlich sinnlos, dass in den Medien hier immer wieder gemeldet wird, die Opposition wirft der Regierung Wahlfälschung vor, vielmehr wirft die eine Regierungspartei der anderen vor, sie habe sich Vorteile verschafft, aber eigentlich will sie das Ergebnis einfach nicht akzeptieren. Selbst wenn man unterstellt, dass die MRVP irgendwie geschickter daran gedreht hat, wie die Demokraten, dann geht es sicher nicht um 10 Sitze und die brauchten die Demokraten.
Im Wahlkampf haben sich jedenfalls beide Lager mit ihren Methoden nicht viel unterschieden und da gab es schon haufenweise Klagen bei der Wahlkommission wegen irgendwelcher angeblicher oder auch tatsächlicher Verstöße bei der Wahlwerbung. Im Übrigen sind die Demokraten auch nicht besonders beliebt, denn deren Spitzenpolitiker sind gleichzeitig die fettesten und die skupellosesten Geschäftsleute der Mongolei.
Der Tourist wird bis auf die drei ausgebrannten Gebäude wahrscheinlich kaum noch was mitkriegen. |
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Verfasst am: Sa 05. Jul. 2008; 09:36 |
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| Monrise |
| Rastloser |
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| Anmeldungsdatum: 11.02.2007 |
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Zur aktuellen Sicherheitslage: Der Ausnahmezustand ist vollständig aufgehoben worden, es gab relativ viele Verhaftungen, über 700 und darunter etwa 50 Minderjährige, die sind praktisch sofort wieder freigelassen worden. Von den übrigen, meist Jugendlichen, ist auch schon wieder ein großer Teil auf freiem Fuss, meiner Meinung nach vielleicht ein bischen zu zeitig. Zwei bekannte Scharfmacher, so eine Art politische Bodygards von einem Parteichef einer Splitterpartei der Demokraten, sind abgetaucht, vermutlich ins Ausland.
Es ist bisher auch noch nicht klar, wie es zu den 4 Toten durch Schussverletzungen kommen konnte und von wem die Schüsse abgegeben worden, die Polizei hatte eigentlich nur die bekannten Mittel wie Tränengas und Gummigeschosse, allerdings war die Situation total unübersichtlich da es keine vernünftige Strategie der Sicherheitskräfte gab und einzelne kleine Gruppen von denen komplett eigekesselt waren und sich nur noch selbst verteidigen konnten.
In wenigen Tagen findet das große Staatsnaadam in Ulaanbaatar statt, mit zehntausenden ausländischen Besuchern und vielen Großveranstaltungen, dort wird sich dann zeigen, wie stabil die Sicherheitslage tatsächlich ist. Im Lande selbst hat es keine Ausschreitungen gegeben, lediglich in der Industriestadt Darchan gab es Proteste, aber dort fährt kaum ein Tourist hin.
Meine Einschätzung für Reisen in die Mongolei, wenn die Nadaamveranstaltungen vom 10. bis 13. Juli ohne Zwischenfälle verlaufen, kann man das Thema als Tourist abhaken. In der Mongolei wird man sich aber über eine Hooliganszene Gedanken machen müssen, die man bis vor Kurzem wahrscheinlich verdrängt oder nicht wahrgenommen hat und politisch wird man sich einige "persönliche Mitarbeiter" im Umfeld einger Politiker genauer ansehen müssen, die bisher sozusagen im Umfeld ihrer Dienstherren parlamentarische Immunität hatten und fürs grobe Zuständig waren.
Interessant ist auch noch zu Bemerken, dass der amerikanische Botschafter sofort eine Protestnote wegen der 4 tägigen Verhängung des Ausnahmezustandes überreicht hatte. Es sieht so aus, als hätten die Amerikaner Gefallen daran gefunden, das dort Randale stattfanden? |
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Verfasst am: Sa 13. Sep. 2008; 16:41 |
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| Monrise |
| Rastloser |
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Obwohl die Sicherheitslage wirklich nur eine Nacht kritisch war und danach keinerlei Ziwschenfälle mehr passiert sind, hat die Sache dem Tourismus geschadet.
Die Saison ist beendet und jetzt sind die Zahlen bekannt, es hat vor allem bei Japanern einen deutlichen Rückgang gegeben.
Die Zwischenfälle werden auch heute noch heftig diskutiert und man hat eine ganze Reihe Polizisten festgenommen. Das andere extrem ist jetzt, dass man die wegen Mordes anklagen will und das kann die Todesstrafe bedeuten. |
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Verfasst am: Sa 13. Sep. 2008; 16:51 |
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| Alex |
| Forenveteran |
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| Zitat: | | Die Zwischenfälle werden auch heute noch heftig diskutiert und man hat eine ganze Reihe Polizisten festgenommen. Das andere extrem ist jetzt, dass man die wegen Mordes anklagen will und das kann die Todesstrafe bedeuten. | Klingt für mich so ziemlich nach Bauernopfern...
Gruß,
Alex |
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Verfasst am: Sa 13. Sep. 2008; 17:25 |
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| Monrise |
| Rastloser |
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Würde ich nicht sagen, denn wie schon gesagt, die Proteste gingen ja von Politikern aus, die aber zu dem Zeitpunkt gleichzeitig in der Regierung waren und wesentlich für die Sicherheitslage verantwortlich waren.
Es war eher so, dass sie die Situation selbst aufgeheizt hatten, die geriet dann außer Kontrolle als der Mob den ersten Schnapsladen geplündert hatte und anfing zu zündeln und dann haben die Politiker selber den Ausnahmezustand verhängt, die die Proteste initiert hatten, aber keiner wußte dort so richtig was Ausnahmezustand eigentlich ist, weder die Polizei noch die Bevölkerung, die meißten kannten nicht mal das Wort. Was dann folgte war eine absolut dilettantische Polizeiaktion und eben die 5 Toten. |
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Verfasst am: Sa 13. Sep. 2008; 18:05 |
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| Alex |
| Forenveteran |
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Meine ich doch... die angeklagten Polizisten sind ein Bauernopfer.
Gruß,
Alex |
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Verfasst am: Sa 13. Sep. 2008; 22:21 |
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| Monrise |
| Rastloser |
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| Noch ist ja keiner verurteilt, aber die Rechtslage in der Mongolei ist so, wenn es Mord war ist die Todesstrafe möglich, wird mit Sicherheit nicht dazu kommen, ist aber für die Polizisten und ihre Familien eine ziemlich besch. Situation. Das es als Mord ausgelegt werden könnte, beruht auf dem derzeitigen Ermittlungsstand, dass der Einsatz von Schusswaffen nicht zugelassen oder angeordnet war und das unsinnigste daran war, die wurden ja als es wirklich brenzlig war nicht eingesetzt, da hat man sich vom Mob regelrecht überrennen lassen, die Schusswaffen wurden erst eingesetzt, als in der Nacht der Ausnahmezustand verhängt wurde und da hat man auf Verdacht geballert. |
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