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NZZ über Laos
BeitragVerfasst am: Mi 15. Sep. 2004; 23:53 Antworten mit Zitat
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Forenveteran
Anmeldungsdatum: 15.09.2004
Beiträge: 236




Mr. Copy Paste
Beitrag vom Montag, Januar 5, 2004 @ 19:22

Auf dem Weg der Veränderung
Laos zwischen Kommunismus und Marktwirtschaft


Die Volksrepublik Laos hat sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion der Marktwirtschaft zugewandt. Doch der Aufschwung lässt auf sich warten. Die Kommunistische Partei erlaubt zwar inzwischen Privatbesitz. Die politische Kontrolle will sie aber noch nicht aufgeben - auch nicht jene über die buddhistischen Klöster.

rel. Vientiane, Ende November

Das Kloster von Nongbouthong gleicht einem Bungalowdorf. Die hübschen zweistöckigen Wohngebäude der Mönche stehen verstreut in einer grosszügigen Anlage. Von der Strasse werden die Häuser durch eine Mauer und gegen das Sonnenlicht von hohen Bäumen mit dichten Kronen abgeschirmt. Frisch gewaschene Gewänder in leuchtendem Orange hängen aus den Fenstern. Auf den Balkons turnen angekettete Affen; immer wieder verstricken sie sich in ihre Leinen und kreischen. Ein Hund kratzt sich die Läuse aus dem Fell. Nongbouthong ist ein Vorort der laotischen Hauptstadt Vientiane. Es besitzt einen imposanten Tempel. In dessen Innerem schimmert in einer mit intensiven Farben ausgemalten Nische golden eine grosse Buddhastatue. Um zum Buddha zu gelangen, passiert man jedoch zuerst eine Stupa, von deren Spitze drei Fahnen hängen. Die Tücher bewegen sich träge in der warmen Nachmittagsluft. Das eine ist blau, das andere grün. In der Mitte hängt eine rote Fahne - mit Hammer und Sichel.
Eines der ärmsten Länder der Welt

Laos ist seit 1975, dem Ende eines im Schatten des Vietnamkriegs geführten Krieges, eine Volksrepublik. Aber das Regime vermochte die Religion nicht auszulöschen. 60 Prozent der Bevölkerung sind Buddhisten. Tempel wie jener von Nongbouthong werden aufwendig instand gehalten. Am höchsten Feiertag des Landes, dem Vollmondfest im November, pilgern Tausende von Laoten aus dem ganzen Land zur goldenen Stupa von That Luang in Vientiane. In silbernen Schalen bringen sie Opfergaben für die Mönche mit, neben Nahrungsmitteln auch bündelweise Geldscheine. Dies, obwohl Geld in den Taschen des normalen laotischen Bürgers sehr knapp ist.

Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von jährlich 350 Dollar gehört Laos zu den ärmsten Ländern der Welt - und zu den am wenigsten entwickelten. Doch das soll sich ändern. Nach jahrzehntelanger Abschottung hat sich das Binnenland zwischen Thailand und Burma im Westen, Vietnam im Osten, China im Norden und Kambodscha im Süden wieder geöffnet. 1997 wurde es Mitglied der südostasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft Asean. Der Aufschwung stellt sich aber nur langsam ein. Die Asienkrise hat Laos besonders hart getroffen. Die Währung geriet in den freien Fall. 1999 betrug die Inflationsrate 123 Prozent. Erst 2002 hat sich die Wirtschaft wieder etwas stabilisiert.

Viele Laoten kämpfen täglich ums Überleben. Zu denen, die mit beinahe nichts auskommen müssen, gehört die 37-jährige Chantai. Sie wohnt nicht weit vom Kloster von Nongbouthong in einer jener Siedlungen der Hauptstadt, die langsam das Gesicht eines Slums annehmen. Ihre Behausung ist eine einfache Hütte mit einem Wohnzimmer und zwei Schlafkammern. Als Tapeten wurden alte Zeitungsseiten an die Wand geklebt. Ein vergilbtes Stoffherz hängt von der Decke. In den Ecken haben Spinnen ihre Netze gespannt. Möbel gibt es keine ausser den Gestellen, auf denen die Familie schläft. Chantai ist Mutter von vier Kindern. Ihr Mann arbeitet für eine Speditionsfirma und ist zumeist unterwegs. Die Frau verdingt sich als Tagelöhnerin. Und auch zwei ihrer Töchter, die eine 18, die andere 13 Jahre alt, tragen zum Familieneinkommen bei. Die ältere arbeitet in einer Näherei und verdient 25 bis 35 Franken im Monat. Dafür schuftet sie sechs Tage die Woche jeweils von 8 bis 22 Uhr. Die jüngere, Thip, hilft in einem Nudelsuppen-Restaurant aus. Eigentlich wäre sie schulpflichtig. Doch weil die Mutter erneut schwanger geworden ist, muss sie auf die kleineren Geschwister aufpassen und im Haushalt mithelfen. Laut einer Unicef-Statistik arbeiten in Laos 30 Prozent der 5- bis 14-Jährigen. Es sind vor allem Mädchen.
Protzige Villen in der Hauptstadt

Die Nudelküche, in der Thip über Mittag die Gäste bedient, liegt an der Umfriedungsmauer einer protzigen Villa. Gegen die Strasse hin wird diese von einem filigran geschmiedeten Gitter abgeschirmt. Ein Schild warnt vor einem bissigen Hund. Dies ist nicht die einzige Villa in der Hauptstadt. Seit der Öffnung sind nicht nur viele ärmer, sondern einige auch sehr reich geworden, und sie schämen sich nicht, diesen Reichtum zur Schau zu tragen.

Wer allerdings ein solches Haus bewohnt, muss, vor allem wenn er Staatsangestellter ist, einen lukrativen Nebenerwerb haben. Denn das Einkommen staatlicher Angestellter beläuft sich auf kaum mehr als 34 Franken im Monat. Die weniger Einflussreichen bessern das Gehalt zum Beispiel durch den Verkauf hausgemachter Süssigkeiten auf. Lehrer geben private Nachhilfestunden und lassen deshalb in den öffentlichen Schulen auch gerne mal den Unterricht ausfallen. Die wirklich einträglichen Geschäfte werden aber mit dem Handel von Teakholz, Opium oder Menschen gemacht.

Prostitution ist in Laos zwar verboten, doch zum Inventar der hauptstädtischen Bars gehören nicht nur Lao-Beer, sondern auch junge Frauen, die auf der Suche nach Arbeit mit allerlei Versprechen in die schummrigen Lokale gelockt worden waren. Die Zahl der Prostituierten in Vientiane wird auf 2000 geschätzt. Die Polizei schaut in der Regel weg, spricht allenfalls Verwarnungen aus und kassiert ab und zu Bussgelder.
Billige Arbeitskräfte für Thailand

Laos ist überdies zum Beschaffungsmarkt für Zuhälter oder Vermittler billiger Arbeitskräfte in Thailand geworden. Die thailändische Polizei greift immer wieder laotische Mädchen auf, die sich illegal, zumeist als Arbeitssklavinnen, im Land aufhalten, und schickt sie zurück. Auch das 15-jährige Mädchen, das von einer Sozialarbeiterin als Pha vorgestellt wird, ist erst vor kurzem wieder in seine Heimat abgeschoben worden. In einem schmucklosen Raum des Arbeitsministeriums sitzt sie am Boden und gibt schüchtern Auskunft über ihr Schicksal. Sie stamme aus einer ländlichen Region, erzählt sie. Weil das Einkommen aus den Reisfeldern nicht für die ganze Familie ausgereicht habe, habe sie eigenes Geld verdienen wollen. Eine Frau aus dem Dorf habe sie überredet, nach Thailand zu gehen, und ihr eine Stelle versprochen. Diese bekam sie auch: Sie arbeitete in einem Restaurant in Bangkok von 4 Uhr früh bis 20 Uhr spät. Lohn wurde ihr in Aussicht gestellt, aber nie bezahlt. Nach vier Monaten ist sie von der Polizei aufgegriffen worden. Obwohl es sich inzwischen herumgesprochen hat, welches Schicksal die Mädchen im Ausland erwartet, ist der relative Reichtum im Nachbarland noch immer verführerisch.

Ändern könnte sich dies, wenn die laotische Wirtschaft in Gang käme. «Aber Investitionen nach Laos zu lenken, ist schwierig», erklärt ein australischer Diplomat in Vientiane an einem Empfang, das Glas mit dem kühlen Drink in der einen, ein Spiesschen mit gegrilltem Huhn in der andern Hand. 41 Gesetze inklusive der Verfassung seien keine Grundlage für ein funktionierendes Rechtssystem. Vor allem den westlichen Anlegern fehlten die Sicherheiten. Trotzdem fliesse Geld nach Laos, vor allem dasjenige von Thais, Chinesen und Koreanern, meint der Diplomat. Ihnen gehörten die neuen Businesshotels in Vientiane und die Textilfabriken. Auch die grossen Wasserkraftwerke in Laos konnten nur dank ausländischem Kapital gebaut werden.
Allgegenwärtiger Staat

Für Mitglieder der Regierung wie den Gesundheitsminister Ponmek Dalaloy ist unbestritten, dass der Kurs der wirtschaftlichen Öffnung fortgesetzt wird. Dalaloy ist überdies überzeugt, dass eine Veränderung des politischen Systems folgen wird. Welches Modell ihm vorschwebe, will der Journalist wissen. Der Gesundheitsminister lächelt und erklärt: «Das richtige Modell gibt es noch nicht. Es muss erst erfunden werden.»

So leicht gibt die Kommunistische Partei ihre noch in der Verfassung von 1991 festgeschriebene Monopolstellung nicht auf. Und der Staat ist nicht nur in Form von Symbolen - wie der roten Fahne im Kloster von Nongbouthong - allgegenwärtig. Nur wer Parteimitglied ist, macht politische Karriere, und auch Laos kennt ein Spitzelsystem. Der Abt des Klosters, der 36-jährige Bouasing, wird von einem Herrn in grauer Parteiuniform zum Interview mit dem westlichen Journalisten begleitet. Dieser hält sich zwar diskret im Hintergrund. Das offene Notizbuch und die verschlossene Miene irritieren trotzdem.

Als der Abt sich jedoch vor dem Buddha auf ein Kissen niederlässt, in seinem golden glänzenden Gewand, die Hände im Schoss, beinahe selbst wie eine Statue erscheint und mit leiser Stimme zu reden beginnt, rückt der Parteifunktionär immer mehr aus dem Sinn. Der Abt spricht davon, dass die Mönche nun eine Aufgabe in der Gesellschaft wahrzunehmen hätten und diese erfüllten, indem sie beispielsweise als Lehrer in der ans Kloster angrenzenden Schule einsprängen oder für die Schule Geld sammelten. Wie er so von den Aktivitäten seines Klosters und der Mönche erzählt, vergisst man den Parteifunktionär immer mehr. Laos ist auf dem Weg der Veränderung, und selbst in den Klöstern herrscht Aufbruchstimmung.

Originallink: http://www.nzz.ch/2004/01/05/al/page-article9B2LD.html



swissgabe
Beitrag vom Dienstag, Januar 6, 2004 @ 09:38

Ein sehr spannender Artikel über die zukünftige Entwicklung in Laos.

Investitionen in Laos gibt es bereits aber diese sind eingeschränkt auf verschiedene Branchen und Betriebe. zB ist es für Ausländer möglich, ein Restaurant zu führen, aber keine Hotels.

Verschiedene Branchen sind garnicht zugänglich für Ausländer, oder zT nur über Joint Ventures mit laotischen Firmen. Ich habe mich mal damit etwas befasst




Pantitlan
Beitrag vom Dienstag, Januar 6, 2004 @ 10:14

Hier noch ein anderer Artikel der NZZ über Laos, den ich ebenfalls sehr spannend finde. Und der Laos in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt, als wir Touristen es normalerweise sehen... Das war im letzten April drin:

Anpassungsdruck auf die Bergvölker in Laos
Entwicklungsprogramme ersetzen Genozidkampagnen


Die Minderheitenvölker in Laos werden angehalten, ihre Dörfer aus den Bergen näher an die Ebenen zu verlegen. Das geschieht heute ohne brutale Nachhilfe, wie das zu Beginn der kommunistischen Machtergreifung oft der Fall war. Den einst amerikafreundlichen Hmong wird immer noch mit Misstrauen begegnet. Opium-Reduktionsprogramme und Strassenprojekte verändern das Leben der Bergvölker.

O. I. Luang Prabang, Ende März

Die Welt der Bergvölker im Norden von Laos wird sich in den nächsten Jahren stark verändern. Anfang März wurde der Bau einer über 500 Millionen Franken teuren Strasse von 1250 Kilometern Länge beschlossen, die Chiang Mai in Thailand mit Kunming in China verbinden wird. Eine Brücke wird den Mekong bei Huai Say überspannen und in Laos die Strasse über Luang Namtha bis an die Grenze zu China frei machen. Der internationale Verkehr wird auch negative Auswirkungen mit sich bringen, die mit dem Lastwagenfahrermilieu verbunden sind, wie die Ausweitung der HIV-Seuche, von der Nordlaos bisher weitgehend verschont geblieben ist. Vom «Goldenen Dreieck» ist hier schon nicht mehr die Rede, denn neben Laos, Thailand und Burma wird mit China ein Viereck gebildet, dem eine starke wirtschaftliche Entwicklung vorausgesagt wird. Mit dem Einbezug von Vietnam zeichnet sich gar ein «Goldenes Fünfeck» ab.
Ethnische Einteilung nach Höhenzonen

Die kulturellen Identitäten der Bergvölker, die bisher in erstaunlicher Weise dem Ansturm der modernen Welt standgehalten haben, werden aufgeweicht. Bald wird es nicht mehr notwendig sein, dass der Staat zu einem Kniff greift, um die Mehrheit seiner Bewohner als Laoten zu definieren. Die Regierung nimmt nämlich die ethnische Einteilung nicht nach anerkannten sprachlich-kulturellen Merkmalen vor, sondern gemäss den Höhenzonen, in denen die Menschen leben. Das ergibt die drei offiziellen Bevölkerungsgruppen der La o Lum (Tieflandlaoten, die so gerechnet die Laotisch sprechende Bevölkerungsmehrheit ausmachen), der Lao Theung, welche die mittleren Höhenzüge bewohnen, und der Lao Sung, der Hochlandbewohner, die an erster Stelle gemeint sind, wenn von ethnischen Minoritäten gesprochen wird. Ethnologen bevorzugen eine feinere Unterscheidung, die von bis zu 120 verschiedenen Völkern in Laos ausgeht.

Nam Hou sieht mit den Grasdächern und Häusern auf Stelzen aus wie ein typisches Bergdorf der Akha am Rande der Ebene von Muang Sing, unweit der Grenze von Laos zu China. Aber es ist ein neues Dorf, dessen Bewohner aus einer höheren Berglage umgesiedelt worden sind, um ihren Reis fortan auf bewässerten Feldern in der Talsohle anzubauen statt auf brandgerodeten Bergrücken. Bei der Umsiedlung sei zwar staatlicher Druck auf die Angehörigen des Minderheitenvolkes der Akha zu spüren gewesen, sagt der Dorfvorsteher Tse Kong, aber an den alten Ort möchten sie nun doch nicht mehr zurück, da sie hier von der Strasse, einem neuen Gesundheitsposten und sogar einer Schule profitieren. Ein junger Mann, der ein bisschen Englisch spricht, berichtet, dass er in Burma geboren worden ist; sein Vater diente einst den Franzosen und später den Amerikanern und floh 1975 bei der Machtübernahme des Pathet Lao. Der Sohn hat sich nach seiner Rückkehr als Polizist beworben, aber Staatsposten werden Leuten mit einer Biographie wie der seinen immer noch verwehrt.
Ausrottung angekündigt

Wer sich in Muang Sing umhört, erfährt von keinen Schreckenstaten mehr, wie sie nach der Machtübernahme der kommunistischen Guerilla in Laos im Schutz hermetischer Abgeschlossenheit begangen worden waren. 1975 hatte das Parteiblatt des Pathet Lao insbesondere dem Bergvolk der Hmong ganz unverblümt die Ausrottung angekündigt. Die Hmong hatten schon den Franzosen im Kampf gegen den Vietminh beigestanden und dann in der Geheimarmee der CIA die Hauptlast des Bodenkrieges gegen die Kommunisten getragen. Von den Amerikanern wurden die Hmong-Soldaten des Generals Vang Pao beim Rückzug aus Indochina als Bauernopfer regelrecht verschachert. Die amerikanische Regierung bot zwar Tausenden von Hmong-Kämpfern Asyl, zeigte aber wenig Interesse, Berichten über chemisch-biologische Attacken auf die im Lande verbliebenen Bergler nachzugehen. Vielleicht spielte dabei das schlechte Gewissen eine Rolle, denn bei den zunächst versprühten Giften soll es sich um Entlaubungsmittel gehandelt haben, die aus amerikanischen Beständen erbeutet worden waren. Später soll die Sowjetunion die vom Blick der Aussenwelt abgeschlossenen laotischen Berge als Experimentierfeld für die chemisch-biologische Kriegsführung mittels Mycotoxinen missbraucht haben. Beim Rachefeldzug der Kommunisten gegen die Hmong gehen Beobachter von bis zu 100 000 Opfern aus.

Die Kommunisten sind heute noch in Vientiane an der Macht, aber nach der Aushöhlung ihres ideologischen Oberbaus geben sie sich angepasst. Als Überbleibsel ihrer Wut gegen die Hmong bleibt weiterhin die Sonderzone von Saisombun bestehen. Sie liegt südwestlich der Ebene der Tonkrüge rund um Long Tieng, wo die CIA ihre geheime Operationszentrale hatte. Ein Armeeoffizier waltet mit Sondervollmachten über die von Hmong bewohnte Zone. Die Menschenrechtsorganisation der Hmong in den USA listet diverse Verbrechen auf, die dort bis in die jüngste Zeit hinein begangen wurden. So berichtet sie über die Ermordung von sechs Hmong am 22. Dezember 2001 im Dorf Phu Kooch.
Zwei rivalisierende Widerstandsgruppen

Der Widerstand gegen das kommunistische Regime geht immer noch hauptsächlich von zwei miteinander rivalisierenden Widerstandsorganisationen aus, in denen hauptsächlich Hmong aktiv sind. Kämpfer der Ethnic Liberation Organisation of Laos nennen sich Chao Fa («Herren des Himmels»); sie genossen zeitweise finanzielle Unterstützung von China und von amerikanischen Kriegsvermisstenverbänden. Vang Pao soll von den USA aus die Lao National Liberation Front steuern, die in der Provinz Xieng Khuang aktiv ist. Während früher Überfälle dieser Organisationen die Strassenverbindungen verunsicherten, sind seit rund zwei Jahren keine Zwischenfälle mehr seitens dieser oder anderer Guerillagruppen bekannt geworden.

Wie in Vietnam, das auf der anderen Seite der Grenze ebenfalls mit dem Widerstand von Stammesvölkern konfrontiert ist, begegnet das ideologieverwandte Laos ethnischen Minderheiten weiterhin mit Vorsicht. Die Hmong sind mehr als andere Bergvölker Umsiedlungsaktionen ausgesetzt. Die Bewohner eines Dorfes wurden 1984 von ihrem Reduit in der Sonderzone in die Ebene umgesiedelt, und nochmals 1994, diesmal weit weg nach Muang Sing an die chinesische Grenze. Dort wohnen sie nun in Khang Mai, umgeben von Dörfern der Akha, die eine andere Sprache sprechen. Die Zuteilung von Nassreisfeldern bezeichnen sie aber als Vorteil ihrer Umsiedlung.

Wenn der Staat bei Umsiedlungen den Bergbewohnern zusätzliche Ressourcen verschafft, befürwortet sie Günther Kohl, der für die deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) in Muang Sing seit 1994 mit grossem Erfolg das Integrierte Ernährungssicherungsprojekt leitet. Der Nassreisanbau bedeutet zweifellos eine Arbeitserleichterung und eine Ernteverbesserung gegenüber dem Wanderfeldbau in den Bergen, der nur mit Brandrodung funktioniert. Reis sei nicht bloss ein Nahrungsmittel, sondern das Kulturgut schlechthin. Ohne ausreichende Versorgung mit Reis sei keine Entwicklung denkbar, sagt Kohl. Zu den Schwerpunkten des Projekts gehört neben der Gesundheitsversorgung auch die Schulbildung. Weil die Akha von der Laotisch sprechenden Funktionärsschicht bis heute praktisch ausgeschlossen sind, sieht Kohl im Schulangebot für jedes Akha-Dorf einen wichtigen Zukunftsschlüssel. In fünf Jahren, prophezeit Kohl, werde in Muang Sing ein ganz anderes Machtgefüge herrschen, mit viel grösserer Repräsentanz der Akha im staatlichen Dienst und in politischen Gremien. Wenn die staatliche Behandlung der ethnischen Minoritäten in Laos kritisiert werde, so müsse fairerweise festgehalten werden, dass diese besser als im Nachbarland Thailand sei, wo in den Grenzregionen den Bergvölkern sogar die Staatsangehörigkeit verweigert werde, damit ihnen Landrechte vorenthalten werden könnten.

In Nam Hou zeigen die Akha keine Illusionen, wenn sie ihren Kommentar über die Parlamentswahl von Ende Februar abgeben. Die kommunistische Partei hat zwar fünf Kandidaten für den einen Sitz des Distriktes Muang Sing aufgestellt, darunter sogar einen Akha. Der Mann, den man im Dorf noch nie gesehen hat, wird in Nam Hou als «Alibi-Akha» tituliert. Auf dem fünften Listenplatz habe er keine Wahlchancen, und Staatsbeamte hätten den Bewohnern ohnehin nahegelegt, wen sie zu wählen hätten. Wenn die Akha das von Günther Kohl prophezeite Emanzipationsziel erreichen wollen, ist noch ein weiter Weg zurückzulegen.

Nach Burma und Afghanistan figurierte Laos 1998 mit 123 Tonnen Rohopium an dritter Stelle der Produzentenländer, bei der Zahl der Süchtigen besetzte es mit 63 000 den gleichen Rang. Die Regierung in Vientiane hat das ehrgeizige Ziel vorgelegt, bis im Jahre 2005 die Opiumproduktion zum Verschwinden zu bringen. Dies nicht nur wegen des Exportes, sondern auch wegen des Eigenkonsums, dem zwei Drittel der Produktion zufallen. Für den Eigenverbrauch ist der Anbau einstweilen aber noch erlaubt. «Opium ist für das Goldene Dreieck eine unschlagbare Frucht», sagt Günther Kohl von der GTZ über den Anbau von Mohnkapseln. Den Ertrag von einer Hektare kann ein Bauer einfach als Kugel in einer Hand tragen und jederzeit als universales Tauschmittel einsetzen. Opium dürfe aber nicht nur aus dem Blickwinkel des Westens als Problem betrachtet werden; für die Bergstämme habe es eine grosse kulturelle Bedeutung bei Ritualen und als sehr wirkungsvolles Heilmittel. Als die Opiumpfeife traditionell den Alten im Dorfe vorbehalten war, ergab sich für die Stammesbevölkerung daraus kein Problem. Seit jedoch immer mehr junge Leute zu dem betäubenden Rauschmittel greifen, fehlen mancherorts Arbeitskräfte, was die allgegenwärtige Unterernährung verstärkt.
Entzug im Dorf

Im Akha-Dorf Cha Oup gab es in 33 Haushalten 11 Süchtige. Die Regierung schreibt derzeit die Landbesitzverhältnisse in einem Katasterplan fest; für Opiumfelder gibt es keine Landtitel, und wenn zu wenig Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, wird generell weniger Boden zugesprochen. Unter Führung eines energischen Dorfchefs wurde gemeinsam ein Entzugsprogramm in Angriff genommen, das zwei Wochen dauerte. Ausserhalb des Dorfes wurde ein spezielles Haus errichtet, in dem Fachleute mit den Süchtigen arbeiteten, wo auch gegessen und geschlafen wurde. Zur Unterstützung wurden den Abhängigen Valiumtabletten verabreicht. Eine Woche nach Abschluss des Detoxifizierungsprogramms verweist der Dorfchef stolz darauf, dass niemand mehr süchtig sei. In Wirklichkeit muss mit einer Rückfallrate von 60 Prozent gerechnet werden.

Im Gegensatz zu den Hmong, die Opium hauptsächlich als Einnahmequelle betrachten, bauen die Akha Mohn vor allem zum Eigenverbrauch an. Günther Kohl verbürgt sich, dass in Muang Sing keine Heroinküchen in Betrieb sind. Allfällige Überschüsse wanderten schliesslich ins nahe Burma. Die GTZ hat sich im Opium-Ausrottungsprogramm engagiert, vor allem am Papun-Berg, der allerbesten Lage für Mohnanbau im Goldenen Dreieck. Mit den Berglern wurden die Bedingungen ausgehandelt, unter denen sie die Mohnpflanzungen aufzugeben bereit wären. Ohne Gegenleistung sind die Leute nicht bereit, ihre Opiumfelder zu reduzieren. Sie forderten den Bau einer Schule, von Wegen und Fischteichen, einen Gesundheitsposten und die Anlage von Terrassenfeldern für den Nassreisanbau. Nach einem Jahr wurde so der Opiumanbau um 90 Prozent eingeschränkt. Die USA beteiligten sich mit 270 000 Dollar an dem deutschen Projekt. Ob dieser Erfolg auch dauerhaft sein wird, müssen die Jahre noch weisen.

Neue Zürcher Zeitung, Ressort Ausland, 6. April 2002, Nr.79, Seite 9



Missile
Beitrag vom Mittwoch, Februar 18, 2004 @ 00:03

Seid ihr jetzt alle copy-paster geworden oder was? Vorallem alt sind sie, die Artikel.




Pantitlan
Beitrag vom Mittwoch, Februar 18, 2004 @ 02:14

Nee, Missile! Der obere Artikel ist gerade mal drei Monate und der zweite rund ein Jahr. Das mag zwar für Tagespolitik alt sein, nicht aber für einen Hintergrundbericht - vor allem nicht zu Themen, zu denen wenig publiziert wird. (Und die beiden Artikel sind tatsächlich die beiden aktuellsten über Laos in der NZZ).

Abgesehen davon gibt es in vielen Bereichen Artikel, die auch noch nach 50 Jahren aktuell sind. Zum Beispiel in der Geschichte zum Mittelalter oder der Antike bin ich immer wieder auf häufig zitierte und noch nicht veraltete Aufsätze gestossen, die teilweise schon fast 100 Jahre alt sind.

Die Frage wäre also schon eher, was Du inhaltlich davon hältst und nicht, ob sie kopiert sind oder nicht...
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