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Aufarbeitung der jüngsten Ereignisse in Tibet
BeitragVerfasst am: Di 22. Apr. 2008; 22:04 Antworten mit Zitat
Aremonus
Forenveteran
Anmeldungsdatum: 07.10.2005
Beiträge: 495
Wohnort: Basel




Ich möchte hier mal einen thread starten, in dem wir versuchen, eine chronologische Abfolge, wenn möglich als Kausalkette, der Tibet Unruhen 2008 zu erstellen. Wäre mal interessant, die ganzen Meinungen zu kennen und die Reaktionen plausibel darzulegen. Panti kann ja dann nen Zeitungsbericht darüber schreiben Laughing

Hier meine (dürftigen) Kentnisse als Kausalkette:

-> 10.3. Mönche demonstrieren in Tibet, Polizei schaut zu, wie jedes Jahr...
-> 14.3. in der Altstadt kommt es zu Ausschreitungen seitens der Tibeter gegen die Han, Han werden verletzt, ev. getötet
-> Polizei schreitet ein, versuch, das ganze zu Beenden
-> Im hinblick auf die Olympiade möchte Beijing schlechte Presse verhindern und schickt Journalisten weg
-> Tibeter demonstrieren immer wie mehr, die chinesische Polizei ruft die Armee, im Westen erinnert man sich an Tian' men
-> Die westliche Medien berichten unausgeglichen gegen China auf Grund fehlender Informationen aus dem Tibet
-> Xinhua startet Kampagne gegen alle "westlichen Medien"
-> Es wird heftig demonstriert gegen den Fakellauf. In Athen wirft sich eine Ketchup-verschmierte Schweizerin vor den läufer, unabhängigkeit fordernd.
-> In Frankreich wird die Fakel ausgelöscht, selbst eine Behinderte Fakelträgerin wird attackiert
-> Frankreich wird zum "bösen Land, das den seperatisten hilft"
-> weitere Ausschreitungen finden überall, wo die Fakel der Harmonie, wie sie euphemistischerweise genannt wird, statt.
-> China "bestraft" den Westen, in dem es die Visumbestimmungen verschärft.
(-> Ich sitz in der Tinte Rolling Eyes )

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BeitragVerfasst am: Mi 23. Apr. 2008; 01:58 Antworten mit Zitat
Pantitlan
Site Admin
Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 3830
Wohnort: Beijing (Basel)




An der Chronologie habe ich nichts anzufügen. Aber ich würde ein paar Dinge doch noch ein bisschen anders sehen.

Wenn eine Seite keine Informationen gibt und man das schreibt, dann ist das meiner Meinung nach nicht unausgeglichen. Höchstens "unausgeglichen". Dabei sind natürlich eine Reihe von tatsächlichen Fehlern und Missverstäntnissen nicht subsummiert.

Es gab nicht überall Ausschreitungen. An manchen Orten gab es ja auch Geisterläufe. Die befürchteten Konfrontationen waren allerdings nicht nur wegen Tibet. In der islamischen Welt dürfte die Identifikation mit den Uyghuren grösser sein, in den USA haben scheinbar auch Falungonganhänger demonstriert und einen eigenen Fackelzug organisiert. Das Fackellaufdesaster ist meiner Meinung weniger ein Resultat der Tibetpolitik als viel mehr davon, dass China sich überall Feinde gemacht hat.

Die neuen Einreisebestimmungen sehe ich nicht als Strafe an. Schliesslich trifft es die chinesische Wirtschaft genauso wie die europäische, wenn der Kontakt erschwert wird. Gemeinsam mit dieser Ausweisung der Studenten, die ja eigentlich eine Nichtverlängerung der Visas ist, heisst das, dass man möglichst wenige "gefährliche" Ausländer will, die vielleicht irgendwo Spruchbänder anbringen oder bei einem Protest mitdemonstrieren. Auch China weiss: Wenn die Polizei nicht nur die eigenen Leute, sondern auch Ausländer erschiessen würde, dann wäre der Skandal noch grösser... Also besser von Anfang an vermeiden.

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BeitragVerfasst am: Do 24. Apr. 2008; 07:59 Antworten mit Zitat
Fabyian
Traveller
Anmeldungsdatum: 27.08.2005
Beiträge: 71
Wohnort: Beijing




Ein bischen OT, aber ich wollte mal was zu den Einreisebestimmungen nach China sagen.

In den letzten Jahren war es fuer Westler ein Leichtes nach China einzureisen. Es wurde kein Rueckflugticket verlangt, keine Kontoauszuege, keine Einladung, kein polizeil. Fuehrungszeugniss - kurz: nichts! Westlicher Pass hat gereicht, ein Gang zur Botschaft und drin war das Visum.

Fuer Chinesen dagegen ist es alles andere als einfach ein Visum fuer zB Europa zu bekommen. Da gibt es in der Wahrscheinlichkeitshierarchie nur Unterschiede, ob jemand Student ist, verheiratet oder Single, wieviel Geld er auf dem Konto hat und welcher Reisegruppe er sich anschliesst. Einfach mal einreisen und mit dem Rucksack durch die Lande ziehen, ist nicht drin. Ganz zu schweigen davon, einfach mal so ohne aufwendigen Papierkrieg arbeiten zu duerfen.

Was China da also grade macht - aus welchen Gruenden auch immer! - ist nichts anderes als das, was der Westen schon immer so handhabt.

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BeitragVerfasst am: Do 24. Apr. 2008; 15:54 Antworten mit Zitat
Aremonus
Forenveteran
Anmeldungsdatum: 07.10.2005
Beiträge: 495
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naja ich habe kein Problem damit, wenn sie Versicherung und Flugticket verlangen wie die Schweiz. Eine Einladung, wie für die Schweiz erforderlich, brauch ich jetzt ja auch.
Das Problem ist viel mehr: man weiss nicht, woran man ist. Wenn man sämtliche Voraussetzungen für die Schweiz erfüllt, bekommt man das Visum 100%ig - bei China gibt es restriktionen, welche nicht öffentlich einsehbar sind. Gerüchten zu folge gibt es keine Visa für länger als 30 Tage und man hat als Student schlechtere Chancen.
Das grösste Problem ist jedoch: die Chinesen bearbeiten keinen Antrag länger als 2 Monate vor dem Abflug!

Für mich bedeutet das: sollte ich das Visum nicht erhalten, werde ich 1. c.a. 300€ verlieren, 2. muss ich einen neuen Flug buchen für meine Freundin von China hierher und 3. muss ich den ganzen Visumskram für sie erledigen, wobei die CH-Botschaft sagt, man muss min. 2 Monate rechnen...

DAS ist das Problem bei den chinesischen Behörden, und nicht, dass sie ihre Bestimmungen verschärfen.

Abgesehn davon: in Europa haben wir einen Sozialstaat, der den armen hilft und das Gesundheitswesen ist sehr teuer, deswegen ist eine Versicherung und eine Bestätigung ausreichender Mittel erforderlich - es geht hier nicht darum, irgendwen schickanieren zu wollen (auch wenn es mich zu weilen auch ziemlich nervt, besonders, wenn die Botschaften nicht vorwärts machen)

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BeitragVerfasst am: Fr 25. Apr. 2008; 00:14 Antworten mit Zitat
Pantitlan
Site Admin
Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 3830
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Ich glaube, ganz so durchsichtig sind die Abläufe der Schweizer Behörden auch nicht. Gerade bei jungen Frauen habe ich schon öfters gehört, dass sie das Visum auch dann nicht bekommen, wenn sie die Bestimmungen zu hundert Prozent erfüllen. Vielleicht weil eine heimliche Quote erfüllt ist? Fabiyan hat in diesem Punkt wohl schon recht und vermutlich mit seiner chinesischen Frau auch einiges an Erfahrungen sammeln können... Wenn ich mich richtig erinnere, bekam sie nicht einmal ein Touristenvisa, obwohl die beiden schon verheiratet waren.

Aber ich finde, dass das trotzdem zu kurz greift. Man kann ein übel nicht mit einem anderen aufwiegen. Momentan ist es eben noch immer so, dass es wohl mehr Chinesen gibt, die illegal nach Europa wollen, um dort zu arbeiten als umgekehrt. Noch ist es so, dass China auf ausländische Experten angewiesen ist. Noch braucht China die Auslandsinvestitionen, damit seine Wirtschaft weiter in diesem rasanten Tempo wachsen kann. Das sind real ungleiche Kräfteverteilungen, die sich halt eben auch auf die Visapolitik ausüben.

Und zu den Bestimmungen: Rückreiseticket wurde schon immer verlangt. Kontoauszüge nicht, aber die sind wohl auch selten wirklich nötig. Einladung war und ist je nach Visum nötig und dass man persönlich zur Botschaft gehen muss, das ist schon seit langem eine Schikane, die sich neben der chinesischen Botschaft nur wenige Länder erlauben.

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BeitragVerfasst am: Fr 25. Apr. 2008; 05:39 Antworten mit Zitat
Aremonus
Forenveteran
Anmeldungsdatum: 07.10.2005
Beiträge: 495
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Bei meienr Freundin war die Botschaft in Beijing bei der Visumsvergabe erst etwa langsam.. aber sind ja Berner UND Beamte, was will man da Laughing

Es kam zwar auch schon vor, dass sie mir ein Visum fast nicht geben wollte - sie hatten immer neue Ausreden und so... aber ich hab direkt dem Chef der Visumsabteilung Mails geschickt und jeden Tag angerufen, bis es ihnen zu blöd wurde und ich das Visum für meine Freundin erhielt^^
Seither kennen die mich und immer wenn ich anrufen heisst es "ach Sie sind das" - ich hatte nie wieder Probleme Laughing

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