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Weltreiseforum Foren-Übersicht » Der indische Subkontinent » In Nepal stehen Zeichen auf Entspannung
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In Nepal stehen Zeichen auf Entspannung
BeitragVerfasst am: Fr 11. Apr. 2008; 07:59 Antworten mit Zitat
sandsturm
Forenveteran
Anmeldungsdatum: 17.10.2004
Beiträge: 479
Wohnort: Bern




In diesen Tagen wir in Nepal gewählt. Dabei soll über eine Übergangsregierung abgestimmt werden, welche den Weg von der Monarchie, die dort vor zwei Jahren abgeschafft wurde in eine Republik ebenen soll. Zur Erinnerung: König Gyanendra hatte 2005 die Macht an sich gerissen. Es gelang ihm aber nicht, den Aufstand zu beenden. Nach Massenprotesten setzte er im April 2006 das Parlament wieder ein, das ihn anschließend entmachtete. Mit einem endültigen Wahlergebnis wird frühestens in drei Wochen gerechnet.

Zu den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung treten 57 Parteien
an. Die drei stärksten Gruppierungen sind die Maoisten, die Communist Party of Nepal-Unified Marxist-Leninist (CPN-UML) und der Nepali Congress (NC). Sie dürften das Rennen untereinander ausmachen.

Die meisten Gesprächspartner in Kirtipur seien überzeugt, dass sich der Maoistenführer Prachanda für die ärmeren Bevölkerungsschichten und die niedrigen Kasten einsetzen werde. Wenn die Maoisten auch in ihren ehemaligen Hochburgen im Westen noch über so viel Anziehungskraft verfügen, dürften sie besser abschneiden, als viele erwarten, glaubt ein NZZ-Autor.

Zitat:
Politische Beobachter tun sich schwer mit Prognosen. Seit 1999 haben keine Wahlen mehr stattgefunden. In der Zwischenzeit sind 4 Millionen Neuwähler hinzugekommen. Die Hälfte der 17,6 Millionen Stimmberechtigten sind unter 35 Jahre alt. Ihr Wahlverhalten ist schwierig vorherzusagen. Die Maoisten stellen sich ausserdem zum ersten Mal einer Wahl. Die Vorstellungen, wie viele Stimmen sie auf sich vereinen können, gehen auseinander. Laut einer Umfrage waren am letzten Tag der Wahlkampagne 55 Prozent der Befragten noch unentschieden.


Die Frage ist dabei, was auf die Resultate folgen wird. Der Maoistenführer möchte gerne selber Präsident werden. Unklar ist jedoch, ob er sich mit einer Rolle in einer Koalition abfinden könne, oder ob er bei einem allfälligen Wahlverlust wieder in den bewaffneten Untergrund geht.

Trotzdem denke ich, dass es ein grosser Fortschritt ist, dass die Maoisten das erste Mal in einen demokratischen Regierungsbildungsprozess eingebunden werden konnten. Wenn sie sich an die Spielregeln halten, hat Nepal nun wohl eine Chance wie schon lange nicht mehr, einen langandauernden Konflikt endlich zu begraben. Für uns Reisende heisst das dann auch, dass dort die Sicherheitslage besser wird und wir auch andere Gegenden von Nepal bereisen können.

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BeitragVerfasst am: Di 15. Apr. 2008; 06:46 Antworten mit Zitat
Pantitlan
Site Admin
Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 3753
Wohnort: Beijing (Basel)




Das ist noch die Frage. Derzeit liegen die Maoisten vorne im Rennen und werden wohl die Wahl gewinnen. Ob dieser Sieg nun wirklich ein Garant des Friedens ist oder den Beginn einer selbstgewählten Schreckensherrschaft markiert, wird sich erst noch zeigen. Die Maoisten waren jedenfalls in der Vergangenheit nicht als sehr zimperlich bekannt, wenn es darum ging, Gegner auszuschalten. Es ist kaum anzunehmen, dass sie ihre Methoden ändern werden, nur weil sie in die Regierung eingebunden sind. Aber für Touristen könnte das allerdings schon besser werden.

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BeitragVerfasst am: Di 15. Apr. 2008; 06:54 Antworten mit Zitat
sandsturm
Forenveteran
Anmeldungsdatum: 17.10.2004
Beiträge: 479
Wohnort: Bern




Du hast Recht. Allerdings gibt sich Prachanda moderat und sagt, dass er sich an die neuen demokratischen Spielregeln halten wolle. Das steht auch so in der NZZ:

Zitat:
Der frühere Guerillaführer Prachanda ist seinem Traum, der erste Präsident der Republik Nepal zu werden, einen grossen Schritt näher gekommen. Er gab sich am Montag versöhnlich und moderat. Auch im Falle eines überwältigenden Siegs würden die Maoisten mit den anderen Parteien zusammenarbeiten; er wolle Nepal nicht in einen kommunistischen Einparteistaat verwandeln, versicherte er. Seiner Partei gehe es in erster Linie um Frieden und Versöhnung und darum, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Allerdings wird sich erst zeigen müssen, ob die Maoisten ihren totalitären Methoden wirklich abgeschworen haben. In Kathmandu bestehen diesbezüglich einige Bedenken. Vor allem die Medien befürchten zunehmende Zensur.


Im Artikel verstehe ich aber einen Satz nicht so ganz. Dort heisst es: "Für die beiden grossen Nachbarn Nepals – Indien und China – sowie für de USA ist der Sieg der Maoisten höchst unerfreulich. (...) Indien hat im eigenen Land mit einem maoistischen Aufstand zu kämpfen und fürchtet, der Sieg der Genossen in Nepal könnte den indischen Maoisten Auftrieb verleihen." Welcher Aufstand ist da gemeint? Sind das diese Aufstände in Ostindien und sind die irgendwie miteinander verbunden?

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BeitragVerfasst am: Di 15. Apr. 2008; 07:21 Antworten mit Zitat
Pantitlan
Site Admin
Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 3753
Wohnort: Beijing (Basel)




Hier ist eine etwas ältere (2001) Analyse, wie die Maoisten in Indien und in Nepal entstanden sind. Das ist wohl im Hinblick auf deine Frage noch ganz interessant:
http://www.suedasien.info/analysen/648

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